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Posts Tagged ‘Fußball’

Dresden im Freudentaumel – Dynamo schafft Aufstieg in 2. Liga

Fußballspiele könnten spannender nicht sein. Erst liegt die eigene Mannschaft im Rückstand, doch dann wendet sich das Blatt. Und dann die Angst vor dem Tor des Gegners. Und die Minuten ticken … und ticken … und dann geht der Schlusspfiff im Jubel und Freudentaumel unter.

Dynamo Dresden hat also das Unmögliche möglich gemacht. Das sagt sich so leicht, aber es gibt doch die Situation wieder, in der sich der Verein noch vor Wochen befand. Nach drei verlorenen Spielen feuerte man Trainer Maucksch und präsentierte auch gleich einen neuen: Ralf Loose – ein stiller Mann, der seiner Mannschaft angeblich als erstes die Frage stellte, wer noch an den Aufstieg glaube. Damals meldete sich keiner, doch schon wenige Wochen später schien die Situation nicht mehr so aussichtslos. Der neue Trainer brachte neuen Schwung ins Team, fand gleich den Kontakt zur Mannschaft und machte die noch übrigen Spiele allesamt zu Endspielen. Offenbar hat das gewirkt. Kein Spiel ging seitdem verloren, selbst Rückstände konnten noch umgebogen werden. Mit Fleiß, Teamgeist und vor allem Moral hat es die Mannschaft nun in die 2. Bundesliga geschafft.

Nun sollte man so richtig ausgelassen feiern, denn bei Dynamo ist nicht alles Gold was glänzt. Einige Spieler verlassen den Verein, das ist sicher. Zudem stehen noch Vertragsverhandlungen aus, die durch den Aufstieg aber möglicherweise etwas leichter werden könnten. Und auch neue Spieler müssen präsentiert werden, besonders im Sturm bleiben da noch einige Fragezeichen. Und letztlich muss es Dynamo endlich schaffen auf eigenen Beinen zu stehen und ein solides Finanzkonzept zu erstellen. Die klamme Stadtkasse kann nicht immer einspringen, wenn ständig neue Löcher im Etat aufklaffen. Nicht zu vergessen sei auch die berechtigte Kritik der anderen Sportvereine, die unter der Einseitigkeit der Sportförderung leiden.

Christian Helfricht

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Spanien solls richten

WM-Kolumne #5 (und Schluss)

Vieles bei dieser Weltmeisterschaft in Südafrika mutet ungewöhnlich an. Manches von dem konnte man vorher noch nie erleben, einiges hätte man im Voraus hingegen schon anders planen können. Viele scheinen beispielsweise davon überrascht zu sein, dass in Afrika winterliche Verhältnisse herrschen können, die auch mal Schnee hervorbringen und eisige Temperaturen von deutlich unter null Grad. In der heutigen Pressekonferenz hat sich Co-Trainer Hansi Flick dazu geäußert, wie man sich im Winter zu verhalten habe: warm anziehen, nach dem Duschen die Haare föhnen um sich ja nicht zu erkälten, u.Ä. Sind die Themen denn schon so ausgegangen, dass man selbst so etwas schon bis ins Detail analysieren muss?

Immer wieder Thema sind auch die Vuvuzelas, diese wunderbaren Tröten, die den normalen Klangteppich im Stadion deutlich überlagern. Fernsehstationen verzweifeln ob der Geräuschkulisse und verwenden alle möglichen Audiofilter, um dem entgegenzusteuern. Aber selbst über die Lippenmikrofone konnte man damit noch keine zufriedenstellende Lösung finden. Viel mehr sollte man es bei dem Zustand belassen, den man nun erreicht hat. Wenn die Fankultur in Südafrika dem entsprechend aussieht, sollte man dies akzeptieren und nicht verbieten (wie es einige auch in der FIFA versucht haben).

Gespielt wurde gestern übrigens auch noch; kaum zu glauben. Die Elfenbeinküste konnte den Portugiesen ein 0-0 abtrotzen, bei dem man im Zweifeln über die Favoriten immer weiter bestärkt wurde. Und auch die Brasilianer konnten keine überzeugende Leistung gegen die imponierenden Nordkoreaner abliefern, von denen man zuvor nicht unbedingt viel erwarten konnte. Offenbar fehlte es an Einsatz und der Bereitschaft Laufwege in Kauf zunehmen, die die Fünfer-Abwehrkette der Koreaner auszuhebeln im Stande waren. Dies gelang dann auch nur zweimal. Im Gegenzug wurde es zum Ende hin sogar noch einmal spannend, als die Nordkoreaner durch eine famose Einzelleistung den Anschlusstreffer erzielen konnten. Gegen die zuvor ambitionierten Brasilianer hatte ihnen das keiner zugetraut und musste sich angesichts dieser Leistung nun die müden Augen reiben.

Heute nun steigt Topfavorit Spanien ins Turnier ein. Kaum zu glauben, dass sich auch die Furia Roja (also das spanische Nationalteam) die Blöße geben werden; in den letzten 31 Partien wurde die Mannschaft von Trainer Vicente Del Bosque nicht mehr geschlagen. Wo kämen wir denn dann hin, wenn sich dies gerade bei der WM ändern sollte?

Christian Helfricht

Schlimmster Alptraum eines Torwarts

WM-Kolumne #3

Südkorea – Griechenland 2-0
Argentinien – Nigeria 1-0
England – USA 1-1

Es gibt Sekunden, die werden zu Minuten, zu Stunden, zu Ewigkeiten. Es gibt Augenblicke, die vergisst man im Fußball nie, die brennen sich ein ins Mark der Akteure, können zum Aus in der Meisterschaft führen und das Ende einer großen Hoffnung bedeuten. So weit sind wir noch nicht, doch das, was Englands Torwart Robert Green von West Ham United da passierte, wird er so schnell nicht vergessen. In Führung liegend ließen sich die Engländer das Spiel zunehmend von den US-Amerikanern aus der Hand nehmen und so kam Clint Dempsey (der übrigens beim englischen Verein FC Fulham unter Vertrag steht) zum Schuss aufs Tor von Englands Keeper Green, dem der Ball an den Händen nach hinten abklatschte und ins Tor kullerte. Es sind Szenen, die stehen für die schlimmsten Alpträume eines Spielers, oft provozieren sie den Hass einer ganzen Nation. Das englische Boulevard ist zudem für seine vernichtenden Beiträge bekannt.

Im ersten Spiel des Tages gewannen die Südkoreaner gegen schwache Griechen, die auf ganzer Linie versagten. Deren sich allseits verdient gemachter Trainer, Otto Rehagel („Rehakles“), ist für seine ungewohnten Entscheidungen bekannt und lief zunächst mit einer Mannschaft auf, die sich mehr für die Liebe zum Füßehochlegen interessierte, als ein Spiel zu gewinnen. Die Südkoreaner nutzten dies prompt und trafen zur frühen Führung. Überhaupt war es der Tag der frühen Tore. Auch England traf schon nach vier Minuten durch Kapitän Steven Gerrard (FC Liverpool), Argentiniens Abwehrspieler Ivan Gabriel Heinze (Olympique Marseille) lochte in der sechsten Minute zum 1:0 Entstand gegen Nigeria ein.

Die Favoriten für den Turniergewinn haben heute insgesamt nicht überzeugt. Englands schwaches 1:1 gegen die USA reicht nicht, um andere Mannschaften abzuschrecken. Ein Rooney (ManU) allein kann eben auch kein Spiel gewinnen, zumindest nicht gegen eine stramm formierte Abwehr der Amerikaner. Insgesamt bleibt festzuhalten für den heutigen Spieltag: Nichts muss, alles kann – Titelanwärter können straucheln, echte Underdogs sind Geschichte und das Spiel, das uns wirklich vom Hocker reißt haben wir auch noch nicht gesehen. Vielleicht kommt das ja morgen, wenn Deutschland mit seinem ersten Auftritt ins Geschehen eingreift.

Christian Helfricht

Zögerlicher Auftakt der Fußball-WM in Südafrika

WM-Kolumne #2

Südafrika – Mexiko 1-1
Uruguay – Frankreich 0-0

Der erste Tag der Fußball-WM ist vorbei und eines kann man wohl schon sagen: den späteren Weltmeister haben wir heute noch nicht gesehen. Schwache Spiele, die eher von Kampf und viel Klein-klein bestimmt waren, typisch für den Auftakt einer WM. Es herrscht noch viel Unsicherheit, keiner weiß wo er steht und niemand möchte sich zu schnell aus der Reserve locken lassen, nur um im nächsten Moment einen Konter zu verpassen. Alles normal, soweit, nur an die Vuvuzelas, diese langen, trompetenartigen Blasinstrumente, muss man sich noch gewöhnen, die wie ein Dauerorchester das Stadion beherrschen.

Bei den heutigen Spielen konnte keine Mannschaft wirklich überzeugen. Im Abendspiel zwischen Uruguay und Frankreich kam Torgefährlichkeit erst in den letzten zehn Minuten auf, nachdem die Uruguayer nur noch zu zehnt waren und Frankreich Henry und Malouda eingewechselt hatten. Während des Spiels stellte man sich oft die Frage, ob hier überhaupt eine Mannschaft gewinnen will oder man sich gleich mit einem Null-Null zufrieden gibt. Nichtangriffstaktik und Standfußball, ein Ribery, der doppelt gedeckt klug aus dem Spiel genommen wurde und ein französischer Trainer, der Anweisungen gab, die keiner hören wollte. Während der Vorbereitung war das Land mit seiner Equipe Tricolore hart ins Gericht gegangen, besonders Trainer Raymond Domenech, ein Sturkopf vor dem Herrn, drang nicht mehr zu den Spielern durch. Das merkte man heute auch im Spiel. Mit dieser Einstellung wird es schwer für Frankreich, die Vorrunde zu überstehen.

Im Auftaktspiel zwischen Südafrika und Mexiko, das schon um 16 Uhr angepfiffen wurde, musste man zunächst auch mit eher zögerlichen Aktionen Vorlieb nehmen. Man spürte deutlich den Druck, dem die Bafana Bafana ausgesetzt war. Doch die zweite Halbzeit entschädigte, da das südafrikanische Team in Führung ging und einen leisen Traum weckte, der schon Minuten später von den Mexikanern zum Platzen gebracht wurde. Doch hier zeigten sich zwei Mannschaften, denen man die Anstrengungen zumindest abnahm. Der südafrikanischen Seele kann dies nur gut tun. Man muss allerdings die nächsten Spiele abwarten, um zu sehen, ob die Vuvuzelas weiter tröten dürfen oder schon wieder eingepackt werden müssen. Manch einer würde sich darüber sogar freuen.

Christian Helfricht

Südafrika unter Druck. Was schafft die Bafana Bafana?

WM-Kolumne #1

In wenigen Augenblicken beginnt die Fußball-WM in Südafrika und wir erleben einen Gastgeber, der sich in Exstase tanzt, schreit, trötet und feiert. Alles scheint bereitet für ein Land, das sich aus der Defensive heraustraut und einen Kontinent, dem der Fußball schon lange in der Seele brennt.

Für Südafrikas Team, Bafana Bafana („die Jungs“), steht viel auf dem Spiel, denn die Erwartungshaltung ist gewaltig, der Druck enorm. Nicht wenige in Südafrika haben den Titel schon fest anvisiert, eine Enttäuschung kann sich das Team nicht leisten. Doch die Statistik spricht für die Mannschaft: noch nie ist ein gastgebendes Team schon in der Vorrunde ausgeschieden. Und Südafrikas Fußball hat in den letzten Monate eine wahre Revolution erlebt. Akribisch wurde sich vorbereitet, wer da nicht mitwollte, muss die Meisterschaft im eigenen Lande nun von der Tribüne verfolgen (bsw. Rekordspieler Benni McCarthy). Mit Trainer Carlos Alberto Parreira ist ein erfahrener Mann am Werke, der schon viele Länder coachte: Kuwait, Vereinigte Arabische Emirate, Brasilien, Saudi Arabien und nun auch schon zum zweiten Mal Südafrika. Auf dem Trainer liegen die höchsten Erwartungen, ganz Südafrika hofft auf die Kreativkraft und Angriffslust Parreiras, doch der ist die Ruhe selbst.

In der Fifa-Weltrangliste steht Südafrika nur auf dem 83. Rang, der heutige Gegner Mexiko steht auf Platz 17. Eigentlich klare Verhältnisse, würde man meinen, doch darf man die Unterstützung im eigenen Land nicht unterschätzen. Man erinnere sich an die letzte WM in Deutschland, die der Nationalmannschaft einen deutlichen Auftrieb gab. Das heutige Eröffnungsspiel ist allerdings wegweisend für das gesamte Turnier. Gewinnen die Gastgeber, wird die Stimmung in blanke Euphorie umschlagen, die dem Turnier nur helfen kann. Sollte Südafrika verlieren, könnten aber auch die hohen Erwartungen in herbe Enttäuschung umschlagen, die sich mit möglichen Negativnachrichten abseits des Fußballplatzes vermischen. Dies bleibt nicht zu hoffen.

Christian Helfricht

Peking lebt. Die Leistungen der Olympioniken brauchen Anerkennung

Olympische Spiele sind eigentlich tausendmal wichtiger als sämtliche Fußballeuropameister- und weltmeisterschaften und trotzdem können die Einschaltquoten bei weitem nicht an solch wichtige Kickerspiele heranreichen. Komisch eigentlich, was stimmt da nicht?

Man könnte meinen, die deutschen Leistungen seien einfach zu schlecht, die Schwimmerinnen und Schwimmer kommen erst ins Ziel, wenn die Sieger schon den Kaffee getrunken und die ersten Interviews gegeben haben. Oder die Radfahrer, denen allesamt schlecht ist und die auch heute beim Zeitfahren deutlich überrundet wurden. Oder die Ruderer, ehemals Ausnahmeerscheinung und Medaillengarantie, denen Streitigkeiten auf Funktionärsebene im Vorfeld nun die miesen Ergebnisse bescheren.

Vielleicht liegt es auch an Menschenrechtsfragen. Es soll Gesellschaftsgruppen geben, die im Olympiaboykott (also Fernseher aus) neue Formen der Protestkultur erkennen lassen. Man sagt Nein zu Peking, Nein zu China, mithin aber auch Nein zum olympischen Geist, der ja im eigentlichen Sinne ein friedlicher, weltvereinender ist.

Vielleicht ist es aber auch der Krieg im Kaukasus, der die politischen Debatten beherrscht. 2000 Opfer, zahllose Verletzte und unzählige Vertriebene können nur schwer mit den olympischen Spielen zusammenpassen. Und wenn man die mediale Öffentlichkeit betrachtet, öffnen sich wieder die Gräben des Kalten Krieges. Georgien steht auf der Seite der Westmächte, möchte mehr in Europa integriert werden und Mitglied der Nato werden. Russland hingegen kann damit nichts anfangen, meint es doch, noch immer die Vorherrschaft in den östlichen Gebieten zu besitzen.

Und über den Mauerbau vor 47 Jahren möchte auch keiner reden. Überhaupt: Olympia ist ja auch mal schön. So viele Sportarten, von denen man sonst nie etwas sieht. Aber die deutsche Öffentlichkeit kann sich ja für so etwas nicht begeistern. Als Deutscher muss man hinter einer großartigen Mannschaft stehen können, die anderen Ländern die rote Karte zeigt und alles revolutioniert. Leider ist man noch nicht so weit, endlich mal Sport Sport sein zu lassen und das zu genießen, was an außerordentlichen Leistungen vollbracht wird. Denn Olympia ist besser als nur Fußball. Wer das bestreiten möchte, der darf sich ein Schild auf den Rücken heften: ICH BIN EIN DUMMER DEUTSCHER!

Der Glasperlenspieler

Stress vergessen lassen: Der Flieger von Maarten ‚t Hart

Seit Sonntagabend ist Deutschland zurück auf dem Boden der Tatsachen. Nein, wir sind nicht Europameister, zumindest heute sollte es auch der Letzte mitbekommen haben und seine kleinen Fähnchen wieder in der Rumpelkammer (oder besser noch: im Müll) verstaut haben. Und es spricht auch keiner mehr von der EM. Ohne Fußball scheint es sich also doch leben zu lassen, auch mich überrascht das ein wenig …

Man ist eben nie vor Überraschungen gefeit. Ich war heute zum Beispiel überrascht, dass meine Hausarbeit zu Max Weber trotz der wirren Thematik so schnell von der Hand ging und nun morgen schon (oder auch: endlich) abgegeben werden kann. Das ist beruhigend, auch in Anbetracht der Arbeit, die auf dem Schreibtisch wartet. Da liegen die Bücher für die Zwischenprüfung in Philosophie und die Aufsätze für die Deutsch-Hausarbeit zu Hugo von Hofmannsthals Jedermann, und auch die ersten Überlegungen für die Zwischenprüfung in Deutsch sind angestellt.

Bei dieser negativen Uni-Last bleibt nur wenig Ruhe, auch wenn gerade ich immer sehr entspannt an Dinge heran gehe und sie gekonnt auf mich zukommen lasse. So habe ich nun zum ersten Mal das neue, nun endlich auf deutsch erschienene, Buch von Maarten ‚t Hart gelesen, dieser Lieblingsautor meines Herzens, der mir die Eigenarten der niederländischen Kleinstädte näher brachte und mich auf verzwickte Art und Weise zwischen den Auswüchsen von Katholizismus und Protestantismus träumen lässt. Ich muss schon sagen: Diese Buch hat mich beeindruckt. Der Flieger, erschienen im Piper-Verlag, circa 300 Seiten, und keine davon möchte man beim Lesen missen.

Vermissen werde ich die Tage vom Elbhangfest. Dies ist ein Fest, das nun zum mittlerweile 18. Mal zwischen Loschwitz und Pillnitz an den Elbhängen Dresdens mit seiner großartigen Individualität zu überzeugen weiß und das gerade durch die vielen Beteiligungen von Privatpersonen am Leben gehalten wird. Für die Einen ist es nur ein großes Fressen (siehe hier), für Andere ist es der kulturelle Charakter durch vielfältige Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und sonstigen Veranstaltungen, für wieder Andere eine interessante Shoppingmöglichkeit alternativer Verbrauchsgegenstände fernab von Ikea und Co.

Der Glasperlenspieler (braucht auch schon wieder ein neues Buch)