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Nicht die Philosophen stehen im Mittelpunkt!

18. Dezember 2008 2 Kommentare

Heute endet für mich das Jahr 2008, was das Universitätsschaffen betrifft. Viel ist passiert, einiges wurde erreicht, manches ging auch schief. Entscheidungen für Seminare bereut man im Nachhinein und zieht daraus für das nächste Mal seine Schlüsse. Man nimmt sich Dinge vor, bei mir betrifft dies besonders das Fach Erziehungswissenschaft, dem ich mehr Tribut zollen möchte, und im nächsten Moment möchte man seine Schwerpunkte schon wieder anders setzen, zum Beispiel das Unterrichtsspezifische des Studiums der einzelnen Fachwissenschaften zu stärken. Grundsätzlich nimmt man sich immer vor, schon die Hälfte der Leistungen in der Vorlesungszeit zu erledigen, schließlich kommt das jedoch nie zustande.

Das Lehramts-Studium ist immer wieder ein auf und ab. Oft verzweifelt man an Anspruch und Wirklichkeit, später nur noch an der Wirklichkeit. Meine schlechte Ausbildung an der TU Dresden, die man für Lehramtsstudenten nie und nimmer empfehlen darf, die hier besonders institutionell zu begründen ist, enttäuscht und fordert mich zugleich: Mach was draus, wähle aus dem Miesen die Sterne und gestalte dein Studium selbst. Doch die Verzweiflung liegt tiefer, bei mir wie bei anderen: Warum studiere ich Philosophie, warum Germanistik, warum Erziehungswissenschaft und nicht das Deutsch, das ich den Schülern später selber beibringen möchte, warum darf ich Ethik nicht schülerorientiert, d.h. problemorientiert studieren, sondern muss mich mit den hintergründigsten Gedanken der unwichtigsten Philosophen beschäftigen?

Sicher: Seit diesem Semester ist etwas besser. Die Vorlesung Didaktik der Philosophie und Ethik und das Seminar Texte lesen und schreiben können einen Anreiz geben, zeigen Modelle eines praxisorientierten Ethikunterrichts und sind der allererste Anfang (aufgemerkt: ich befinde mich im fünften Semester) für eine Vorstellung vom Beruf des Ethiklehrers. Jedoch: Auch ein engagierter Professor mag nicht retten können, was grundsätzlich falsch läuft.

Ein Studium, das dazu führen soll, Kinder zu unterrichten, kann sich nicht daran orientieren, was die jeweilige Fachwissenschaft an theoretischem Wissen dem Studenten weitergeben will, sondern muss sich an die Lehrpläne und konkrete Situation der Schüler anpassen. Es bedarf der Etablierung eines neuen Geistes, der sich daran messen muss, inwieweit er dem Schüler eine Hilfe fürs spätere (Arbeits-)Leben gibt, inwiefern er Probleme, die oft schon im Elternhaus entstehen, auszubessern versucht und gerade nicht Wissen vermittelt, das der Schüler nicht im Geringsten zur Bewältigung komplexer Lebensentwürfe benötigt. Ethikunterricht muss Probleme des Lebens thematisieren, wie sie jedem passieren können, er muss zum Beispiel bioethische Diskurse, wie sie gesamtgesellschaftlich geführt werden, vermitteln und meinungs- und interessenbildend wirken. Er darf nicht immer auf einen Text eines Philosophen zurückführen, denn nicht die Ansichten der Philosophen stehen im Mittelpunkt, sondern die aufwachsenden Generationen, die sich unter wechselnden Wertmaßstäben zurechtfinden müssen.

Der Glasperlenspieler

Sinn und Unsinn

Am Ende der Konzentration steht die Germanistikprüfung am Dienstag. Vielleicht werden sich meine Nerven Wochen später mal wieder einfinden, nachdem sie entspannen und neue Kraft tanken konnten, vielleicht werden sie sich für immer verabschieden (Ist das manchmal ein Wunsch?). Beides könnte ich verstehen.

Leider sind diese wunderschönen Tage, wie sie an mir vorbeiziehen, während ich mich in fremden Welten bewege, komplett unerreichbar. In einem Schnellprogramm, an dem ich zuerst einmal selbst Schuld bin, wühle ich mich regelrecht durch die Sprachwissenschaft (speziell Phonetik/Phonolgie, für Interessierte), die germanistische Mediävistik (mittelhochdeutsche Grammatik, Das Nibelungenlied, Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide) und die Neuere Deutsche Literatur (hier speziell: Sturm und Drang, Vormärz und Literatur nach 1945), um die Zwischenprüfung in Deutsch zu überstehen.

Wunderbar ist es, dass man ein Experte in Sachen mittelhochdeutscher Grammatik sein muss, derentwegen die aktuelle Grammatik keine Rolle spielt an der Uni. Davon werde ich dann also später meinen Schülern berichten, wenn sie etwas zur Rechtschreibreform oder der Grammatik der einfachen Sätze wissen wollen. Ich kann ihnen dann zwar sagen, was die erste Lautverschiebung (ab 2. Jahrtausend v. Chr.) mit der Entstehung des Wortes Fisch zu tun hat (im Indogermanischen piskos), was das meinen Schülern bringt, weiß dann aber keiner. Gut, dass meine Lehrerausbildung an der TU Dresden nicht dafür geeignet ist Lehrer auszubilden.

Man könnte Gleiches für mein zweites Fach Ethik/Philosophie sagen, das kann man sich aber auch gerne sparen. Es würde nur noch abstruser werden. Nebenbei noch zu erwähnen ist allerdings die pädagogische Ausbildung, die zumindest ein „gut“ verdient hat. Großartig.

Der Glasperlenspieler

Songs 2:
Heute das vielleicht bekannteste Lied des amerikanischen Sängers Marty Robbins; großer Entertainer, waghalsiger Rennfahrer und unwahrscheinlich wunderbarer Musiker, der leider schon viel zu früh verstorben ist.

Marty Robbins – El Paso

Der Preis bestimmt den Wert

Man könnte meinen, dass nun ein wenig mehr Ruhe ins Haus stehen müsste, doch davon kann ich, wie schon in einigen vorangegangenen Beiträgen erwähnt, getrost Abstand nehmen, denn die Hausarbeit zu Jedermann möchte einfach nicht verschwinden. Ganz gut klappt es allerdings momentan Aufgabe für Aufgabe nach und nach zu lösen. Erst der Mediävistik-Schein, dann das schnelle Bewältigen der Philosophie-Hausarbeit und heute nun schon die Zwischenprüfung im Fach Ethik/Philosophie. Recht viel auf einmal und das in nur wenigen Tagen. Man möchte das gar nicht aufs gesamte Studium hochrechnen, aber was da möglich wäre …

Das Studium ist ja nun mal nicht das Zentrum der Welt, gleichwohl es natürlich einen nicht minderen Einfluss auf mein Leben ausübt. Aber diese Entscheidungs- und Drucksituationen sind einfach nicht auf Dauer erträglich (auch wenn ich in angespannten Situationen oft besonders gut bin). Auf der einen Seite ist ein Studium ohne jegliche Bewertung und Selektionen nicht denkbar, auf der anderen Seite bleibt in den auf Leistung getrimmten Instanzen an der Universität nur wenig Raum, um eine eigenständige Entwicklung zu nehmen, um eine Persönlichkeit zu entwickeln. Viel mehr ist durch den Leistungsdruck eine Uniformität gewährleistet, die nicht zuletzt den Zweck hat, Menschen in ihrer Individualität zu beschränken und sie zu Arbeitskräften für Kapitalmaschinen zu formen.

Selbst in geisteswissenschaftlichen Studiengängen ist man davor nicht gefeit. Ja gerade hier zeigt sich aufgrund der schlechten Arbeitsmarktaussichten ein Verdrängungskampf und Sittenverfall, der seinesgleichen sucht. Dies unterstützend sorgt in vielen Bundesländern auch der Gebührenzwang für eine frühe Abschiebung der kritischen Kräfte, für ein Reinhalten der Universitäten vor den subversiven Elementen. Und in diesem Sinne bleibt man unter sich, findet Leistungsorientiertheit prima und hat von Seele und Solidarität nur im Traume die Spatzen von den Dächern pfeifen gehört. Gute Nacht,

Der Glasperlenspieler

Anstrengend langweilig

Die ruhigen Tage sind nun vorbei. Mein Thema für die Hausarbeit in Sprachwissenschaft ist akzeptiert, nun muss ich es bearbeiten. Das Verb im Mittelhochdeutschen, ganz schlicht und trist. Trockene Materie, wenig bla bla, nicht so meine Vorliebe. Klare Akzente, strukturierte Sätze. Das wird anstrengend langweilig.

Die Tage werden dann also wieder nach dem alten Muster ablaufen, früh ruhig, dann Arbeit, Abend variabel. Zwischendurch essen und schlafen, trinken und telefonieren.

Der Glasperlenspieler (genießt die letzten freien Stunden)