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Im Hinterhermsdorfer Grenzwinkel

Hinterhermsdorf Erbgericht – Neudorfstraße – Lehmhübelweg – Taubenstein – Taubensteinweg – Reißersgrund – Niedermühle – Unterer Weg – Abzweig in Grund in Richtung Pytlak und zurück – unterer Weg – Rotes Floß – Schwarzes Tor – Kirnitzschquerung – Weg hoch zum blau markierten Weg (Teil des historischen Kerbensteigs) – Jansloch – Janslochsteig – Jahnslochweg – Hohweg -Buchenparkhalle – Hinterhermsdorf Erbgericht

Eine Wanderung, wie sie so nicht wirklich geplant war. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Eigentlich wollten wir das Weißbachtal mitnehmen, doch das haben wir aus Zeitgründen aufs nächste Mal verschoben. Dann wollten wir in Richtung Drachenstiege hinauf – sind aber einen Grund zu früh rein und haben da 1,5 Stunden verschenkt. Dann haben wir noch den richtigen Zugang gefunden, aber auch auf nächstes Mal verschoben. Und am Schwarzen Tor haben wir an der ehemaligen Schönlinder Brücke gerastet und gedacht: mein Gott, jetzt erst wieder den Weg zurück … nee nee, also Wanderstiefel und Socken aus und bei knapp über null Grad durch die eiskalte Kirnitzsch gewatet und auf der anderen Seite den historischen Steig hinauf zum markierten Wanderweg. Doch auch hier wurde die Zeit knapp – also ab ins Jansloch und hinauf zum Jahnslochweg hinauf. Das war dann wohl auch die schnellste, im Übrigen auch schönste Verbindung.

Ein Großteil der Wanderung liegt in der Kernzone der Nationalparke Sächsische und Böhmische Schweiz. Hier dürfen nach Ansicht der jeweiligen Nationalparkverwaltungen nur markierte Wege begangen werden. Zudem dürfen in der Böhmischen Schweiz Kletterzugänge nur von Mitgliedern der Kletterverbände genutzt werden. Ich rufe deswegen auch bei dieser Wanderung nicht zum Nachahmen auf, sondern möchte nur die Lage dokumentieren.

Im Wald bei Hinterhermsdorf am frühen Morgen

Also los: Bei Temperaturen um die null Grad starten wir in Hinterhermsdorf und wollen zuerst zum Taubenstein, einem Aussichtspunkt oberhalb der Niedermühle. Zunächst geht es also durch das Dorf und dann auf dem Lehmhübelweg durch den Wald. Der Weg wird zunehmend schmaler, bald schon stehen wir an der Kernzonengrenze. Vom Taubenstein haben wir bei strahlendem Sonnenschein einen recht guten Blick, auch wenn der Dunst noch im Tal der Kirnitzsch hängt. Zu dieser steigen wir dann auch über den Taubensteinweg durch Reißersgrund ab. Vorbei an der mächtigen Reißershöhle erreichen wir die Kirnitzsch, die gemächlich talabwärts fließt.

Aussicht am Taubenstein

Direkt gegenüber unseres Weges überqueren wir die Kirnitzsch über eine leicht verfallene Brücke und gelangen über eine weitere, aber erneuerte Brücke zur Niedermühle. Nach kurzer Rast geht es nun auf böhmischer Seite weiter. Wir steigen zum blau markierten Unteren Weg hinauf, der wirklich nicht angenehm zu laufen ist. Schotteruntergrund, teils Gehwegplatten – aber das soll sich schon bald ändern. Wanderer haben wir bis jetzt nur spärlich getroffen und das soll auf böhmischer Seite auch so bleiben (außer einem Ranger, der drei Kletterer transportierte). Der Untere Weg wird angenehmer und führt über welliges Gelände immer weitere ins Böhmische hinein.

Niedermühle

Die Wolfstafel begegnet einem gleich am Weganfang

Doch wir wollen nun etwas mehr Naturkontakt und die in Axel Mothes‘ drittem Bergpfadebuch beschriebene Drachenstiege erkunden – doch welch Kummer: Wir biegen einen Grund zu früh ab und vertun uns hier über ein und eine halbe Stunde. Spannend ist zwar auch der Grund, keine Frage, denn es geht wild und urig stetig bergan und man kommt schließlich auch an einem Höhenweg heraus – allein zur Drachenstiege gelangen wir nicht. Der von uns begangene Weg war im Übrigen mit Kletterzugangsmarkierungen versehen. Also wieder zurück zum Unteren Weg und siehe da: der nächste Zugang wäre offenbar der zur Drachenstiege gewesen. Verschoben aufs nächste Mal. Leider müssen wir aus Zeitgründen dann auch noch den Paschersteig verschieben (also genug Gründe, hier nächstes Jahr nochmal wiederzukommen).

Und hier stehen wir in einem Grund, dessen Namen wir leider nicht kennen, der aber zu einem Höhenweg hinaufführt und teilweise mit einem Kletterzugangssymbol markiert ist

Der Ausstieg aus dem Grund ist über zwei verschiedene Varianten möglich, hier die Variante durch die Felsengasse

Oben erreicht man besagten Höhenweg, der einige interessante Passagen bietet, aber leider nicht zur Drachenstiege führt

Weiter geht es nun auf dem Unteren Weg, der sich nun langsam hinabwindet. Alte Stufenreste auf dem immer kleiner werdenden Weg führen hinab bis zum Abzweig Schwarzes Tor. Der Weg zum Schwarzen Tor ist so, wie es die Romantiker schilderten: wild, mystisch und verzaubernd. Am Schwarzen Tor müsste man eigentlich laut Bestimmungen Kehrt machen, aber das wird wohl hier keiner beachten. Bis zur Kirnitzsch sind es nur noch wenige Meter. An der ehemaligen Schönlinder Brücke machen wir Rast und schauen auf die Uhr. Eigentlich wollten wir nicht den ganzen Tag unterwegs sein, also entscheiden wir uns, den kürzesten Weg in Richtung Hinterhermsdorf zu nehmen: durch die Kirnitzsch, den historischen Steig hinauf zum markierten Wanderweg und ab ins Jansloch und da den Janslochsteig hinauf. Ich hatte bei Ingo gelesen (Link), dass dies eine recht gute Variante sei und da hat er auch ausnahmslos Recht behalten.

Alte Stufenreste führen zum Abzweig Schwarzes Tor

Und da liegt das Felsentor auch schon vor einem – geht man hindurch, steht man in wenigen Metern direkt an der Kirnitzsch

Die Kirnitzsch fließt beschaulich durch das enge Tal

An beiden Uferseiten sind auch die Reste der Schönlinder Brücke sichtbar

Nun aber ab durch die kühle Kirnitzsch … 

… und den alten Steig hinauf zum markierten Wanderweg

Eine genaue Beschreibung der Variante muss hier nicht erfolgen. Allerdings ein paar Anmerkungen: Durch die Kirnitzsch waten bei knapp über null Grad ist trotzdem ganz angenehm. Der Steig hinauf ist in einem weitgehend tollen Zustand und für Geübte gut begehbar (nur der obere Ausstieg ist verhauen, kann aber gut umgangen werden). Das Jansloch ist ebenfalls in einem guten Zustand. Wir sind fast bis zum Ende gegangen und erst dann aufgestiegen (also nicht den eigentlichen Janslochsteig). Wenn man oben den Janslochweg erreicht hat, sieht man im Übrigen auch die Kernzonenpolitik des Nationalparks: gefällte Bäume mitten in zutiefst schützenswerter Natur. Unerträglich!

Im Jansloch gleich zu Beginn bietet sich eine Möglichkeit auszusteigen (siehe auch bei Dietmar, Stiege am Raubschützenturm) …

… doch wir wollen dem beschaulichen Pfad im Jansloch noch folgen …

… bis sich kurz vor Schluss eine Möglichkeit bietet in Richtung Janslochweg steil auszusteigen

Christian Helfricht

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  1. 20. Oktober 2011 um 3:46 pm

    Hi Christian,
    eine schöne Tour habst ihr da gemacht. Was du als „historischen Steig“ von der Kirnitzsch aufwärts beschreibst, dürften die Reste des „Kerbensteiges“ sein. (Nicht zu verwechseln mit dem gleichnahmigen Steig im Bielatal). Der Kerbensteig muss mal einer der schönsten Wege im Sandstein gewesen sein, ich kenne ihn auch nur noch aus der Literatur, dieweil er 1945 mit dem Abriss der zwei Brücken und der Schließung der Grenze nach Böhmen verschwunden ist. Na, und heute, wo wir ein geeintes Europa und Schengen haben, steht das kleinkarierte Denken zweier Nationalparkverwaltungen einer Wiedereinrichtung des Weges entgegen. Die Tschechen hatte ja sogar mal die Kirnitzsch am Schwarzen Tor angestaut, damit man nicht mehr durch gehen konnte. Hier hat das Hochwaser vom letzten Jahr aber ganze Arbeit geleistet und den Kram wieder weggespült.
    Beste Grüße
    Arndt

    • 20. Oktober 2011 um 4:24 pm

      Vielen Dank Arndt für den Hinweis. Den Kerbensteig in der Ecke da kenne ich zwar vom Namen her (und aus Axels Büchern, bzw. einem Interneteintrag), ich wusste aber nicht, dass dieser Aufstieg Teil des Kerbensteigs ist. Umso mehr ein Grund, das hier mal zu benennen!

  2. Jörg Wolf und Ina Steinert
    1. Februar 2013 um 7:31 pm

    Hier unerfahrende Wanderfreunde,

    vielen Dank für die interessanten historischen Hinweise über den Kerbensteig. Wir sind letztes Jahr (Oktober 2012), durch Zufall zum „Schwarzen Tor gelangt“. Okay, wir haben uns verlaufen und wollten zurück von der Balzhütte in der Böhmischen Schweiz nach Hinterhermsdorf.
    Ja, und da standen wir vor dem „Schwarzen Tor“. Gut, weiter gehen. Dann kam die Kirnitzsch und die Brücke war nicht mehr vorhanden.
    Nein, kein zurück!!!! Also Schuhe aus und durch. Zum Glück hatte mein Freund Jörg einen Wanderer den Kerbensteig hochklettern gesehen.
    Damals wurssten wir noch nicht, dass er Kerbersteig heißt. So wagten wir uns auf den Berg, bemerkten schnell die in Sandstein gehauenen Stufen und zogen War das ein gutes Gefühl, oben ankommen zu sein und anschließend sogar den WanderwegWir gefunden zu haben.
    Hm, wo lang nun? Rechts oder Links?
    Wir gingen rechts entlang und kamen wieder an den unteren Schleußen an und zurück nach Hinterhermsdorf.
    Letztendlich hatten wir ca. 30 Km in den Gliedern (gefühlt mindestens 50) in den Beinen und waren total groggi.
    Der Weg durch das „Schwarze Tor“ ist ein sehr schöner Weg und wir bedauern es sehr, dass dies kein offizieller Wanderweg mehr ist!!!!!! Es war ein Abenteuer!!!! Jörg und Ina aus Dresden

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