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Posts Tagged ‘Weihnachten’

Weihnachtsgrüße

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein fröhliches Weihnachtsfest und ein paar besinnliche Feiertage.

Weihnachten wird dieses Jahr im Vogtland gefeiert. Kommentare oder Anfragen werde ich deshalb erst ab 28. Dezember wieder freigeben und beantworten können.

Christian Helfricht

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„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“

Wenige Tage vor Weihnachten und so richtig will sich das Gefühl dafür noch nicht einstellen. Draußen möchte das Wetter mir fast schon mediterrane Verhältnisse vorgaukeln, hier drinnen ist eine mir schon nicht mehr vertraute Ruhe eingekehrt, eine Art zu leben, die ich schon fast nicht mehr kenne. Heute Geschenke eingepackt, zuvor noch einiges einkaufen und früh Freundin verabschiedet.

Und seltsam: Irgendwie waren mir die Menschen heute nicht vertraut. Oder besser: An allen Ecken zuviel von dem, was mir noch nicht so nahe kommen will. Jeder wünscht ein frohes Fest, man erwidert und meint es nur ganz nebenbei. In der Buchhandlung, im Warenhaus, im Lebensmittelgeschäft, ein Stimmung, die Nähe heuchelt und in Wirklichkeit von den Geschäftsführern verordnet ist.

Und gleich fühle ich mich seltsam überreizt. An der Theke steht mir eine Verkäuferin gegenüber und reagiert auf mein Händereiben, das sie als ein Gefühl von Kälte deutet, mit der vertrauensbildenden Bemerkung, dass es bei ihnen im Geschäft aber nicht kalt sei, worauf ich sie nur abschätzig muster, ignoriere und das Gewünschte einforder. Ein nachgerufenes „Schönes Fest“ höre ich schon nur im Gehen; dieser Laden, wie er fremd mit bunten Artikeln für den täglichen Gebrauch wirbt – nicht heute.

Noch nicht, möchte ich hoffen. Normalerweise bin ich schon viele Tage vorher in großartiger Weihnachtsvorfreude, doch diesmal kommt das alles mit Verspätung. Alles ist anders. Seit Jahren einmal wieder in Dresden feiern, im Hause der Großeltern, das mir in den letzten Jahren wieder ein vertrautes Zweit-Zuhause geworden ist und zwischen Weihnachtsmännern und Lametta, das ich schon aus frühester Kindheit kenne. Und alles ist trotzdem wie immer. Mit den alten Geschichten, die man schon etliche Male gehört hat und trotzdem immer wieder gern hört, mit den alten Handlungsmustern und unterschiedlichen Vorstellungen von Bescherung und Festmahl.

Jedes Jahr ist die Weihnachtszeit für mich aber nicht nur ein Zeichen von Gemeinsamkeit und Familie. Sie ist auch ein Menetekel der Vergänglichkeit, des Alterns und der Rastlosigkeit des Lebens. In den ruhigen Momenten, genau dann, wenn man fernab von Glanz und Glockenklang in die nahe Zukunft schaut und deren Unbestimmtheit vernimmt, ist es besonders schwer. Was wird in ein paar Jahren sein, was in Jahrzehnten? Wie sieht das Arbeitsleben aus, wie das hohe Alter und was kommt danach? Es ist für mich, so simpel das klingt, auch eine Zeit der tiefen Vertrauensnotwendigkeit, vielleicht auch ungelebter Religiosität. Haltlose Minuten, deren Dauer und Vehemenz so schwerwiegend sind, dass sie dem Leben das notwendige Maß an Leichtfüßigkeit und Kaltschnäuzigkeit nehmen – man sollte sie verdammen, wegschließen und in einer Truhe versiegeln. In den Tiefen der Ozeane versenken und darauf hoffen, sie nie wieder zu Gesicht bekommen zu müssen. So verheißungsvoll, so unmöglich, so vergeblich.

Der Genuss muss immer im Moment liegen. Nicht: Hier stehe ich und weiß nicht anders. Sondern: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ (Martin Luther)
Der Glasperlenspieler

Weihnachten steht vor der Tür

Weihnachten steht vor der Tür. Ich bin gut gelaunt und freue mich auch ein wenig drauf. Heute verlasse ich nun die schöne Stadt, um mich aufs Land zu verziehen und dem Trubel ein wenig zu entsagen. Der Zug fährt in zwei Stunden, es gibt seit neuesten sogar eine schnellere Verbindung. Das Geschenk der Bahn. Gestern habe ich noch zwei Bücher, bei ebay ersteigert, bekommen, also am letzten Tag, an dem ich noch erreichbar bin. Wunderbar.

Ich wünsche allen ein besinnliches Fest, schöne Feiertage und gemeinsame Stunden.
Dieser Blog ist damit bis einschließlich 28. Dezember geschlossen.

Der Glasperlenspieler (muss noch packen)

[Wetter: sonnig, minus sechs Grad;
Buch aktuell: Max Frisch – Stiller, S.86]

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Und was kommt morgen?

So langsam komme ich in Stimmung. Keine Woche mehr bis Weihnachten, die letzten zwei Tage Uni liegen noch vor mir, das neue Jahr ist in Sicht. Draußen ist es kalt, drinnen läuft die Heizung auf Hochtouren oder man ist dick eingemummelt. Ich bewege mich heute zwischen Wohlfühlatmosphäre und den Nachwirkungen meines Friseurbesuchs, der bei weitem nicht schlecht war (um nicht falsch verstanden zu werden), aber doch das Gefühl in mir verweilen lässt aufgeregt zu sein. Aber es war einfach mal wieder an der Zeit, denn umso länger die Haare wurden, umso länger dauerten die Morgende und umso weniger Zeit hatte ich für Kaffee und Zeitung. Das wird also ab morgen früh anders werden. Meine verschwenderischen 90 Morgenminuten gehören wieder mir.

Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen. Über Politik mag ich heut nicht schreiben, das regt mich momentan viel zu sehr auf. Über Literatur könnte ich wahrscheinlich selbst ein Buch schreiben, nur für diesen Blog scheint es nicht zu reichen, all das, was im täglichen Umgang einfach fehlt. Über Musik muss ich mich einfach erst wieder ein wenig mehr informieren, tja, und mein Leben schreibt auch nur Geschichten, wie sie schon tausende Male erzählt wurden. Was bleibt, ist das Ende und die alte Frage: Was kommt morgen?

Lied des Tages (54):

Hot Chip – „And I was a boy from school“

Der Glasperlenspieler (pfeift … nur was?)

[Wetter: Nebel, minus drei Grad;
Lesestoff: Die Bibel – Genesis 19, 30]

Ich möchte Sie erinnern

5. Dezember 2007 2 Kommentare

Wissen Sie, liebe Leser, ich spreche Sie nicht gerade oft direkt an, aber heute ist es an der Zeit, das mal zu ändern und Sie folglich zu fragen, wie es Ihnen denn eigentlich geht? Haben Sie ein schönes Haus, eine behütete, kleine Wohnung, ein angenehm beheiztes Zimmer oder gar eine Ecke am Ende der Wohnstube, in die Sie sich gelegentlich verkriechen? Sind Sie Eigentümer eines Wasserkochers, einer Kaffee- oder Espressomaschine, eines Elektroherds, Kühlschranks, einer Spülmaschine und Mikrowelle? Haben Sie ein Fernsehgerät, einen PC oder Notebook, einen Radioempfänger, Digital- und Videokamera, Mobiltelefon und Musikabspielgerät? Fließend Wasser und Heizungsregeler für wohl temperierte Stunden allein oder in Gemeinschaft? Einen Tisch zum Essen und Brot in Mengen, Käse, Wurst, Obst und Gemüse, Naschwerk, ein Potpourri an gesunden Tränken und Inhaltsstoffen?

Wissen Sie, lieber Leser, ich bin stolz auf Sie. Sie scheinen rundum versorgt zu sein. Ihnen geht es gut. In der Weihnachtszeit kaufen Sie Geschenke für die Lieben und richten Ihre Wohnung ein für ein besinnliches Fest und für die ruhigen Feiertage zwischen Heilig Abend und Neujahr. Zu Ostern wahren Sie die Tradition, im Sommer liegen Sie am Strand, im Winter tragen Sie ihre warmen Mäntel und Schals, im Frühjahr sprießen die jungen Blumen.

Liebe Leser, dass sie mich hier nicht falsch verstehen: ich bin ein Teil von Ihnen. Mein Mantel hält warm. Ich kaufe Geschenke. Ich trinke Glühwein auf den Weihnachtsmärkten. Ich lese Bücher in rauen Mengen. Ich esse bewusst und achte auf die Linie. Ich kenne den Unterschied zwischen guten und schlechten Weinen, lese die teuren Zeitungen und Magazine, habe die neueste Technik in meiner Wohnung.

Nun, liebe Leser, was soll das Ganze? Warum sage ich Ihnen das? Sie wissen ja selbst ganz genau, was Ihr Leben ausmacht. Sie kennen Ihren Stil, Ihre Gewohnheiten und Staffagen. Aber kennen Sie auch den Stil der Anderen? Kennen Sie den Stil derer, die Ihrer gesellschaftlichen Schicht nicht angehören? Kennen Sie das Weihnachtsfest einer Familie tausende Kilometer südlich unseres prosperierenden Landes? Wissen Sie, was den Unterschied zwischen Europa und Afrika, Teilen Südamerikas und Asiens, ausmacht?

Liebe Leser, wenn Sie verstanden haben, um was es mir geht, dann verstehen Sie diese Nachricht nicht falsch. Ich will nicht belehren, will mir nicht anmaßen Sie zu diskreditieren oder Sie gar zu etwas zwingen. Ich möchte Sie erinnern. Erinnern, dass diese Welt nicht nur aus dem Zentrum Ihrer Familie besteht. Halten Sie die Augen offen und helfen Sie denen, die nicht im Überfluss schwelgen können, sondern Not und Hunger leiden. Spenden Sie Wissen, Nahrung und Geld, Aufmerksamkeit und Wärme, schenken Sie Empathie und Fürsorge, Liebe und Zuneigung. Sehen Sie die Bedürftigen hier und dort und handeln Sie nach Ihren Möglichkeiten. Verschönern Sie sich das Fest, indem Sie es Anderen erleichtern zu sein.

Der Glasperlenspieler