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Ich möchte Sie erinnern

Wissen Sie, liebe Leser, ich spreche Sie nicht gerade oft direkt an, aber heute ist es an der Zeit, das mal zu ändern und Sie folglich zu fragen, wie es Ihnen denn eigentlich geht? Haben Sie ein schönes Haus, eine behütete, kleine Wohnung, ein angenehm beheiztes Zimmer oder gar eine Ecke am Ende der Wohnstube, in die Sie sich gelegentlich verkriechen? Sind Sie Eigentümer eines Wasserkochers, einer Kaffee- oder Espressomaschine, eines Elektroherds, Kühlschranks, einer Spülmaschine und Mikrowelle? Haben Sie ein Fernsehgerät, einen PC oder Notebook, einen Radioempfänger, Digital- und Videokamera, Mobiltelefon und Musikabspielgerät? Fließend Wasser und Heizungsregeler für wohl temperierte Stunden allein oder in Gemeinschaft? Einen Tisch zum Essen und Brot in Mengen, Käse, Wurst, Obst und Gemüse, Naschwerk, ein Potpourri an gesunden Tränken und Inhaltsstoffen?

Wissen Sie, lieber Leser, ich bin stolz auf Sie. Sie scheinen rundum versorgt zu sein. Ihnen geht es gut. In der Weihnachtszeit kaufen Sie Geschenke für die Lieben und richten Ihre Wohnung ein für ein besinnliches Fest und für die ruhigen Feiertage zwischen Heilig Abend und Neujahr. Zu Ostern wahren Sie die Tradition, im Sommer liegen Sie am Strand, im Winter tragen Sie ihre warmen Mäntel und Schals, im Frühjahr sprießen die jungen Blumen.

Liebe Leser, dass sie mich hier nicht falsch verstehen: ich bin ein Teil von Ihnen. Mein Mantel hält warm. Ich kaufe Geschenke. Ich trinke Glühwein auf den Weihnachtsmärkten. Ich lese Bücher in rauen Mengen. Ich esse bewusst und achte auf die Linie. Ich kenne den Unterschied zwischen guten und schlechten Weinen, lese die teuren Zeitungen und Magazine, habe die neueste Technik in meiner Wohnung.

Nun, liebe Leser, was soll das Ganze? Warum sage ich Ihnen das? Sie wissen ja selbst ganz genau, was Ihr Leben ausmacht. Sie kennen Ihren Stil, Ihre Gewohnheiten und Staffagen. Aber kennen Sie auch den Stil der Anderen? Kennen Sie den Stil derer, die Ihrer gesellschaftlichen Schicht nicht angehören? Kennen Sie das Weihnachtsfest einer Familie tausende Kilometer südlich unseres prosperierenden Landes? Wissen Sie, was den Unterschied zwischen Europa und Afrika, Teilen Südamerikas und Asiens, ausmacht?

Liebe Leser, wenn Sie verstanden haben, um was es mir geht, dann verstehen Sie diese Nachricht nicht falsch. Ich will nicht belehren, will mir nicht anmaßen Sie zu diskreditieren oder Sie gar zu etwas zwingen. Ich möchte Sie erinnern. Erinnern, dass diese Welt nicht nur aus dem Zentrum Ihrer Familie besteht. Halten Sie die Augen offen und helfen Sie denen, die nicht im Überfluss schwelgen können, sondern Not und Hunger leiden. Spenden Sie Wissen, Nahrung und Geld, Aufmerksamkeit und Wärme, schenken Sie Empathie und Fürsorge, Liebe und Zuneigung. Sehen Sie die Bedürftigen hier und dort und handeln Sie nach Ihren Möglichkeiten. Verschönern Sie sich das Fest, indem Sie es Anderen erleichtern zu sein.

Der Glasperlenspieler

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  1. 6. Dezember 2007 um 11:37 pm

    „Wissen Sie, was den Unterschied zwischen Europa und Afrika, Teilen Südamerikas und Asiens, ausmacht?“

    -Ich finde soweit brauchen wir, gekuschelt fors TV (am Ende)gar nicht zu schauen. Genau auch vor unserer Haustür in unserer Stadt spielen sich wirklich üble Dramen ab, hier in unserem Land unserem Europa.
    Bei weitem wirklich kein vergleich zudem was sich in Afrika, Teilen Südamerikas und Asiens abspielt, aber ich schreibe hier von unserem „warmen“ Europa.

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