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Da waren wir schon enttäuscht – Wildpark Geising

Am Pfingstsonntag waren wir im Wildpark Osterzgebirge, besser gesagt im Wildpark Geising/Hartmannmühle. Das Wetter war recht angenehm, nicht zu warm, kein Regen und so haben wir uns auch schon richtig drauf gefreut. Doch was erlebte man dann so schönes, als man da aufkreuzte: Pfingstfest wird gefeiert. Schön und gut, „buntes Markttreiben“ nannte man das dann von Wildpark-Seite, na man soll ja mal nicht zu früh meckern …

Nichts groß anzumerken ist zu den Tiergehegen. Manche (bsw. Wildschweingehege) waren arg lieblos, das haben wir schon besser gesehen, aber die Tiere waren dafür nach unseren Maßstäben recht gut versorgt, auch was die artgerechte Haltung angeht (soweit man in Gefangenschaft überhaupt davon reden kann). Und das ist ja auch das wichtigste.

Was gab es nun Spezielles beim Pfingstfest? Zunächst gab es zum Pfingtsfest keinen ermäßigten Eintritt, das war schon grundsätzlich fragwürdig. Die Erklärung von der unfreundlichen Dame am Eingang war, dass heute Pfingstfest gefeiert werde. Basta. Und irgendeine Kapelle spiele … (wovon man aber nichts hatte, weil die erst irgendwann Nachmittag auftauchen sollte) Hmm, nun würde man sich ein Pfingstfest in einem Wildpark ja so wünschen, dass es etwas mit den Tieren zu tun hat … wenigstens irgendetwas – aber leider Fehlanzeige. Ein Hüpfburg für Kinder (vollkommen ok!), Strickwaren, Holzzeug für den Haushalt, ein Stand mit alkoholischen Getränken (bsw. Liköre aus der Region) und besonders interessant: ein Stand mit Handtaschen billigster Fertigung mit einem Verkäufer, der sich in seinem Kleintransporter verschanzte. Oder das Essensangebot: deftig, fleischig und vor allem Bier. Nichts für Vegetarier (ach ja, Pommes), kein Fleisch aus Bio-Erzeugung. Auch die Verkäufer wirkten wie von einem schlechten Wochenmarkt importiert.

Wie wäre es denn mit einem Stand zum Tierschutz? Oder gesonderte Führungen durch den Wildpark mit Zusatzinformationen? Wir fühlten uns wie auf einem uninspirtierten Dorffest im letzten Winkel der Zivilisation.

Wenn man aber bei den Rahmenbedingungen weitermacht, kommt einem das Grauen. Zunächst stimmen Informationen der Website nicht mit den Verhältnissen vor Ort überein (ich nenne mal nur den Übersichtsplan mit den Tierarten). Zudem ist der Plan, den man vor Ort bekommt, unnütz. Er wird der wirklichen Lage keinesfalls gerecht. Schautaufeln sind veraltet und enthalten zum Teil viel zu wenige Informationen. Ab und an wurde einfach mal etwas aus einer Zeitschrift ausgeschnitten … toll! Allgemein wirkte alles etwas lieblos, veraltet und nicht zu Ende gedacht. Das haben wir schon in etlichen Zoos und Wildparks deutlich besser gesehen.

Sollte man also sagen: Liebe Familien, fahrt mit euren Kindern in den Wildpark in Geising!? Man würde wohl eher abraten und andere Empfehlungen aussprechen. Den Tierpark in Görlitz beispielsweise können wir nur dringend empfehlen, auch den kleinen Abstecher ins Naturkundemuseum! Tierpark und Naturkundemuseum Görlitz Unbedingt zu empfehlen ist auch das Wildgehege in Moritzburg. Hier sieht man auch, was man besser machen kann (auch hier seien nur mal die Wildschweine erwähnt).

Christian Helfricht

Noch ein paar Impressionen von den Wildpark-Tieren:

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  1. 23. Juni 2011 um 9:53 am

    Die kurze Anmerkung am Anfang: den Wildpark zu Moritzburg kann ich auch uneingeschränkt empfehlen, gerade Kinder haben hier immer wieder Spaß.
    Die längere Anmerkung jetzt: im Geisinger Wildpark war ich vor sehr langer Zeit, da war der Park offiziell noch im Aufbau, da hat man das eine oder andere Provisorium noch in Kauf genommen. Leider scheint sich bis heute daran nichts wirklich geändert zu haben. Womit wir zum Grundproblem solcher Einrichtungen in der Provinz kommen: der Bau und die Einrichtung solcher „Attraktionen“ ist für die Gemeinden in der Regel problemlos möglich, denn dafür gibt es immer Fördermittel aus diversen Töpfen. Kaum einer bedenkt dann aber, dass auch für den laufenden Betrieb etliches Geld vonnöten ist. Denn gewinnbringend lässt sich so etwas einfach nicht betreiben, wer als Stadt- oder Gemeinderat dieser Illusion anhängt, ist einfach ein hoffnungsloser Fantast. Also geht es über die Jahre, wie es gehen muss: die Anlagen hängen am finanziellen Tropf der Gemeinden, welche wiederum nicht willens sind, da richtig Geld rein zu stecken. Ergo verlottert alles ein wenig, veraltet, kommt vom Niveau her immer weiter runter. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie etwa den Moritzburger Wildpark, der aber eben von Dresden aus in kurzer Zeit zu erreichen ist und obendrein durch die vielen Tagestouristen in Moritzburg noch säckeweise Besucher bekommt. In Geising dagegen ist man weit weg vom Schuss, da kommt niemand einfach mal so vorbei.
    Ich kenne selbst noch einige Beispiele aus dieser Ecke. Da gibt es beispielsweise mehrere Erlebnispfade bei Grillenburg im Tharandter Wald: anfangs ganz toll, sind sie in den letzten Jahren immer mehr verlottert, wurden kürzlich notdürftig instand gesetzt, sind aber trotzdem nur mehr ein Abklatsch ihrer ursprünglichen Idee. Oder Ammelsdorf im Osterzgebirge: da gab es mal einen „Trimm-dich-Pfad“. Mit viel Aufwand gebaut, später fehlte das Geld für den Erhalt, heute kann man noch Rudimente davon bewundern.
    Kurz und gut: solche vermeintlichen Touristenattraktionen werden oft sehr kurzsichtig geschaffen, ohne dass irgendwer daran denkt, wie man sie über die Jahre erhalten kann. Und dann wirkt eben alles früher oder später heruntergekommen. Und für die Pflege eines gescheiten Webauftritts fehlt erstens immer das Geld, und zweitens bei vielen Verantwortlichen auch das Einsehen, wie wichtig das Web eigentlich ist. Internetauftritte sind hier oft nur leidige Anhängsel, für die man so wenig Geld wie möglich ausgibt. Das Ergebnis habt ihr ja gespürt.

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