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Über alte Wege von Rathewalde nach Hohnstein

Rathewalde Haltestelle – Straße „Zum Amselgrund“ – Teichstraße – Adlers Loch – Nasser Grund – Pionierweg – Buttermilchloch – Försterloch – Scheibenweg – Ziegenrückenstraße – Carolastein – Ziegenrückenstraße – Mühlberg – Polenztal – Schulzengrund – Schlaglöcher – Brandstraße – Brand – Brandstraße – Hohnstein – Haltestelle Eiche

Anfahrt: Bus Linie 237 nach Rathewalde (aus Pirna), zurück Bus von Hohnstein (nach Pirna)
Karte: Böhm Wanderkarten „Die Bastei“ und „Brand/Hohnstein“ Maßstab 1:10.000

Unsere heutige Wanderung beginnt direkt in Rathewalde. Zunächst müssen wir ein Stück Straße laufen (Zum Amselgrund -> Teichtstraße), am letzten Haus des Ortes wechseln wir dann aber auf einen kurzen Weg übers Feld, um sogleich in den Wald zu kommen. Unmittelbar stehen wir nun an der Nationalparksgrenze und gelangen zunächst in den Brückengrund. Wir wollen über Adlers Loch und den Nassen Grund hinunter  zum Amselgrund. Beide Wege liegen in der Kernzone des Nationalparks, was uns darauf hinweisen soll, dass man hier nicht wandern soll. Wenn man aber an einem Samstag einen anderen Weg aus Rathewalde in Richtung Rathen sucht, der nicht von Touristenmassen überfüllt wird, kann man lange suchen.

Die Schilderung der heutigen Wanderung soll nicht zur Nachahmung anregen, die Veröffentlichung gilt der reinen Information. Wer sich in der Natur allerdings leise, vorsichtig und zurückhaltend verhält, wird sich nicht vorwerfen lassen müssen, etwas zerstört oder gestört zu haben. Und wer sich Natur im eigentlichen Sinne verspricht, der muss manchmal abseits der Touristenwege laufen.

Also machen wir uns auf und wandern durch das ruhige, wilde und verträumte Adlers Loch, das die Unwetter des vergangenen Jahres auch nicht ohne Schaden überstanden hat. Zunächst liegt am Anfang des Weges ein Baum im Weg, der schnell überwunden ist. Es geht zuerst durch einen breiten Grund flach hinab und durch eine kleine Geröllwüste. Der alte Weg ist aber noch gut zu erkennen, auch wenn Teile weggebrochen sind, Bäume entwurzelt darnieder liegen und alte Befestigungen unterspült wurden. Ein kleiner Wasserlauf begleitet uns den ganzen Weg und muss zunächst überquert werden. Die Felsen treten nun näher zusammen und es geht deutlich steiler bergab. Von links und rechts sind einige schmale Baumstämme in den Grund gerutscht, unter denen man hinwegschlüpfen muss. Die Sonne lässt den Grund in einem wilden Grünton erstrahlen. Von links folgt sogleich ein weiterer kleiner Bach, der sich zu unserem gesellt. Nun wird es immer wilder, steiniger und auch noch steiler. Erste, in den Stein gehauene Stufen zeugen von einer nicht unbeträchtlichen Historie. Neben uns plätschert es und es bilden sich Myriaden von kleinen Wasserstauungen. Die steilsten Stellen werden durch Stufen überwunden und fast urplötzlich hat man den Abzweig in den Nassen Grund erreicht.

Oberer Teil Adlers Loch

Mittendrin eine grüne Oase

In den Stein gehauene Stufen zeugen von einer regen Nutzung in der Vergangenheit

Der Nasse Grund führt nun ganz gemächlich bergab. Von links kommt der Dürre Bach hinzu, von einem wirklich großen Wasserlauf ist aber momentan nicht zu sprechen. Wir laufen nun immer rechts vom Bach und schauen in die zwei mächtige Seitenschlüchte, die von rechts etliches Geröll herunter gebracht haben. Nach wenigen Minuten steht man schon am Ausgang des Grundes und muss sich noch am verhauenen Zugang vorbeibewegen. Zwei schöne, alte und leider „eigentlich“ nicht mehr zugängliche Wege liegen hinter uns.

Ein weiterer Abstieg aus Rathewalde, der aber auch in der Kernzone liegt, ist auch nicht zu vergessen: der Rathensteig, der ebenfalls in dieser Ecke endet. Auch dieser Steig ist vorhanden (Dazu die alte Karte Sächsische Schweiz – Basteigebiet 1:25.000 aus dem Jahre 1960, die für die gesamte Wanderung ebenfalls von nutzen ist und antiquarisch auch noch erhältlich ist. Einen Neuabruck gibt es zudem im Buch „Heimat- und Naturgeschichte der Sächsischen Schweiz, Band 2“ von Axel Mothes).

Finsterer Nasser Grund am Anfang …

… im Mittelteil hingegen scheint die Sonne in diesen wunderschönen Grund

Doch der Zugang von unten ist leider versperrt

Weiter führt uns die Wanderung auf dem Pionierweg bergan. In einigen Windungen schlängelt sich der Weg zunächst um das Dachsenhälterreservat und dann um das Lange Horn. Gleich nach dem Langen Horn zweigt nun rechts ein Weg in das Buttermilchloch hinab. Das Buttermilchloch ist ein beschaulicher, in Teilen sehr feuchter Weg. So ziemlich in der Mitte des ersten Abschnittes liegen einige Bäume direkt im Wegverlauf, die man aber relativ einfach umgehen kann. Der Weg teilt sich sogleich, wir bleiben links und gelangen in ein weites Tal mit einer großen Wegkreuzung. Links führt das Försterloch hinauf zum Ziegenrücken, gerade aus führt ein Weg in den Grund hinein und am Hang beginnt ein Weg, in den wir nun auch einzweigen.

Durch das Buttermilchloch führt ein winziger, einsamer Pfad – hier sollte man stehen bleiben, warten, sich umschauen und genießen

Das Buttermilchloch teilt sich vor der großen Wegkreuzung in zwei Wege auf

An der großen Wegkreuzung führt das Försterloch zum Ziegenrücken hinauf

Hier beginnt der Scheibenweg, der sich in vielen Kehren am Fuße des Ziegenrückens entlang in Richtung des Parkplatzes am Füllhölzweg bewegt. War das Buttermilchloch zuvor schon imposant, kann man es diesem Weg auch nicht wirklich absprechen. Rechts des Weges geht es steil hinab, der Blick in den Grund ist wirklich ausgezeichnet. Wenn man nach einer geraumen Zeit dann den Füllhölzweg erreicht hat und wieder auf die vielen Wanderer trifft, fühlt man sich so, als käme man aus einer vergangenen Zeit. Scheibenweg und Buttermilchloch liegen ebenfalls in der Kernzone des Nationalparks, auch wenn kein Schild darauf hinweist.

Hier beginnt der Scheibenweg, der …

… immer nah am Abgrund entlang führt

Als nächstes muss es dann auch mal auf einen schönen Aussichtspunkt gehen. Den Carolastein, der gleich in der Nähe liegt, haben wir uns dafür ausgesucht. Dazu muss man ein Stück auf der Ziegenrückenstraße laufen und dann links abzweigen. Den richtigen Zugang zum Stein haben wir nicht gefunden, sind dann aber über eine Pfadspur doch ganz gut auf den Stein gekommen. Oben gibt es auch wieder ein paar alte Stufen zu entdecken und zwei schöne Aussichten in Richtung Westen und Osten. Wieder zurück auf der Ziegenrückenstraße geht es nun ein Stück in Richtung Waltersdorf, bis uns links der Abzweig „Mühlberg“ hinab ins Polenztal bringt. Weiter geht es in Richtung Waltersdorfer Mühle, über die alte Brücke aus dem Jahre 1896 und auf der anderen Seite den Schulzengrund hinauf. Der Felssturz in diesem Jahr ist hier nicht zu übersehen, obgleich eine Rentnergruppe ihn an der völlig falschen Stelle vermutet. Die Wandermassen, die nun den Schulzengrund hinabsteigen, sind wirklich unbeschreiblich. An Wandern ist hier nicht mehr zu denken, eher an Ausweichen, Platz machen und zu starkes Parfum.

Alte Stufen auf dem Carolastein

Wunderbare Aussichten ins Polenztal …

… und zum Gamrig mit dem Rauenstein im Hintergrund

Der Schulzengrund würde uns zum Brand hochführen, wir zweigen aber lieber in den Weg der Schlaglöcher ab

Um etwas ruhiger weiterzuwandern, zweigen wir nun in den Schlaglöcherweg ab. Hier ist der Untergrund meist sehr feucht, doch der Pfad bewegt sich eigentlich immer so, dass man richtig gut wandern kann. Der Weg ist auch nicht wirklich schwer, er steigt nur mäßig an, aber man muss schon aufpassen, dass man sich nicht verläuft. Auch wir sind einmal den falschen Abzweig gelaufen und dann steht man plötzlich in einem Felskessel, wo es nicht mehr rauszugehen scheint. Doch man sollte sich auf das gute Wegegespür verlassen und immer den Weg gehen, der am einfachsten zu bewältigen ist. Es gibt aber auch einige Abzweige, die zu weiteren Zielen führen, beispielsweise ist eine Querverbindung zum Glatten-Stein-Weg möglich. Wenn man den Weg immer richtig begeht, dann kommt man, nachdem man an einer Art Grotte vorbei ist, schlussendlich in einen großen Felskessel, an dessen Ende ein abschüssiger Pfad hinausführt. Der letzte Teil des Weges ist dann auch als Kletterzugang markiert. Auf der Brandstraße angelangt, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Brandbaude und laufen dann wieder die bei Kurzausflüglern beliebte Brandstraße Richtung Hohnstein.

Im ersten Teil der Schlaglöcher

Wenn es unten mal zu feucht wird, kann man das schnell auf einer alternativen Pfadspur umgehen

Der richtige Weg ist immer daran zu erkennen, dass eigentlich nie etwas Größeres im Weg liegt

Das letzte Stück …

… bevor man plötzlich in einem großen Felskessel steht

Am Ende des Kessels führt ein Weg zur Brandstraße hinauf

Entspannung an der Brandbaude mit einem kühlen Rechenberger

Christian Helfricht

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  1. Anonymous
    5. August 2011 um 8:02 pm

    Hallo aus Berlin.Ein sehr schöner wanderbericht mit schönen Fotos.Endlich mal ein Bericht der sehr interessant ist und nicht so langweilig wie die anderen.Immer wenn ich beim wandern bin versuch ich solche Wege mit alten Stufen zu entdecken zb den alten Fremdenweg vom Winterberg zum Prebichtor leider gab es im Frühling ärger mit den Grenzern aber wir sind trotzdem angekommen-Dann weiter so und alles ins Netz stellen.viele Grüße aus Berlin

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