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Vergessene Wege auf dem Papststein und Mothes‘ neues Bergpfadebuch

Bf. Königstein – Königstein Reißigerplatz – Papstdorf – Felsabbruch „Schlickerschlacker“ – Papststein Förstersteig – Papststein – Hunskirchensteig – Alte Rietzschgrundstraße – Gohrischsteinpromenade – Balzweg – Queckenborn – Muselweg – Kurort Gohrisch – Große Hirschke – Elberadweg – Bf. Königstein

Nachdem vor etwa zwei Wochen das neue Bergpfadebuch von Axel Mothes eingetroffen ist, konnte nun auch schon der erste Vorschlag aus diesem Buch genauer unter die Lupe genommen werden. Wir hatten uns am vergangenen Samstag für den Papststein entschieden, ein beliebter Ausflugspunkt für Touristen. Aber auch für Wanderer kann der Papststein von Interesse sein, wie wir selbst feststellen konnten. Axel Mothes beschreibt im Bergpfadebuch Band 3 einen so genannten Förstersteig, der, so Mothes, bisher nur in einer literarischen Quelle erwähnt wird. Dieser muss einfach mal aufgesucht werden …

Von Dresden kommend nutzen wir die S-Bahn bis Königstein und steigen dann an der Haltestelle Reißigerplatz in die Buslinie 244. Die Wanderung startet, so man noch etwas vom Ort sehen möchte, an der Haltestelle Papstdorf-Erbgericht.
Wir folgen der detaillierten Beschreibung von Herrn Mothes und starten am unteren Ende des Lastenaufzugs an der südlichen Seite des Papststeins (in der Nähe des Felsabbruchs „Schlickerschlacker“). Genau dem Verlauf der Seilbahn folgend, steigen wir den Berg auf zunächst farnbewachsenem Untergrund hinauf, bis ein gut zu erkennender, kleiner Pfad gequert wird. Diesen nutzen wir in linker Richtung bis an die ersten Felswände. Hier hält man sich immer an der Felswand weiter in linker Richtung, bis man auf die von Mothes beschriebene Wegekreuzung gelangt. Hier geht es nun rechts hinauf, es folgen die ersten Stufenreihen und der von Mothes beschriebene „bescheidene“ Durchblick Richtung Papstdorf und Schneeberg. Diese Aussicht ist im Übrigen gar nicht so bescheiden, wie uns der Autor weismachen will, nur an unserem Tag war das Wetter etwas trüb. Auch im nächsten Abschnitt ist die Formulierung bei Mothes etwas irreführend, es ist zu empfehlen sich an der Zeichenskizze zu orientieren. Der Autor beschreibt eine „Höhenkerbe“, an deren Ende ein Ausblick auf Papstdorf möglich ist und fragt sich dann, wie es nun weiter gehen soll. Wenn man aber in der „Höhenkerbe“ steht, fällt einem der Weg und die kleine Stufenreihe auf der linken Seite sehr gut auf. Dieser folgt man nun, zweigt mit einem Blick auf den markierten Aufstieg (Wirtshausstiege) nach rechts ab und kann den Ausstieg in Nähe des Turmes eigentlich nicht mehr verfehlen. Es sind sogar mehrere Ausstiege möglich. Insgesamt ein wirklich lohnenswerter Tipp, den Axel Mothes hier veröffentlicht und der ohne ihn sicher komplett in Vergessenheit liegen würde.

An diesem Tag haben sich Nebelschwaden in den Tälern der Sächsischen Schweiz wunderbar gehalten, die vielen Ausblickspunkte auf dem Papststein sind eine wahre Augenweide. Als Abstiegsmöglichkeit nutzen wir den Weg vorbei an der Großen und Kleinen Hunskirche, der in der Detailkarte von Böhm sehr gut vermerkt ist und kommen auf der Alten Rietschgrundstraße unterhalb des Papststeins an. Diesem breiten Weg in linker Richtung folgend, erreichen wir den Parkplatz zwischen Gohrisch und Papststein. Es bietet sich hier nun die Gohrischsteinpromenade an, die wir schon einige Male gelaufen sind und die immer wieder sehr schön ist. Insbesondere der Lehrpfad ist überzeugend. Wir rasten im Folgenden an „Petrichs Felsen“, kommen am Hochbehälter Gohrisch vorbei auf den Balzweg und biegen dann zum Queckenborn ab. Hier entfaltet sich ein sehr feuchtes Gebiet, Mücken, kleine Tümpel – ein sehr idyllisches Gefilde.

Auf dem kürzesten Wege durchqueren wir den Luftkurort Gohrisch und nutzen in Richtung Königstein die Große Hirschke. Am Anfang ist der Weg mit Absperrband verwehrt, doch ein Anwohner sagt uns, das man da schon durchkönne. Die Sperrung, im Übrigen auch wegen den vergangenen Unwettern, ist ganz berechtigt, denn das erste, kurze Stücke ist schon sehr mitgenommen. Der leicht abfallende Weg hinab nach Königstein ist nun, so finde ich, wirklich großartig. Überreste alter Häuser, ein kleines Bächlein, das sich hauptsächlich aus dem Goldborn speist, interessante Flora wohin das Auge auch blickt.

Letztlich kommt man an der Bundesstraße 172 heraus, der man ein Stück nach links folgt, bis der Radweg an die Elbe führt und sich unserem Ziel, dem Bahnhof in Königstein, nähert. Eine wirklich schöne, kurze Wanderung ohne sonderliche Schwierigkeiten. Der Förstersteig ist ein kurzweiliges Relikt, nicht überragend, aber für Interessierte sehr spannend.

So kann man übrigens auch Mothes neues Bergpfadebuch (Mothes, Axel: Bergpfade & „Andere Wege“ im Sandstein. Band III. Steigenbuchverlag, Halle 2010.) beschreiben: für Interessierte sehr wertvoll, doch einige Mängel sind leider nicht zu übersehen. Von wirklichen Bergpfaden, wie sie der Nationalpark sieht, kann nicht mehr die Rede sein. Aber diese sind eben auch, wie bekannt, begrenzt. Spannend sind die Artikel zum Heulenberg, zum Flüchtlingsweg am Rauenstein und zum Fremdenweg entlang der deutsch-tschechischen Grenze, aber auch etliche mehr. Wieder detailgetreu und liebevoll angelegt sind die Skizzen und auch die Bildauswahl hat sich seit den ersten Bänden deutlich verbessert. Allerdings mangelt es immer wieder an grundsätzlichen Fehlern, die man eigentlich, nach eingehender Überarbeitung, vermeiden könnte. Rechtschreibung, Kommasetzung und Satzbau sind stark verbesserungswürdig. In einer nächsten Auflage sollte hier, wie im Übrigen auch bei allen Vorgängern, noch einmal deutlich redigiert werden. Dies schmältert den guten Gesamteindruck leider deutlich. Wie es besser geht, sieht man beispielsweise an den tadellosen Wanderführern von Peter Rölke. Trotzdem, es lohnt sich wirklich sehr, dieses Buch zu kaufen.

Christian Helfricht

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  1. 28. September 2010 um 12:11 am

    Moin Christian,
    da muss ich doch auf deinen Beitrag zu Axel Mothes‘ neuem Bergpfadebuch, oder speziell zu deiner Kritik an selbigem, auch mal meinen Senf dazu geben. Sicher, du hast recht: es wimmelt in Axels Büchern nur so von kleinen und größeren grammatikalischen oder syntaktischen Gurken. Und dass das einen studierten Germanisten wie dir aufstößt, kann ich gut nachvollziehen. Schließlich bin ich selbst, wie du hoffentlich meinem Blog entnommen hast, ein großer Freund der geschliffenen, gern auch polemischen, in jedem Fall aber korrekten deutschen Sprache. Wenn mich das bei Axels Büchern aber absolut nicht stört, dann hat das einen einfachen Grund: nirgends, aber wirklich absolut nirgends, kann ich solche exklusiven Informationen bekommen wie in diesen Büchern. Und in einem solchen Fall hätte ich auch kein Problem damit, Suaheli zu lernen, nur um an diese Tipps zu kommen. Was die Stiegen- und Bergpfadebücher übrigens auch von Peter Rölkes Wanderführern unterscheidet: in denen werden nur recht bekannte Wege beschrieben, wenngleich meist in sehr reizvoller Kombination. Allerdings nervt mich an diesen Büchern ein wenig die Breite des Gebotenen: den x-ten Exkurs über die gemeine Sumpfschnerpelschnepfe oder die zwanzigste Erwähnung von verschwundenen deutschen Siedlungen im Böhmischen (scheinbar ein Rölkesches Hobby) will ich einfach nicht mehr lesen. Mir genügen klare und detaillierte Beschreibungen von Wegen vollauf. Übrigens befleißigt sich Axel Mothes in seinen Büchern ein zugegeben holprigen, aber immer noch recht modernen Sprache, während Peter Rölke doch sehr antiquiert schreibt (Man halte ein, wende sich um und bewundere…). Wohlgemerkt, das sind persönliche Vorlieben. Ich finde es aber im Angesicht der Fülle von bisher unbekannten Fakten in Axels Büchern in Ordnung, über die eine oder andere Schwäche im Gebrauch der deutschen Sprache gnädig hinweg zu sehen. Was bleibt: Peter Rölke für Neueinsteiger und Traditionalisten, Axel Mothes für alle, die auch noch den letzten unbekannten Pfad suchen. Und, um an dieser Stelle noch ein wenig Krümelkackerei zu betreiben: selbst ein Germanist ist nicht vor den Tücken der Sprache gefeit, wie dein eigener Eintrag beweist: „Allerdings mangelt es immer wieder an grundsätzlichen Fehlern….“ schreibst du da. Was in des Satzes klarer Bedeutung heißt: es gibt nur sehr wenige bis gar keine grundsätzlichen Fehler. Es herrscht nämlich ein Mangel an denselben. Gemeint hast du aber sicher das Gegenteil. Kann ja mal passieren.
    Arndt Noack

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