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Die Bosheit trinkt die Hälfte ihres eigenen Giftes*

* Seneca

Das neue Militärhistorische Museum in Dresden

„Das Museum stellt, analog zum Ziel allgemeiner Geschichtswissenschaft, den Menschen ins Zentrum seiner Dauerausstellung. Der Mensch mit all seinen Ängsten, Hoffnungen, Leidenschaften, Erinnerungen, Trieben, mit seinem Mut, seiner Vernunft und Aggressionsbereitschaft. Krieg ist nur verständlich, wenn seine Darstellung die Natur des Menschen zur Grundlage nimmt. Das Museum zeigt Bausteine einer Kulturgeschichte der Gewalt, deren Wesen und Ursache alle Ausstellungsbereich aber auch die bauliche Konzeption durchdringt. Das Militär wird im Sinne eines modernen militärhistorischen Ansatzes nicht nur als Institution, sondern als Faktor wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und gesamtöffentlichen Lebens verstanden.“ (Quelle: mhmbw.de)

Der Mensch im Zentrum einer Dauerausstellung, die sich mit Krieg, Militär und Gewalt beschäftigt. Wer, wenn nicht der Mensch? „Multiperspektivisch, kritisch modern und auf der Höhe der Forschung“, so beschreibt sich die Ausstellung selbst. Ein hoher Anspruch für eine Ausstellung, die sich auf ein anderes Thema perspektivisch hätte ausrichten können – den Tod und das Böse. Wenn vom kulturhistorischen Anspruch die Rede ist, hofiert man militärische Aktionen und holt sie ins Zentrum des Lebens selbst. Anspruch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander. Die architektonische Meisterleistung von Daniel Libeskind – man kann sie lange suchen. Zwischen verzerrter Darstellung und einem Keil, der zwischen die Einfalt geschoben wird, bleibt nicht mehr als pure Langeweile. Attraktiv sicher für die einen, beschämend und verängstigend für viele, verzeiend für manch Gestrige. Will man allen gefallen, landet man in der Beliebigkeit.

Aber ist der Beton das Geld wert, aus dem er entstand? Ich kenne noch die alte Ausstellung und nun auch die neue. Kritische Reflexion gibt es heute mehr denn je. Sie hört jedoch an dem Punkt auf, an dem das Hier und Jetzt beginnt. Manche würde meinen, die Bilder seien die gleichen, nur die Labels wurden verändert. Manch andere sehen die Verspieltheit der Technik, das Pompöse der Macht und Maschinerie, die Verquickung von Mensch und Militär; nur, wer braucht das ganze? Die neue Ausstellung ist nur da wirklich gelungen, wo sie tiefer einblickt in das Wesen dessen, was Krieg mit dem Menschen macht, bsw. bei der Rolle der Frau im Kriegsgeschehen. Einzelne Sektionen sind großartig dargestellt; teils lapidar, teils perspektivisch. Alles andere ist wertlos.

Christian Helfricht

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