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Der Tümpelgrund und der Stille-Gründe-Weg

Fährstelle Stadt Wehlen – Mennickestraße – Schwarzberggrund – Schanzenweg – Stille-Gründe-Weg – Tümpelgrund – Stille-Gründe-Weg – Griesgrund – Haldenweg – Kurort Rathen – Amselgrund (WM grüner, dann blauer Strich)- Amselfall – nächste Abzweigung links zum Rathewalder Fußweg (WM gelber Strich) – Wettinweg – Reingrund – Kohlgrund – Zscherregrund (WM roter Punkt) – Stadtgut – Wehlen/Hausberg – Fährstelle Stadt Wehlen

Unsere letzte Wanderung führte in ein Gebiet der Sächsischen Schweiz, in dem wir zwar schon das eine oder andere Mal unterwegs waren, aber dessen wirkliche Highlights für uns noch offen standen. Es geht um das Gebiet, welches sich zwischen den Eckpunkten Lohmen und Wehlen auf westlicher und Rathewalde und Rathen auf östlicher Seite erstreckt.

Wir befinden uns hier in einer Region, die hinsichtlich ihrer historischen Relevanz als besonders erhaltenswert gelten darf. Wenn man einmal durch den Uttewalder Grund oder den Zscherregrund gelaufen ist, kann man sich durchaus vorstellen, wie es zu den ersten Erwähnungen in romantischen Reiseberichten gekommen sein mag. Enge Felsschluchten, dunkle, man möchte meinen verwunschene Ecken, und verlassene Gründe, in der manch seltene Vogelart beheimatet ist, machen den Reiz und Zauber aus, der sich hier von allen Seiten her aufdrängt.

Wir starten bei Sonnenaufgang in Wehlen und wenden uns östlich in Richtung Schwarzberggrund. Der eigentliche Grund ist heute leider nicht mehr der ausgewiesene Wanderweg, was einem, wenn man an der Kreuzung Haldenweg/Schwarzberggrund/Schanzenweg steht, nicht ganz logisch erscheint. Wir nutzen den verwinkelten Aufstieg hoch auf die Schanzen, gehen zur Schwarzbergaussicht und landen, dem Schanzenweg folgend, oben an einer Wegekreuzung. Von hier aus hat man verschiedene Möglichkeiten weiterzugehen. Zum einen kann man vorbei am Steinernen Tisch hin zur Bastei und zu den Schwedenlöchern wandern, was sicher auch einen Ausflug wert ist. Zum anderen kann man das Gebiet rund um die Brosche ergründen, wo sich einige interessante kleine Pfade finden (bsw. erreicht man über die Brosche und das so genannte „Treppchen“ den Zscherregrund). Wir zweigen aber nun in den Bergpfad der Stillen Gründe ab.

Zu diesem Bergpfad ein paar Vorbemerkungen: Wie man in der Literatur (bsw. Werte der deutscher Heimat, Mothes‘ Bergpfadebuch Bd. 2) liest, gibt es hier einige historische Wegstücke und Steighilfen. Das heißt aber nicht, dass es sich um einen einfachen Wanderweg handelt. Vielmehr ist die Markierung „Bergpfad“ exakt, da man an einigen Stellen eng an der Felskante läuft, teils die Hände zum Klettern einsetzen muss und an der Leiterstelle auch manchem das Flattern kommen kann. Zudem sollte man den Weg aus der von mir beschriebenen Richtung gehen, d.h. von West nach Ost, denn dann kann man die zwei kleinen Steigpassagen leichter überwinden (für beide Stellen gibt es zwar Umgehungsmöglichkeiten, so sieht man es in Mothes‘ Abhandlung, aber die sind teils noch schwieriger). Weiterhin ist unbedingt eine trockene Witterung vonnöten, nasser Boden ist hier an machen Stellen gefährlich.

Der Weg an sich ist relativ gut gekennzeichnet. Nachdem man eine kleine Holzschranke überschritten hat, führt der Weg leicht fallend an die Abbruchkante der Weißen Brüche und da nach links weiter. Bei uns war es hier sehr stürmisch, was teils etwas unangenehm war, wenn man mal einen schönen Ausblick nach Wehlen oder auf die Elbe hatte. Weiter nach links führt der Weg nun steiler in eine Kehre hinab und weiter abfallend zum Tümpelgrund (dazu aber später mehr). Von hier wendet sich der Weg nach rechts und dann an der linken Seite einen Hang hinauf. Hier sind, wie auch schon zuvor, deutliche Stufen, teils aus Holz, teils aus Stein, sichtbar. Nun folgt, am Fuß des Felsens angekommen eine schöne Passage, wo man zwischen den Felswänden hindurch muss. Zu dick sollte man hier vielleicht nicht sein. Dem Weg weiter folgend gelangen wir zur interessantesten Passage: eine Leiter, die vor einer Stufenreihe an die Wand gelehnt ist. Hier geht es für Geübte relativ leicht hoch, Angst sollte man wegen der wenigen Festhaltemöglichkeiten nicht haben. Nach diesem wirklich schönen Stück landet man schon bald auf dem Griesgrund, der ebenfalls als Bergpfad markiert ist.

Unsere Wanderung verläuft den Griesgrund hinab und dem Haldenweg folgend Richtung Rathen. Wir biegen links in den Ortskern und im Ort noch einmal links in den Amselgrund ein. Vorbei am Amselsee und dem Verlauf des nach dem Hochwasser sehr geschundenen Grünbachs folgend, steigen wir hinauf zum Amselfall und der dazugehörigen Baude. Nach der kurzen Mühe genießen wir ein kühles Radler und einen Eistee, besichtigen die liebevoll eingerichtete Nationalpark-Informationsstelle und steigen weiter hinauf in Richtung Rathewalde. Bei der nächsten Möglichkeit biegen wir einen großen Weg links ein, kommen vorbei an frischen Fichtenfällungen, und erreichen den Rathewalder Fußweg. Dem folgen wir in linker Richtung aber nur kurz und überqueren die Basteistraße, um über den Wettinweg in den Reingrund zu wandern. Hier treten die Felswänden nun immer enger an uns heran, im Kohl- und Zscherregrund wechselt die Stimmung von sonnig-mondän zu düster-urig.

Um nach Wehlen zu gelangen, bleibt uns der Wehlener Grund verwehrt. Hier sind die Bauarbeiten nach den Unwettern noch nicht abgeschlossen. Wir folgen dem Umweg über das Stadtgut vorbei am Pflanzengarten und gelangen zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Damit ist eine wirklich wunderschöne Wanderung zu Ende, deren Höhepunkt aber noch gar nicht beschrieben wurde. Es handelt sich um den Tümpelgrund – diesen wirklich allerschönsten der Stillen Gründe. Der Tümpelgrund ist in seiner Ausgestaltung einzigartig. Die beste Beschreibung finden wir im Geologischen Führer durch das Elbsandsteingebirge von Horst Rast von 1959. Rast erwähnt zunächst den für uns heute nicht mehr erlaubten, oberen Teil des Tümpelgrunds mit einem Felssturz von 1953. Daran anschließend, von oben gesehen folgen die beiden Seitenarme, aus westlicher und östlicher Richtung, die, neben dem heute noch sehr gut sichtbaren Haupteingang (nördlich), einen Einstieg ermöglichen. Die interessanteste Gegebenheit des Tümpelgrunds ist die Otto-Beyer-Schlucht – eine heute knapp einen Meter breite Schlucht, die man auch noch begehen kann. Die Entstehung ist nach Rast nicht letztendlich zu klären, auf jeden Fall finden sich aber „eiszeitliche Schmelzwasserbildungen“ und „eindrucksvolle Errosionsspuren“. Weiter beschreibt Rast den sich erweiternden Grund, der nur minimal zur Abbruchkante abfällt, um dann abrupt an den Weißen Brüchen zu enden.

Bei unserer Wanderung sind wir in den Tümpelgrund abgezweigt und von unten bis zur Otto-Beyer-Schlucht gelangt. Darin war es sehr feucht, aber der Durchgang war möglich. Die Schlucht befindet sich, trotz der Unwetter in einem relativ guten Zustand, kurz zuvor allerdings gibt es etliche Ausspülungen, einige davon auch noch neueren Ursprungs. An den Felswänden links und rechts des Tümpelgrundes sind einige Sandbänke entstanden. Der Tümpelgrund ist wirklich atemberaubend. Etliche Felsstürze, die nun schon mit Moos überwachsen sind, teils noch relativ junge Bäume und ein kleiner Pfad, der sich mitten hindurch schlängelt. Er ist so einsam, ruhig und schützenswert, dass man sich wirklich nur mit aller Vorsicht und Ruhe hineinbewegen sollte. Man darf diesen Grund auch nicht ganzjährig begehen (nur ab Mitte August ist der Durchgang bis zum Tümpelgrundwächter auf einem Kletterzugang möglich). Diese Chance sollte man aber auch nur dann nutzen, wenn man sich wirklich mit den Gegebenheiten abfindet und sich dementsprechend verhält. Gleichwohl, so ist meine Meinung, sollte man diesen Grund dem Wanderer nicht verwehren. Es wäre schade drum, dieses wirklich wunderbare Naturerlebnis nicht mit anderen teilen zu können. Ein richtiges Verbot ist ja schon einmal gescheitert …

Christian Helfricht

Einsame Krähe beim Start an der Fährstelle in Wehlen.

Blick von Rathen auf die Weißen Brüche.

Bergpfad-Markierung auf dem Stille-Gründe-Weg.

Leiterstelle kurz vor dem Abstieg in den Griesgrund.

Sonnenstrahlen fallen in den Tümpelgrund.

Zur Otto-Beyer-Schlucht hin wird der Grund nun immer enger.

Kurz vor der Otto-Beyer-Schlucht.

Blick in die sehr feuchte Otto-Beyer-Schlucht.

Blick von Rathen auf den Tümpelgrund und den Stille-Gründe-Weg.

Literatur zum Stille-Gründe-Weg/Tümpelgrund:

Werte der deutschen Heimat. Band 1. Gebiet Königstein. Sächsische Schweiz. Berlin 1957, S.106-114. (hier findet sich zu allem etwas, d.h. zum Stille-Gründe-Weg, zu jedem einzelnen Grund und auch zu den Weißen Brüchen – und das alles sehr detailliert.)

Rast, Horst: Geologischer Führer durch das Elbsandsteingebirge. Freiberg 1959, S.83-88. (hier speziell zum Tümpelgrund, dessen möglicher Entstehung, mit Bildern und Skizze)

Unser Kleines Wanderheft. Heft 88. Bastei. Kurort Rathen – Stadt Wehlen. 4. Auflage überarbeitet von Hermann Lemme. Leipzig 1968, S. 45f. (eine Wanderung durch die Stillen Gründe, mit kleinem geologischen Exkurs, recht kurz, aber informativ)

Mothes, Axel: Bergpfade &  „Andere Wege“ im Sandstein. Band II. Halle/S. 2009, S. 149-156. (Stille-Gründe-Weg: detaillierte Informationen, akribische Skizze, sollte unbedingt auf die Wanderung mitgenommen werden)

Mothes, Axel: Der Weg ist das Ziel. Band II. Halle/S. 2009, S.91-96. (zum Tümpelgrund: sehr informativ und detailliert)

Böhm-Wanderkarte: Die Bastei. Rathen – Stadt Wehlen – Uttewalde. 1:10.000. Bad Schandau 2005. (der ständige und nützliche Begleiter für diese Wanderung)

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