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Posts Tagged ‘Sonne’

Szenen aus Dresden

Kurz vor elf in Dresden. Im Bus der Linie 83 warte ich schon eine Ewigkeit mit dem Kopf ans Fenster gelehnt. Die Ampel scheint nicht grün werden zu wollen, im Warten kommt die Langeweile. Ich beobachte das Gewusel und die rege Geschäftigkeit. Da fällt mir die Dame in grau-beigen Kleidern auf.

Mein erste Gedanke: Sie geht ihren Weg, im Kopf ein Dudeln von Sinatras I did it my way … Es mag die Dresdner Schnauze sein, ich höre schon die Stimmlage zwischen aggressiv und nölend, zwischen harsch und altklug. Wenn man Dresden ein wenig kennt, kennt man auch das oft zutiefst, meinetwegen ostdeutsche, zurückgebliebene Gefühl: Nu, ma ham ja nüscht. Nu machn se ma ’n Weg frei. Nachm Krieg …

Dann die Krankheiten. Dann die Preise. Die Politik. Die ist gestorben. Und die? Nu die is so Eene, die geht ins Theater. Das kann man ja nicht ausstehen in der Dresdner Provinz. Letztens ein Gespräch in der Linie 88. Zwei Frauen waren einkaufen und treffen sich danach zufällig.

1: Ja nu
2: Ich geh ja ni oft in Kaufzenter
1: Bei uns is glei e Netto um de Egge
Beiden anscheinend bekannte Frau steigt Haltestelle Bf. Niedersedlitz ein.
1: Die Hallern war do wieder bei de Theaterzeuch. Der ihr Mann is scho e Weile weg und die macht da jetzt och was.
2: Ich seh die ja immer beim Eikoofen. Die wohnt ja glei bei mir, drum.
1: Jo nu ja, is ja glaa

Zum Glück muss ich jetzt aussteigen. Tage später warte ich auf die S-Bahn. Nah an den Gleisen spielt ein Kind, fällt hin und weint. Die Mutter kümmert sich rührend. Die Frau mittleren Alters, drei Meter entfernt, (Arbeiterin im Stahlwerk?) echauffiert sich mit Blicken. Ihre Augen fixieren das Kind und die Mutter abwechselnd. Der nächste Blick geht auf den Boden, der folgende gen Himmel. Dann sucht sie Zustimmung bei Nebenstehenden, bekommt sie, Augenrollen. Fixiert die nächsten Wartenden …

Dresden im Juli. Die Sonne scheint nicht oft. Wolke um Wolke kommt und geht am Horizont.
Der Glasperlenspieler

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Ein Mantra liegt auf mir

Dresden im April. Die Sonne geht schon wieder unter und der Tag erstaunlich schnell vorbei, wie es so Tage an sich haben, die irgendwie schön sind. Im Hintergrund stapeln sich die anstehenden Aufgaben. Man sieht sie wohl, obgleich ihnen der Weg zur Macht verbannt werden sollte.

Mein Erdbeer-Sahne-Tee ist schon sauer geworden, ihm scheint es wohl nicht gefallen zu wollen mit mir die Zeit zu verbringen. Man kann ihn ja auch verstehen, denn der Kaffee, der heute auf meiner Hose landete, scheint wie ein Mantra auf mir zu liegen.

Und wissen Sie, liebe Leser, das alles kann Ihnen vollkommen egal sein. Es ist aber der Tag, wie er ist, es sind die Dinge, die geschehen. Natürlich kann man Fakten nennen, kann sagen, dass da eine einfache Textkenntnisklausur war, das Buch noch bei der Post liegt und eine Amsel mich am frühen Morgen lebhaft wecken wollte, aber was bringt das denn?

Oft zweifel ich an Sinn und Unsinn dieses Blogs, zwei drei Mal im Jahr möcht ich ihn am Liebsten schließen, kann mich aber nie überwinden. An manchen Tagen liebe ich ihn aber auch wie nichts, denn wo kann man seine politische Meinung kundtun, wo kann man kulturelle und mediale Phänomene diskutieren, wenn nicht hier? Also werde ich weitermachen, mal dies mal das verurteilen und in gewisser Zeit wird es aufhören und auch keinen stören. Und ist das nicht der tiefere Sinn vom Leben überhaupt?

Der Glasperlenspieler (greift vorweg: nein!)

Webnews MisterWong

Ein Eis (und dann kam der Regen)

Man kann das wohl als Faustregel nehmen: je leckerer etwas schmeckt, desto schlechter ist einem danach. Bei mir war das heute ein Jogurt-Erdbeer-Eis, das es für wenig Geld in der Alten Mensa zu Dresden gab. Schon beim Mittag war das Schild in meinem Blickwinkel, und danach zum Rumliegen fehlte nur noch diese Kaltspeise. Lecker, riesig, nicht mal selber holen musste ich es. Die Bauchschmerzen kamen postwendend, nun geht es aber wieder. Gerechter Lohn, möchte man meinen.

Zuhause angekommen lag die Musikzeitschrift Spex im Briefkasten, und da freue ich mich immer besonders, was der Unverhofftheit und der nur dürftigen Erscheinungsweise geschuldet sein dürfte. Die neue CD liegt im DVD-Player, und draußen wird es immer dunkler.

Überhaupt, dieser Tag war wechselhaft. Früh raus, erschreckende Berichte in der Taz gelesen (Beispiel? hier), die S-Bahn war eng gedrängt mit Morgenmuffeln (die mir immer aufs Gemüt schlagen) und die frühe Vorlesung zur Sprachgeschichte war so erregend wie Ulla Schmidt. Dann die ersten Entspannungsphasen, ein grüner Tee, ein paar Recherchen in der Bibliothek und ein Seminar, bei dem man kein Wort versteht. Und da wären wir wieder beim Eis, dass ich mir schon da so stark gewünscht hatte.

Zwischendurch dunkle Wolken und eine Straßenbahn kurz vorm Unfall. Und ein Lied von Rober Forster im Kopf, der nach den Go-Betweens nun ein Soloalbum rausbringt. Und zum fröhlichen Musizieren noch Element of Crime.

Lied des Tages (58):
Robert Forster – „Baby Stones“

Lied des Tages (59):
Element Of Crime – „Wenn der Morgen graut“

Der Glasperlenspieler (wünscht sich ein leichtes Eis)

Argwöhnische Tauben und ein wunderschöner Sonntag

Ein schöner Tag, das konnte man schon beim Aufwachen spüren. Draußen zwitscherten die Vögel, ein leiser Wind zog durch die Gassen und die Sonne machte sich auf, um ein paar Stunden am Himmel zu strahlen. Fein. Auf dem Rad war es kühl und erfrischend, an der Elbe und auf den anliegenden Wiesen tollten die Hunde und Menschen unterhielten sich über sinnliche Themen. Zwei ältere Damen machten da die Ausnahme, denn mit blinder Wut und enerviertem Kalkül argwöhnten sie über die Tauben, früher habe es doch da nicht so viele gegeben, jetzt da der Schlachthof geschlossen wäre (?) nehmen die überhand. Ich dachte an die Städte, in denen das Taubenfüttern nun per Gesetz verboten ist.

Stunden später steht die Sonne schon sehr tief, ihre Ausläufe glänzen über den schimmernden Dächern und blitzen auf den blauen Wellen. An der Anlegestelle haben gewiefte Händler ein Ständchen eröffnet, Äpfel und Most, Obstweine und auch Blumen. Im Biergarten riecht es nach deftigen Speisen, auf den Bänken sitzen Familien, Touristen und Wanderer, um das Leben zu genießen.

Der Glasperlenspieler