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Posts Tagged ‘Russland’

Verhindert die Feinde der Demokratie!

7. September 2009 2 Kommentare

Nicht mehr lange bis zur Bundestagswahl und eine richtige Stimmung dafür möchte nicht aufkommen. Die Themen fehlen zwischen den Parteien, die sind sich doch sowieso alle zu einig, etc.
Aber ganz so stimmt das ja nun doch nicht. In das allgemeine Gemecker möchte ich mich nicht einmischen, vielmehr einen Aufruf starten, der dazu bewegen soll, an die Wahlurne zu treten oder Briefwahl zu beantragen:

Man kann mit seiner Stimme viel verändern und dazu nur ein kleines Beispiel: Die rechtsradikale NPD ist soeben wieder in der Landtag des Bundeslandes Sachsen eingezogen, hat dabei einen gehörigen Teil ihrer Stimmen verloren, die Fünfprozenthürde aber gerissen. In Sachsen gab es aber eine sehr geringe Wahlbeteiligung, die grundsätzlich immer den kleinen und den radikalen Parteien zu Gute kommt. Dies bedeutet also, dass wenn vielleicht nur zehn Prozent mehr Bürger zur Wahl gekommen wären, die NPD wahrscheinlich nicht im Landtag sitzen würde und von Staatsgeld ihre Strukturen weiter ausbauen könnte. Das ist also schon ein wirklicher Grund zur Wahl zu gehen.

Ein zweiter nicht unwichtiger Aspekt ist der der demokratischen Mitbestimmung; dazu auch hier ein aktuelles Beispiel: Momentan steht Bundesverteidigungsminister Jung hart in der Kritik, weil es bei einem Angriff in Afghanistan, mit Beteiligung der deutschen Truppen, zu massenhaft zivilen Opfern gekommen ist, der Minister dies aber glasklar leugnet. Hier wird eine Misere deutlich, denn der Aufrag der ISAF ist hier nicht klar geregelt. Und da kommt der Wähler ins Spiel: Nur er kann mit seiner Wahl entscheiden, ob der Abzug aus Afghanistan beschlossen wird oder aber sogar noch ausgebaut wird. Hier kann der Wähler ausdrücken, ob er Friedenspolitik will oder Deutschland ein Teil DER internationalen Gemeinschaft bleibt, die sich mit kriegerischen Mitteln zu helfen weiß. Nicht oft hat man die Chance, so entscheidend an den Stellschrauben der Gesellschaft zu drehen, wie zu den Bundestagswahlen.

Doch die eigene Wählerstimme zählt noch mehr, denn sie ist grundsätzlicher noch ein Teil der Freiheitsrechte: Schauen wir in andere Regionen auf der Erde, wo es mit der demokratischen Teilhabe weniger gut steht, so sehen wir beispielsweise Birma (das heutige Myanmar) und die Militärdiktatur unter Machthaber Than Shwe. Die nächsten offiziellen Wahlen sind für das Jahr 2010 geplant, doch den Menschen im Lande wird ihr aktives und passives Wahlrecht genommen, wie wir an der Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sehen. Sie wurde etliche Male festgenommen und unter Hausarrest gestellt, denn sie scheint das Militärregime ins Wanken bringen zu können. Gleichzeitig gilt sie unter der Bevölkerung als Ikone der Freiheit und ist für die westliche Welt das Symbol und Mahnmal einer nach Freiheit rufenden Gesellschaft. Doch ihre Stimme muss schweigen, weil dem System die Demokratie fehlt.
Ähnliches zeigt sich in Afghanistan (wo Stimmzettel für wenig Geld gehandelt werden und circa 400 Wahllokale einfach nicht mitgezählt werden), im Irak (wo Demonstrationen mit Knüppel und Schusswaffe niedergeschlagen werden, wobei doch Wahlfälschungen mit offenen Augen zu sehen waren) oder auch für China und Russland (wo sich Machteliten festgebissen haben und Dissidenten nach und nach mundtot gemacht oder gleich ermordet werden).

In all den Fällen zeigt sich deutlich:
1. Wer nicht zur Wahl geht, darf sich nicht beschweren.
2. Wer nicht zur Wahl geht, verhöhnt jene auf der Welt, die gerne frei wählen würden.
3. Wer nicht zur Wahl geht, hilft Gruppierungen, die darin interessiert sind, das gegenwärtige demokratische System abzuschaffen.

In zwanzig Tagen ist Bundestagswahl: Geht hin!
Der Glasperlenspieler

Peking lebt. Die Leistungen der Olympioniken brauchen Anerkennung

Olympische Spiele sind eigentlich tausendmal wichtiger als sämtliche Fußballeuropameister- und weltmeisterschaften und trotzdem können die Einschaltquoten bei weitem nicht an solch wichtige Kickerspiele heranreichen. Komisch eigentlich, was stimmt da nicht?

Man könnte meinen, die deutschen Leistungen seien einfach zu schlecht, die Schwimmerinnen und Schwimmer kommen erst ins Ziel, wenn die Sieger schon den Kaffee getrunken und die ersten Interviews gegeben haben. Oder die Radfahrer, denen allesamt schlecht ist und die auch heute beim Zeitfahren deutlich überrundet wurden. Oder die Ruderer, ehemals Ausnahmeerscheinung und Medaillengarantie, denen Streitigkeiten auf Funktionärsebene im Vorfeld nun die miesen Ergebnisse bescheren.

Vielleicht liegt es auch an Menschenrechtsfragen. Es soll Gesellschaftsgruppen geben, die im Olympiaboykott (also Fernseher aus) neue Formen der Protestkultur erkennen lassen. Man sagt Nein zu Peking, Nein zu China, mithin aber auch Nein zum olympischen Geist, der ja im eigentlichen Sinne ein friedlicher, weltvereinender ist.

Vielleicht ist es aber auch der Krieg im Kaukasus, der die politischen Debatten beherrscht. 2000 Opfer, zahllose Verletzte und unzählige Vertriebene können nur schwer mit den olympischen Spielen zusammenpassen. Und wenn man die mediale Öffentlichkeit betrachtet, öffnen sich wieder die Gräben des Kalten Krieges. Georgien steht auf der Seite der Westmächte, möchte mehr in Europa integriert werden und Mitglied der Nato werden. Russland hingegen kann damit nichts anfangen, meint es doch, noch immer die Vorherrschaft in den östlichen Gebieten zu besitzen.

Und über den Mauerbau vor 47 Jahren möchte auch keiner reden. Überhaupt: Olympia ist ja auch mal schön. So viele Sportarten, von denen man sonst nie etwas sieht. Aber die deutsche Öffentlichkeit kann sich ja für so etwas nicht begeistern. Als Deutscher muss man hinter einer großartigen Mannschaft stehen können, die anderen Ländern die rote Karte zeigt und alles revolutioniert. Leider ist man noch nicht so weit, endlich mal Sport Sport sein zu lassen und das zu genießen, was an außerordentlichen Leistungen vollbracht wird. Denn Olympia ist besser als nur Fußball. Wer das bestreiten möchte, der darf sich ein Schild auf den Rücken heften: ICH BIN EIN DUMMER DEUTSCHER!

Der Glasperlenspieler

Das große Favoritensterben

(EM-Kolumne, Teil 9)

Das Besondere an großen Meisterschaften liegt gerade in ihrer Unvorhersagbarkeit. Es gibt einen großen Kreis von Favoriten, zum Anfang der EM waren es Portugal, Deutschland, Spanien, Italien, Niederlande und Frankreich, dann gibt es die sogenannten Geheimfavoriten, das waren Russland, Griechenland und Kroatien, und zu gute Letzt gibt es die kompletten Außenseiter, als da wären die Gastgeber Österreich und Schweiz, Polen und Rumänien. Doch vieles hat sich im Laufe der EM verändert, besonders auf Seiten der Favoriten.

Portugal schien in der Vorrunde noch locker durchzumarschieren, doch schon im Viertelfinale war gegen Deutschland Schluss. Das deutsche Nationalteam wird nun nach zwei schwachen Spielen den hohen Erwartungen gerecht. Den Weg ins Viertelfinale verpasst haben die Franzosen, deren veraltete Spielweise nicht mehr ziehen mag, Ähnliches gilt auch für Tschechien.

Doch gestern gab es die zweitgrößte Überraschung der Meisterschaft (die größte bleibt den phänomenalen Türken vorbehalten): Russland wirft den Topfavorit Niederlande mit einer bärenstarken Leistung aus dem Turnier und spielt den modernsten Fußball, den man unter den europäischen Teams gesehen hat. Eine junge Mannschaft mit einem erfahrenen Trainer, Guus Hiddink, deren Zeit vielleicht noch nicht zu dieser EM gekommen ist, der aber die Zukunft gehört.

Und auch heute muss ein Topfavorit gehen: Italien verliert im Elfmeterschießen mit 2:4 gegen Spanien. Das große Favoritensterben geht also weiter. Nun wird Spanien Gegner des russischen Teams. Viel Spaß dabei!

Der Glasperlenspieler

Das glückliche Händchen des Marco van Basten

(EM-Kolumne, Teil 7)

Da scheint es einer ganz schlecht zu meinen mit den Franzosen. Analog zum WM-Finale vor zwei Jahren spielt die französische Mannschaft seit Mitte der ersten Halbzeit nur noch zu zehnt, nachdem schon gleich zu Beginn ihre Bester, Franck Ribéry, nach einer Verletzung ausfiel. Ein Elfmeter beendet alle Träume und lässt die Italiener jubeln. Ein engagierter aber glückloser Luca Toni weiß am Ende, wie es sich gehört zu jubeln, denn er weiß, dass er alles besser kann.

Im zweiten Spiel des Abends enttäuschen die Rumänen, die von einigen Experten als Mitfavouriten gehandelt wurden, gegen ein B-Team der Niederlande. Man hätte mehr erwartet, der rumänische Trainer nimmt seine Spieler allerdings in Schutz: „Wir standen schon am Anfang unter Druck, als wir jedoch vom Tor der Italiener gegen Frankreich erfuhren, wurde es noch viel schwerer.“ Man möchte es verstehen, hätte sich aber mehr Einsatz und Spielfreude gewünscht.

Vielleicht war das aber auch gar nicht möglich. Die Holländer scheinen selbst mit einer zweiten Mannschaft, die auf neun Positionen ausgewechselt wurde, unglaubliche Spielstärke aufweisen zu können. Trainer Marco van Basten hat die Mannschaft wie keine Zweite zur EM hin aufgebaut und kann nun die Früchte seiner Arbeit ernten. Besonders mit seinen Einwechslungen bewies er ein glückliches Händchen.

Doch nicht zu früh gefreut. Denn im Halbfinale könnte schon Schluss sein. Da könnte man auf die Italiener treffen, die zum Glanz der Weltmeister zurückgekehrt sind und mit einem verbesserten Toni den Niederländern das Leben schwer machen könnten. Zuvor entscheidet sich allerdings heute Abend, wer zum Herausforderer der Niederländer im Viertelfinale wird: Russland oder Schweden.

Der Glasperlenspieler

Merkel ist Hitler! Und Hitler mein Lieblingspornostar …

Manche würden doch zu gern gleich wieder aufschreien: Klassenkampf! Revolution! Vaterlandsverrat! (in umgekehrter Reihenfolge bitteschön) Für die Umwelt hat er ja nicht viel geschafft (oder gewollt), der Herr Gabriel, doch die Idee kommt bei einfachen Menschen als auch Gewerkschaftern gut an: Die Pendlerpauschale, jetzt nur für Arme! Das letzte Tribut für die ausgebeutete Arbeiterklasse, so die anderen Minister denn wollen. Aber, wer sagte das noch gleich, vom Einzelnen, der für das Ganze geopfert werden müsse? Eben!
Das erste Lied kann deswegen auch kein anderes sein, weitere Erklärungen sind deswegen nicht nötig (außer dem Sänger zu applaudieren: Hannes Wader, der die heimliche DDR-Hymne … nunja … interessant wiedergibt)

Die Moorsoldaten

Zum nächsten Thema: Russland. Oder besser: Das Frankreich von 1789. Putin steigt vom Königsthron, Medwedjew übernimmt seinen Platz. Man würde meinen, nur war es das. Aber nein: Überholen ohne einzuholen. Putin nimmt sich, was er brauch, denn er ist einer von Gottes Gnaden. Und wer möchte da widersprechen. Der alte Zar ist reich, aber er tut was fürs Volk. Und wenn er es erfrieren lässt.
Darauf kann doch wohl nur eines folgen, dazu kann nur ein Lied wirklich eine Antwort geben (im Übrigen ist diese Hymne die schönste von allen. Wem da das Herz nicht vor Geilheit zerspringt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und wenn schon nicht bei der Musik, dann doch bei den Wachsfiguren (neudeutsch: Funktionäre) Und bitte immer dran denken: 2007!)

Die russische Hymne

Zu guter Letzt ein ganz aktuelles Ereignis. Merkel ist eine Enkelin von Hitler. Das habe ich doch richtig verstanden, oder nicht? Oder wie sagte es mein engster Freund Hugo Chavez in einer von seinen siebenstündigen Fernsehsendungen: […] die deutsche Kanzlerin, die der deutschen Rechten angehört, der selben Rechten, die Hitler unterstützt hat, den Faschismus, das ist die Kanzlerin von Deutschland heute […] Recht hat er. Und er ist ein Enkel von Che Guevara und Simon Bolivar, George W. Bush ein buddhistischer Mönch und Adolf Hitler selbst war Pornostar in Sri Lanka. Danke, wo kann ich unterschreiben?
In den sozialistischen Ländern packt die Frau eben auch an, wie man im letzten Video sieht. Weiter so, vielleicht färbt das ja auch bald auf Europa ab. Und da wären wir wieder: beim Kampf der Massen.

Che Guevara

Der Glasperlenspieler

Russland nach der Wahl: Eine Stimme kostet …

Russland hat gewählt. Nun gut. Gewählt, die Wahl gehabt. Zwischen Medwedjew und … wem nochmal?
Der Putin-Mann Medwedjew ist Präsident, er kann knapp 70% der Stimmen auf sich vereinen. das Ergebnis liegt genau im Rahmen der Erwartungen, nicht zu viel und nicht zu wenig, die Kreml-Kommissare haben alle Arbeit geleistet.

Aber das ist ja nun mal nicht alles. Klar, es fällt leicht mit dem Finger auf Russland zu zeigen und zu spotten, inwieweit hier eine freie Wahl abgelaufen sei, ist doch von einigen Unstimmigkeiten die Rede. Jedoch sind viele Russen mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes unter Putin zufrieden, hat sich doch eine bürgerliche Schicht entwickelt, die einen relativen Wohlstand anhäufen konnte und deren Anzahl auch stetig gestiegen ist. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus Anfang der 90er Jahre ging der Weg steil bergab, Unzufriedenheit machte sich breit, Jelzin konnte den Verfall nicht aufhalten. Als er die Amtsgeschäfte an Putin übergab, stand es nicht gut um Russland; er jedoch steht für den Umbruch. Kapital- und Steuerreformen verhalfen dem Land zu neuer Stärke, die hohen Preise am Rohstoffmarkt halfen dabei zu einem großen Teil.

Putin, der starke Mann, der sich schon gern mal mit freiem Oberkörper beim Angeln ablichten lässt, nahm die Zügel in die Hand und gibt sie nun an einen seiner Untertanen weiter. Den Russen mag das kurzfristig gefallen, hat Medwedjew doch weitere Reformen angekündigt. Langfristig gesehen steht Russland jedoch vor dem politischen Kollaps, sollten oppositionelle Kräfte weiter mit derart scharfen Restriktionen belegt werden, wie es heute geschieht. Daran kann der Weltgemeinschaft und auch den russischen Bürgern nur wenig gelegen sein.

Der Glasperlenspieler