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19. Mai: Stiegentreffen in der Sächsischen Schweiz

Am 19. Mai findet eine ganz besondere Veranstaltung in der Sächsischen Schweiz statt, zu der jeder recht herzlich eingeladen ist: Das 3. Treffen der Stiegenverrückten und aller anderen Wander- und Naturfreunde des Elbsandtseingebirges. Veranstaltet vom Stiegenbuchverlag in Person von Axel Mothes.

Treffen der Stiegenverrückten
19.05.2012, 10 – 14 Uhr
Kleinsteinhöhle, Sächsische Schweiz

Ich werde natürlich auch versuchen zu kommen, auch wenn wir da gerade wieder von unserem Hamburg-City-Urlaub zurück sind, der an diesem Montag beginnt.
Also, kommt zahlreich, es warten ein paar interessante Gespräche und Neuigkeiten rund ums Wandern in der Sächsischen Schweiz.

Christian Helfricht

Wandermarkierung der Zukunft?


(gesehen in der Nähe von Rabenau)

Tja, sehen so die Wandermarkierungen der Zukunft aus? Ein Weg, den man nur bis zu einem gewissen Ziel gehen kann und dann wieder umkehren muss, weil es nicht weiter geht? Sackgassenschilder im Wald, in der Natur oder bald schon im Nationalpark?

Ich wüsste einige Wege, wo solche Schilder nach momentaner Rechtslage gar nicht so verkehrt wären – die Weberschlüchte und der Großer Zschand (mit Abstrichen) in der Sächsischen Schweiz oder das Schwarze Tor auf böhmischer Seite. Mein Aufruf an die Menschen, denen die Wälder und Wege überall in der Welt gehören: Stellt Sackgassenschilder auf, wo Ihr wollt – willkürlich und wie euch der Wind steht. Gleiches Recht für alle. Im Nationalpark Sächsische Schweiz geht das mit den Sperrschildern ja auch …

Mit lakonischen Grüßen,
Christian Helfricht

Die Gründung einer Interessengemeinschaft Stiegen- und Wanderfreunde. Wozu?

Die Sächsische Schweiz mit ihrer 500 jährigen Geschichte als Kulturlandschaft zählt zu den reizvollsten Naturräumen in Deutschland und auf der ganzen Welt. Hier prallen bizarre Felslandschaften, vielfältige Habitate, historische Weg- und Steiganlagen, geschützte Arten, Wanderer und Touristen aufeinander – oft in einmütiger Freundschaft und Wohlgesinntheit. Menschen treffen sich zu gemeinsamen Ausflügen, wollen dem dichten Gedränge der Stadt entfliehen, in stillen Schluchten wandern oder an ausgesetzten Riffen klettern. Viele möchten sich von den Zwängen, die der Alltag bietet, befreien und Natur so erleben, wie sie über Jahrmillionen entstanden ist, sich veränderte, aber auch verändert wurde.

Was wir wollen
Wenn wir, die Mitglieder der IG Stiegen- und Wanderfreunde, an die Sächsische Schweiz denken, dann kommen uns nicht Bastei und Königstein in den Sinn, sondern historische Wege, stille Gründe, verfallene Steiganlagen, gesperrte Gebiete und fragwürdige Entscheidungen der NPV. Manches von dem, was sich der Mensch in vielen Jahrhunderten selbst angeeignet hat, musste er an die Natur zurückgeben. Das war gut so und wird auch weiterhin der Fall sein. Das Elbsandsteingebirge ist ein Gebiet, das ständigen Veränderungen ausgesetzt ist – ein Gebirge im Verfall. So, wie es entstand, wird es auch wieder vergehen.

Unsere Ziele:
1. Wir, die Mitglieder der IG Stiegen- und Wanderfreunde, setzen uns für eine Begehbarkeit aller Wege und Stiegen in der Sächsischen Schweiz ein – allerdings nur, wenn die Wege und Pfade heute noch in irgendeiner Weise existieren. Wir sind für die Beibehaltung der Kernzonenregelung im Nationalpark Sächsische Schweiz, allerdings in einer neuen Art und Weise, die den Interessen von Mensch und Natur gleichermaßen entspricht: Wir setzen uns für ein Wegerecht ein, bei dem jeder in der Natur sichtbare Weg begangen werden kann – so wie es heute in einem Teil des Nationalparks der Fall ist. Nur in Ausnahmefällen (zum Beispiel bei brütenden Vögeln, etc.) kann ein Weg einer zeitlichen Sperrung unterliegen – nie aber ein ganzes Gebiet. Es soll weiterhin markierte Wanderwege, Bergpfade und Kletterzugänge geben, daneben aber auch sogenannte Insiderwege. Darunter verstehen wir alle restlichen Wege, die keiner Markierung unterliegen, aber trotzdem legal begehbar sind. Mit den genannten Wegekategorien erreichen wir eine Besucherlenkung, die es Touristen ermöglicht, die Sächsische Schweiz so zu genießen, wie sie es für richtig halten und naturnahen Wanderern den Zugang zu historisch wertvollen und wenig begangenen Wegen offen hält.

2. Schutz von Natur- und Kulturraum. Derzeit wird der Schutz des Naturraumes über alles gestellt. Aber hier leben auch Menschen. Die Sächsische Schweiz ist eine Region, die seit über 200 Jahren touristisch genutzt wird. Wir wollen wieder einen vernünftigen Ausgleich zwischen den Belangen der Natur und denen des Menschen.

3. Kommunikation mit der Nationalparkverwaltung. Wir wollen nicht nur „meckern“, sondern uns auch mit Vorschlägen und Ideen einbringen. Dazu muss man natürlich miteinander reden. An einigen Stellen der Nationalparkverwaltung, so die Erfahrung, gibt es da durchaus offene Ohren und die Bereitschaft zu ehrlichen Diskussionen.

4. Arbeitseinsätze. Wenn es notwendig ist und seitens der NPV gewünscht wird, packen wir auch an. Die Waldarbeiter vom Nationalpark leisten oft eine wirklich gute Arbeit, aber sie können nicht alles schaffen. Sei es, dass ein paar Stufen zu erneuern oder ein Geländer zu reparieren ist. Bei einem Arbeitseinsatz 2010 nach dem Hochwasser beteiligten wir uns bereits daran, die Richterschlüchte wieder begehbar zu machen.

5. Dokumentation des aktuellen Status Quo: Wir möchten alle Veränderungen, die es so am Wegenetz gibt, möglichst zeitnah dokumentieren. Sei es, dass etwas gesperrt oder verhauen, oder sei es, dass etwas wieder geöffnet wurde. Wir wollen damit eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Wegenetz herstellen. Denn wenn die Sperrungen nicht mehr heimlich passieren können, dann ist auch die Hemmschwelle dafür viel größer. Wir wollen für bekannte Steiganlagen „Patenschaften“ organisieren. Das heißt, bestimmte Mitglieder der IG werden regelmäßig mehrmals im Jahr „ihre“ Stiege aufsuchen und auf unserer Website den aktuellen Zustand dokumentieren.

6. Wir wollen für Wanderer so etwas wie eine Lobby schaffen, eine Anlaufstelle und eine gemeinsame Plattform. Denn die gibt es für Wanderer bisher nicht. Vielleicht kann sich unser loser Kreis von Enthusiasten ja dazu entwickeln.
Also mitmachen.

Die IG ‘Stiegen- und Wanderfreunde’ ist kein Verein, wer bei uns Mitglied werden will, muss keinen festen Jahresbeitrag bezahlen (für bestimmte Projekte werden wir künftig aber vielleicht um eine freiwillige auf das Projekt bezogene Spende bitten). Es soll keine Satzung geben und auch keine Mitgliederversammlungen. Wir wollen vielmehr über das Internet kommunizieren und uns treffen, wie wir wollen. Auch nur in kleineren Gruppen. Wir sind also ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter, die vor allem eines verbindet: die Liebe zur Sächsischen Schweiz und unseren Heimatgebirgen, unser aller Lieblingsfreizeitplatz.
Es soll keinen Mitgliedsbeitrag zur IG geben. Wir möchten keinen „Kassenwart“, keine Kassenprüfung und ähnliche Bürokratie. Es wird aber Projekte geben, die finanziert werden müssen. Deshalb soll es so sein, dass wenn per Votum der IG ein Projekt durchgeführt werden soll, die benötigten Finanzen ermittelt werden. Der Finanzbedarf wird im Netz veröffentlicht und wir werden dazu aufrufen, sich zu beteiligen. Sobald die Kosten gedeckt sind, wird das bekannt gegeben. Es wird ein Projektverantwortlicher benannt, der die finanzielle Abwicklung dieses Projektes übernimmt. Es soll kein Geld übrig bleiben, was zu verwalten wäre. Wir setzen auf die Solidarität und das Sponsoring durch unsere Mitglieder. Ob das funktioniert, wird sich herausstellen. Ein solches Projekt gibt es bereits: unsere Website sandsteinwandern.de.

(Kurzfassung, das komplette Dokument finden Sie hier)

Im Hinterhermsdorfer Grenzwinkel

16. Oktober 2011 3 Kommentare

Hinterhermsdorf Erbgericht – Neudorfstraße – Lehmhübelweg – Taubenstein – Taubensteinweg – Reißersgrund – Niedermühle – Unterer Weg – Abzweig in Grund in Richtung Pytlak und zurück – unterer Weg – Rotes Floß – Schwarzes Tor – Kirnitzschquerung – Weg hoch zum blau markierten Weg (Teil des historischen Kerbensteigs) – Jansloch – Janslochsteig – Jahnslochweg – Hohweg -Buchenparkhalle – Hinterhermsdorf Erbgericht

Eine Wanderung, wie sie so nicht wirklich geplant war. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Eigentlich wollten wir das Weißbachtal mitnehmen, doch das haben wir aus Zeitgründen aufs nächste Mal verschoben. Dann wollten wir in Richtung Drachenstiege hinauf – sind aber einen Grund zu früh rein und haben da 1,5 Stunden verschenkt. Dann haben wir noch den richtigen Zugang gefunden, aber auch auf nächstes Mal verschoben. Und am Schwarzen Tor haben wir an der ehemaligen Schönlinder Brücke gerastet und gedacht: mein Gott, jetzt erst wieder den Weg zurück … nee nee, also Wanderstiefel und Socken aus und bei knapp über null Grad durch die eiskalte Kirnitzsch gewatet und auf der anderen Seite den historischen Steig hinauf zum markierten Wanderweg. Doch auch hier wurde die Zeit knapp – also ab ins Jansloch und hinauf zum Jahnslochweg hinauf. Das war dann wohl auch die schnellste, im Übrigen auch schönste Verbindung.

Ein Großteil der Wanderung liegt in der Kernzone der Nationalparke Sächsische und Böhmische Schweiz. Hier dürfen nach Ansicht der jeweiligen Nationalparkverwaltungen nur markierte Wege begangen werden. Zudem dürfen in der Böhmischen Schweiz Kletterzugänge nur von Mitgliedern der Kletterverbände genutzt werden. Ich rufe deswegen auch bei dieser Wanderung nicht zum Nachahmen auf, sondern möchte nur die Lage dokumentieren.

Im Wald bei Hinterhermsdorf am frühen Morgen

Also los: Bei Temperaturen um die null Grad starten wir in Hinterhermsdorf und wollen zuerst zum Taubenstein, einem Aussichtspunkt oberhalb der Niedermühle. Zunächst geht es also durch das Dorf und dann auf dem Lehmhübelweg durch den Wald. Der Weg wird zunehmend schmaler, bald schon stehen wir an der Kernzonengrenze. Vom Taubenstein haben wir bei strahlendem Sonnenschein einen recht guten Blick, auch wenn der Dunst noch im Tal der Kirnitzsch hängt. Zu dieser steigen wir dann auch über den Taubensteinweg durch Reißersgrund ab. Vorbei an der mächtigen Reißershöhle erreichen wir die Kirnitzsch, die gemächlich talabwärts fließt.

Aussicht am Taubenstein

Direkt gegenüber unseres Weges überqueren wir die Kirnitzsch über eine leicht verfallene Brücke und gelangen über eine weitere, aber erneuerte Brücke zur Niedermühle. Nach kurzer Rast geht es nun auf böhmischer Seite weiter. Wir steigen zum blau markierten Unteren Weg hinauf, der wirklich nicht angenehm zu laufen ist. Schotteruntergrund, teils Gehwegplatten – aber das soll sich schon bald ändern. Wanderer haben wir bis jetzt nur spärlich getroffen und das soll auf böhmischer Seite auch so bleiben (außer einem Ranger, der drei Kletterer transportierte). Der Untere Weg wird angenehmer und führt über welliges Gelände immer weitere ins Böhmische hinein.

Niedermühle

Die Wolfstafel begegnet einem gleich am Weganfang

Doch wir wollen nun etwas mehr Naturkontakt und die in Axel Mothes‘ drittem Bergpfadebuch beschriebene Drachenstiege erkunden – doch welch Kummer: Wir biegen einen Grund zu früh ab und vertun uns hier über ein und eine halbe Stunde. Spannend ist zwar auch der Grund, keine Frage, denn es geht wild und urig stetig bergan und man kommt schließlich auch an einem Höhenweg heraus – allein zur Drachenstiege gelangen wir nicht. Der von uns begangene Weg war im Übrigen mit Kletterzugangsmarkierungen versehen. Also wieder zurück zum Unteren Weg und siehe da: der nächste Zugang wäre offenbar der zur Drachenstiege gewesen. Verschoben aufs nächste Mal. Leider müssen wir aus Zeitgründen dann auch noch den Paschersteig verschieben (also genug Gründe, hier nächstes Jahr nochmal wiederzukommen).

Und hier stehen wir in einem Grund, dessen Namen wir leider nicht kennen, der aber zu einem Höhenweg hinaufführt und teilweise mit einem Kletterzugangssymbol markiert ist

Der Ausstieg aus dem Grund ist über zwei verschiedene Varianten möglich, hier die Variante durch die Felsengasse

Oben erreicht man besagten Höhenweg, der einige interessante Passagen bietet, aber leider nicht zur Drachenstiege führt

Weiter geht es nun auf dem Unteren Weg, der sich nun langsam hinabwindet. Alte Stufenreste auf dem immer kleiner werdenden Weg führen hinab bis zum Abzweig Schwarzes Tor. Der Weg zum Schwarzen Tor ist so, wie es die Romantiker schilderten: wild, mystisch und verzaubernd. Am Schwarzen Tor müsste man eigentlich laut Bestimmungen Kehrt machen, aber das wird wohl hier keiner beachten. Bis zur Kirnitzsch sind es nur noch wenige Meter. An der ehemaligen Schönlinder Brücke machen wir Rast und schauen auf die Uhr. Eigentlich wollten wir nicht den ganzen Tag unterwegs sein, also entscheiden wir uns, den kürzesten Weg in Richtung Hinterhermsdorf zu nehmen: durch die Kirnitzsch, den historischen Steig hinauf zum markierten Wanderweg und ab ins Jansloch und da den Janslochsteig hinauf. Ich hatte bei Ingo gelesen (Link), dass dies eine recht gute Variante sei und da hat er auch ausnahmslos Recht behalten.

Alte Stufenreste führen zum Abzweig Schwarzes Tor

Und da liegt das Felsentor auch schon vor einem – geht man hindurch, steht man in wenigen Metern direkt an der Kirnitzsch

Die Kirnitzsch fließt beschaulich durch das enge Tal

An beiden Uferseiten sind auch die Reste der Schönlinder Brücke sichtbar

Nun aber ab durch die kühle Kirnitzsch … 

… und den alten Steig hinauf zum markierten Wanderweg

Eine genaue Beschreibung der Variante muss hier nicht erfolgen. Allerdings ein paar Anmerkungen: Durch die Kirnitzsch waten bei knapp über null Grad ist trotzdem ganz angenehm. Der Steig hinauf ist in einem weitgehend tollen Zustand und für Geübte gut begehbar (nur der obere Ausstieg ist verhauen, kann aber gut umgangen werden). Das Jansloch ist ebenfalls in einem guten Zustand. Wir sind fast bis zum Ende gegangen und erst dann aufgestiegen (also nicht den eigentlichen Janslochsteig). Wenn man oben den Janslochweg erreicht hat, sieht man im Übrigen auch die Kernzonenpolitik des Nationalparks: gefällte Bäume mitten in zutiefst schützenswerter Natur. Unerträglich!

Im Jansloch gleich zu Beginn bietet sich eine Möglichkeit auszusteigen (siehe auch bei Dietmar, Stiege am Raubschützenturm) …

… doch wir wollen dem beschaulichen Pfad im Jansloch noch folgen …

… bis sich kurz vor Schluss eine Möglichkeit bietet in Richtung Janslochweg steil auszusteigen

Christian Helfricht

Sonntag: Wanderung ins Böhmische

Am Sonntag geht es endlich mal wieder auf Wandertour – das Wetter soll ja ganz ansprechend werden. Zuletzt mussten wir geplante Wanderungen oft absagen. Meist hat die Zeit dafür einfach nicht ausgereicht. Angedacht ist für das Wochenende eine Tour ausgehend von Hinterhermsdorf, hinab ins Weißbachtal, an der Niedermühle rüber ins Böhmische und dann auf dieser Seite mal näher und mal ferner der Kirnitzsch bis zum Grenzübergang Hinterdittersbach. Von da geht es zurück nach Hinterhermsdorf.

Christian Helfricht

Grenzlandwanderung in der Hinteren Sächsischen Schweiz

Kirnitzschtal Neumannmühle – Großer Zschand – Zeughaus- Großer Zschandweg – Grenzübergang Großer Zschand – Abzweig Stimmersdorfer Weg – Roßmaulwiese – Stimmerdorfer Weg – Abzweig unmarkiert Richtung Reingrund – Großer Ziegengrund – Altarstein – Brückengrundweg – Bergpfad Lindengründel (Luchsstein) – Brückengrund – Kirnitzschtal – Hühnerkropfstufen – Finsterwäldchenweg – Höllstraße – Buchenparkhalle – Hinterhermsdorf Erbgericht

Länge/Höhenmeter: 14,4km/609Hm

Schon vorab: Diese Wanderung entspricht nicht den Geboten der Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz! Bevor man sich also auf irgendwelchen dieser Wege herumtreibt, sollte man wissen, dass sich einige davon in der Kernzone der Sächsischen Schweiz oder der Böhmischen Schweiz befinden und nicht markiert bzw. explizit gesperrt sind. In der Kernzone dürfen aber, laut Nationalpark, nur markierte Wege begangen werden.

Da wir uns aber dafür entschieden haben, diese Gebote nicht zu beachten, begehen wir diese Wege ganz bewusst. Denn selbst im Blickwinkel des Naturschutzes, der für uns immer an erster Stelle steht, ergibt es keinen Sinn, dass man einfachen, interessierten und umweltbewussten Wanderern Wege verwehrt, die offensichtlich in der Natur vorhanden sind. Wir zerstören nichts, wir werfen keinen Müll weg und wir sind leise. Selbst vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist ein Schließungsgebot nicht nachvollziehbar. Unser Nationalpark hat ein deutlich zu kleines geschlossenes Gebiet bzw. Waldgebiet, als das man eine durch den Menschen gestörte Tierwanderung bzw. einen gesonderten Schutz seltener Pflanzenarten dergestalt rechtfertigen könnte, dass man ganze Gebiete absperrt. Zudem ist der Nationalpark Sächsische Schweiz (ebenso NP Böhmische Schweiz) einer der Kategorie 2 (und nicht der Kategorie-1-Totalreservat), bei dem es immer darum geht, einen ausgleichenden Weg zwischen Naturerhalt und kultureller Erschließung zu finden. Beides, so ist es meine Meinung, muss hier zusammen gedacht werden und schließt sich nicht gegenseitig aus.

Dies zum Allgemeinen. Nun ein paar weitere, aktuelle Hinweise zur momentanen Situation: Das Gebiet des Großen Zschand ist im Zuge der Unwetter im letzten Jahr massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Davon ist auch heute noch viel zu sehen. Es gibt noch zahlreiche Wegeschäden, Unterspülungen, Versandungen und Ähnliches. Es ist also immer Vorsicht geboten. Besonders die beiden Seitenarme des Großen Zschand, Richterschlüchte und Weberschlüchte, waren massiv betroffen, können nun aber wieder gut begangen werden. An der Weberschlüchte fehlte momentan das kleine Hinweisschild am Abzweig. Ein Nationalparkwächter teilte mir auf Nachfrage mit, dass es mutwillig zerstört wurde. Er versicherte mir allerdings, dass er sich um eine neue Markierung kümmern werde. Der Stimmersdorfer Steig ist auf böhmischer Seite durch Forstfahrzeuge enorm in Mitleidenschaft gezogen worden, es haben sich tiefe Rillen gebildet, sodass er relativ schlecht begehbar ist. Die gesperrten Wege Großer Ziegengrund, Reingrund, Großer Zschandweg (von Hickelschlüchte bis Roßmaulwiese) und wahrscheinlich auch Kleiner Ziegengrund und Luchsweg, sind in einem exzellenten Zustand.
Im Gebiet Hinterhermsdorf ist der Quasengrundweg gesperrt. Einen ersichtlichen Grund konnte ich nicht ausmachen.

Und noch zwei weitere Neuigkeiten: 1. Am Kuhstall hat es einen gehörigen Felssturz gegeben. Dabei hat sich ein Felsbrocken gelöst und an den Klettergipfel „Zyklopenmauer“ herangelegt… 2. Der gesperrte Wehlgrund soll tatsächlich noch bis in den Juli hinein gesperrt sein. Dies meldet die Sächsische Zeitung in ihrer morgigen Ausgabe.

Zeughaus im Großen Zschand

Unsere Wanderung beginnt also an der Neumannmühle und zieht sich durch den Großen Zschand vorbei am Zeughaus bis zum Abzweig Hickelschlüchte. Da wir aber nicht zur Hickelhöhle hoch wollen, führt unser Weg weiter auf dem Großen Zschandweg. Hier ist schon Gras drüber gewachsen, könnte man sagen. Aber man sieht, dass noch viele Menschen diesen Weg nutzen. Die rechts abzweigende Schwarze Schlüchte, die uns zum gesperrten Adlerloch oder zum Entenpfützenweg führen würde, ist im Anfangsbereich stark versandet und lädt nicht unbedingt zum Wandern ein. Weiter geht es auf dem Zschandweg bis zur Grenze. Ab und an liegen mal Bäume im Weg, die überquert werden müssen, hier und da ist es nach den Regenfällen der vergangenen Tage noch etwas feucht. An der Grenze fühlt man sich wie zwischen den Welten. Unser Blick wendet sich nach rechts und wir sehen den Zugang zum Entenpfützenweg. Steil geht es nach einem kurzen Flachstück an dieser Stelle nach oben. Vorbei an einigen herumliegenden Felsbrocken gehen wir den historisch wertvollen Zschandweg weiter ins Böhmische. Links könnte man steil hinauf zum Beginn des Thorwalder Wände Gratweges gelangen. Rechts zweigt ummäuert der Kieferngrund ab. Und schon stehen wir am Rande der Kernzone der Böhmischen Schweiz.

Im Großen Zschand steht noch gehörig Wasser …

… und dieser schöne Baum.

Links Abzweig Hickelschlüchte, rechts Weiterweg Großer Zschand

Doch hier soll uns der Weiterweg nun verwehrt werden.

Der große Weg ist nun schon etwas zugewachsen. Früher war er eine der wichtigsten Handelstrassen.

Nun stehen wir kurz vor dem Grenzübergang.

An der Grenze mit Blick nach rechts auf den Zugang zum Entenpfützenweg.

Der Grenzübergang hier nochmal von böhmischer Seite aus.

Und da ist er ja auch: Der Zählautomat. Wie viele werden diesen Grenzübergang wohl noch nutzen?

Aber wir zweigen nun links auf den zunächst groß ausgebauten Stimmersdorfer Weg ab. Dieser Weg ist gut daran erkennbar, dass er sich eigentlich im gesamten Verlauf immer in einer Art Senke oder Böschung bewegt. Wer also mal nicht weiter weiß, der sollte sich daran halten. Der Weg wird zunehmend kleiner und zweigt an seiner höchsten Stelle links ab. Es geht wieder hinab durch eine kurze, breite Felsengasse und über viele im Weg liegende Bäume. Nun gibt es aber eine Wegteilung. Links der Stimmersdorfer Weg Richtung Altarstein, rechts ein Weg hinab zum Reingrund. Wir wählen diesen und finden uns in einem wunderschönen, grünen Tal wieder. Der Reingrund mündet auf dem Großen Ziegengrund. Rechts würde es zum Luchsstein gehen, wir gehen allerdings links zum Altarstein, der dann auch in wenigen Minuten erreicht ist. Hier treffen wir nun auch den Stimmerdorfer Weg wieder. (Kleiner Tipp nebenbei: Für die Wegfindung ideal ist eine Karte aus dem Storm Reiseführer „Dresden und die Sächsisch-Böhmische Schweiz“ im Maßstab 1:50.000 aus dem Jahre 1924. Hier findet sich der exakte Wegverlauf der meisten Wege in dem Gebiet. Bei Interesse könnte ich diese Karte auch zugänglich machen.)

Im Anfangsbereich ist der Stimmersdorfer Weg recht breit ausgebaut.

Dann wird der Weg kleiner und führt durch grünbewachsene Felsen hindurch.

Öfters muss man, nachdem man nun wieder hinabsteigt, einige umgefallene Bäume überwinden (hier Blick zurück).

Vom Altarstein gelangen wir über den markierten Wanderweg (Brückengrundweg) ins Lindengründel. Dieser Weg ist als Bergpfad ausgeschildert und führt uns durch ein grünes Tal zunächst Richtung Grenze und Luchsstein. Hier mündet nun der große Ziegengrund ins Lindengründel ein. Wir folgen dem Wegverlauf des Bergpfades an der Grenze entlang und gelangen zum Abzweig in den Kleinen Ziegengrund. Wenn man nun durch den Kleinen Ziegengrund laufen würde, wäre man in gar nicht allzu langer Zeit in Mezni Louka gelandet. Für uns aber heute nicht von Interesse. Wir folgen dem Lindengründel also weiter, kommen am markanten Kletterfels „Gemeinschaftsturm“ vorbei und müssen uns nun über einen relativ unnatürlichen Wegeverlauf steil hinauf zum Pferdehornweg schlagen. Was sich der Nationalpark dabei gedacht hat, darf wirklich mal hinterfragt werden. Über den Brückengrundweg gelangen wir dann an die Kirnitzsch.

Manchmal braucht es die ein oder andere Karte mehr …!

Nun sind wir schon im Lindengründel (hier Blick aus dem großen Ziegengrund).

Der berühmte Luchsstein.

Die Highlights der Wanderung sind nun eigentlich vorbei. Über die beschaulichen Hühnerkropfstufen geht es hinauf zum Finsterwäldchenweg und weiter über die Höllstraße nach Hinterhermsdorf. Eine angenehme, manchmal spannende und teils auch anstrengende Wanderung geht nun zu Ende. Für die Runde sollte man in etwa 5 Stunden einplanen (plus Pausen).

Links zweigen die Stufen am Hühnerkropf ab (Fotostandpunkt Zollstraße).

Einige historische Stufen führen auf die Ebene „Das finstere Wäldgen'“

Hinterhermsdorf

Christian Helfricht

Auf dem Dr.-Alfred-Meiche-Weg

Hinterhermsdorf Erbgericht – Gelber Punkt WM Ri. Weifberg (vorbei an Emmabank) – Weifberg – WM Blauer Strich – Dr.-Alfred-Meiche-Weg – Wachberg – Hertigswalde – Dr.-Alfred-Meiche-Weg – Grenzbaude – Sebnitz Markt – Sebnitz Bf.

Diese Wanderung haben wir schon im letzten Jahr durchgeführt, eine Beschreibung gab es aber bisher noch nicht. Momentan, das heißt Mitte August 2010 und kurz nach den verheerenden Flutschäden, welche das gesamte Elbsandsteingebirge heimgesucht haben, speziell den Bereich des Kirnitzschtals, ist das Erreichen Hinterhermsdorfs mit dem Bus nicht bzw. nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Da diese Wanderung unterschiedliche Ausgangs- und Zielpunkte hat, ist sie für Autofahrer, die Hinterhermsdorf problemlos erreichen können, natürlich nicht unbedingt geeignet.

Wir starten die Wanderung an der Busschleife Hinterhermsdorf Erbgericht und orientieren uns an der Wandermarkierung Gelber Punkt, die uns zunächst etwas in den Ort hinein führt. Wir passieren einige Schilder des seit September 2001 existierenden Dorflehrpfades, für den sich der Heimatverein Hinterhermsdorf verantwortlich zeigt. Mit Blick auf den Weifberg verlassen wir den Ortskern und wandern leicht ansteigend auf Feldwegen vorbei an der Emmabank und weiten Wiesen, die den Blick ins Böhmische und den hinteren Teil der Sächsischen Schweiz eröffnen. Es steht der kurze Aufstieg zum Weifberg an und der Blick vom über 30 Meter hohen Turm, der seit November 2000 einen wunderbaren Rundumblick ermöglicht.

Es folgt der Dr.-Alfred-Meiche-Weg, der immer mit einem blauen Strich markiert bis nach Sebnitz führt. Man bewegt sich dabei auf sehr welligem Terrain, gleich zu Beginn geht es hinab in dunklen Wald, eine kleine Brücke führt über den Grenzbach und auf der anderen Seite geht es wieder hinauf und im Waldgebiet nah an der Grenze entlang. Der nachhaltigste Eindruck des Weges ist aber der, immer wieder am Waldrand zu laufen, mal hier mal da einen Ausblick zu genießen, immer wieder kurze Anstiege hochzusteigen, um dann im nächsten Moment wieder zu verweilen und das Naturerlebnis zu spüren.

Besonders reizvoll mag hier sicher auch der Ausblick vom Wachberg sein, schön auch die Tafeln, die die Berge in der Ferne benennen – uns blieb davon aber viel verwehrt, weil sich der Wachberg in stetem Nebel verhüllte. Weiter dem Meiche-Weg folgend, geht es beim Wachberg wieder tiefer in den Wald, steigt dann plötzlich sehr steil ab und erreicht wieder den Waldrand. Ab hier wandert man ziemlich eben bis zur Straße, die man auf einem kleinen Stück leider nutzen muss, bevor man kurz vor Hertigswald links einbiegt und auf einer Bank verweilen kann, die den Blick auf den Ort und den nicht weit entfernten Tanecnice (Tanzplan) eröffnet. Wir steigen nun hinab in den Ort überqueren wieder die Straße und folgen der blauen WM hinauf übers Feld und durch den Wald. Wir erreichen Sebnitz, wandern hinab in die Stadt vorbei an Kirche und Markt und kommen zum Bahnhof, der das Ende unserer heutigen Tour bildet.
Christian Helfricht

Literatur zum Dr.-Alfred-Meiche-Weg (Auszug):

Storm Reiseführer. Dresden und die Sächsisch-Böhmische Schweiz nebst Anschlussrouten in das Böhmische Mittelgebirge und das östliche Erzgebirge. Leipzig 1924, S.187-191.

Werte der deutschen Heimat. Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen. Berlin 1959, S.35,f.

Brockhaus-Reisehandbuch Sächsische Schweiz Osterzgebirge. Mit Dresden, Meißen, Pirna und Sebnitz. Leipzig 1972, S.582.

Brichzin, Hans: Wandern in der Sächsischen Schweiz. Ostfildern 2006, S.49-52.

Rölke, Peter (Hrsg.): Wander- & Naturführer Sächsische Schweiz. Bd.1 Hintere Sächsische Schweiz. Dresden 2006, S.178-186.