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Grenzlandwanderung in der Hinteren Sächsischen Schweiz

Kirnitzschtal Neumannmühle – Großer Zschand – Zeughaus- Großer Zschandweg – Grenzübergang Großer Zschand – Abzweig Stimmersdorfer Weg – Roßmaulwiese – Stimmerdorfer Weg – Abzweig unmarkiert Richtung Reingrund – Großer Ziegengrund – Altarstein – Brückengrundweg – Bergpfad Lindengründel (Luchsstein) – Brückengrund – Kirnitzschtal – Hühnerkropfstufen – Finsterwäldchenweg – Höllstraße – Buchenparkhalle – Hinterhermsdorf Erbgericht

Länge/Höhenmeter: 14,4km/609Hm

Schon vorab: Diese Wanderung entspricht nicht den Geboten der Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz! Bevor man sich also auf irgendwelchen dieser Wege herumtreibt, sollte man wissen, dass sich einige davon in der Kernzone der Sächsischen Schweiz oder der Böhmischen Schweiz befinden und nicht markiert bzw. explizit gesperrt sind. In der Kernzone dürfen aber, laut Nationalpark, nur markierte Wege begangen werden.

Da wir uns aber dafür entschieden haben, diese Gebote nicht zu beachten, begehen wir diese Wege ganz bewusst. Denn selbst im Blickwinkel des Naturschutzes, der für uns immer an erster Stelle steht, ergibt es keinen Sinn, dass man einfachen, interessierten und umweltbewussten Wanderern Wege verwehrt, die offensichtlich in der Natur vorhanden sind. Wir zerstören nichts, wir werfen keinen Müll weg und wir sind leise. Selbst vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist ein Schließungsgebot nicht nachvollziehbar. Unser Nationalpark hat ein deutlich zu kleines geschlossenes Gebiet bzw. Waldgebiet, als das man eine durch den Menschen gestörte Tierwanderung bzw. einen gesonderten Schutz seltener Pflanzenarten dergestalt rechtfertigen könnte, dass man ganze Gebiete absperrt. Zudem ist der Nationalpark Sächsische Schweiz (ebenso NP Böhmische Schweiz) einer der Kategorie 2 (und nicht der Kategorie-1-Totalreservat), bei dem es immer darum geht, einen ausgleichenden Weg zwischen Naturerhalt und kultureller Erschließung zu finden. Beides, so ist es meine Meinung, muss hier zusammen gedacht werden und schließt sich nicht gegenseitig aus.

Dies zum Allgemeinen. Nun ein paar weitere, aktuelle Hinweise zur momentanen Situation: Das Gebiet des Großen Zschand ist im Zuge der Unwetter im letzten Jahr massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Davon ist auch heute noch viel zu sehen. Es gibt noch zahlreiche Wegeschäden, Unterspülungen, Versandungen und Ähnliches. Es ist also immer Vorsicht geboten. Besonders die beiden Seitenarme des Großen Zschand, Richterschlüchte und Weberschlüchte, waren massiv betroffen, können nun aber wieder gut begangen werden. An der Weberschlüchte fehlte momentan das kleine Hinweisschild am Abzweig. Ein Nationalparkwächter teilte mir auf Nachfrage mit, dass es mutwillig zerstört wurde. Er versicherte mir allerdings, dass er sich um eine neue Markierung kümmern werde. Der Stimmersdorfer Steig ist auf böhmischer Seite durch Forstfahrzeuge enorm in Mitleidenschaft gezogen worden, es haben sich tiefe Rillen gebildet, sodass er relativ schlecht begehbar ist. Die gesperrten Wege Großer Ziegengrund, Reingrund, Großer Zschandweg (von Hickelschlüchte bis Roßmaulwiese) und wahrscheinlich auch Kleiner Ziegengrund und Luchsweg, sind in einem exzellenten Zustand.
Im Gebiet Hinterhermsdorf ist der Quasengrundweg gesperrt. Einen ersichtlichen Grund konnte ich nicht ausmachen.

Und noch zwei weitere Neuigkeiten: 1. Am Kuhstall hat es einen gehörigen Felssturz gegeben. Dabei hat sich ein Felsbrocken gelöst und an den Klettergipfel „Zyklopenmauer“ herangelegt… 2. Der gesperrte Wehlgrund soll tatsächlich noch bis in den Juli hinein gesperrt sein. Dies meldet die Sächsische Zeitung in ihrer morgigen Ausgabe.

Zeughaus im Großen Zschand

Unsere Wanderung beginnt also an der Neumannmühle und zieht sich durch den Großen Zschand vorbei am Zeughaus bis zum Abzweig Hickelschlüchte. Da wir aber nicht zur Hickelhöhle hoch wollen, führt unser Weg weiter auf dem Großen Zschandweg. Hier ist schon Gras drüber gewachsen, könnte man sagen. Aber man sieht, dass noch viele Menschen diesen Weg nutzen. Die rechts abzweigende Schwarze Schlüchte, die uns zum gesperrten Adlerloch oder zum Entenpfützenweg führen würde, ist im Anfangsbereich stark versandet und lädt nicht unbedingt zum Wandern ein. Weiter geht es auf dem Zschandweg bis zur Grenze. Ab und an liegen mal Bäume im Weg, die überquert werden müssen, hier und da ist es nach den Regenfällen der vergangenen Tage noch etwas feucht. An der Grenze fühlt man sich wie zwischen den Welten. Unser Blick wendet sich nach rechts und wir sehen den Zugang zum Entenpfützenweg. Steil geht es nach einem kurzen Flachstück an dieser Stelle nach oben. Vorbei an einigen herumliegenden Felsbrocken gehen wir den historisch wertvollen Zschandweg weiter ins Böhmische. Links könnte man steil hinauf zum Beginn des Thorwalder Wände Gratweges gelangen. Rechts zweigt ummäuert der Kieferngrund ab. Und schon stehen wir am Rande der Kernzone der Böhmischen Schweiz.

Im Großen Zschand steht noch gehörig Wasser …

… und dieser schöne Baum.

Links Abzweig Hickelschlüchte, rechts Weiterweg Großer Zschand

Doch hier soll uns der Weiterweg nun verwehrt werden.

Der große Weg ist nun schon etwas zugewachsen. Früher war er eine der wichtigsten Handelstrassen.

Nun stehen wir kurz vor dem Grenzübergang.

An der Grenze mit Blick nach rechts auf den Zugang zum Entenpfützenweg.

Der Grenzübergang hier nochmal von böhmischer Seite aus.

Und da ist er ja auch: Der Zählautomat. Wie viele werden diesen Grenzübergang wohl noch nutzen?

Aber wir zweigen nun links auf den zunächst groß ausgebauten Stimmersdorfer Weg ab. Dieser Weg ist gut daran erkennbar, dass er sich eigentlich im gesamten Verlauf immer in einer Art Senke oder Böschung bewegt. Wer also mal nicht weiter weiß, der sollte sich daran halten. Der Weg wird zunehmend kleiner und zweigt an seiner höchsten Stelle links ab. Es geht wieder hinab durch eine kurze, breite Felsengasse und über viele im Weg liegende Bäume. Nun gibt es aber eine Wegteilung. Links der Stimmersdorfer Weg Richtung Altarstein, rechts ein Weg hinab zum Reingrund. Wir wählen diesen und finden uns in einem wunderschönen, grünen Tal wieder. Der Reingrund mündet auf dem Großen Ziegengrund. Rechts würde es zum Luchsstein gehen, wir gehen allerdings links zum Altarstein, der dann auch in wenigen Minuten erreicht ist. Hier treffen wir nun auch den Stimmerdorfer Weg wieder. (Kleiner Tipp nebenbei: Für die Wegfindung ideal ist eine Karte aus dem Storm Reiseführer „Dresden und die Sächsisch-Böhmische Schweiz“ im Maßstab 1:50.000 aus dem Jahre 1924. Hier findet sich der exakte Wegverlauf der meisten Wege in dem Gebiet. Bei Interesse könnte ich diese Karte auch zugänglich machen.)

Im Anfangsbereich ist der Stimmersdorfer Weg recht breit ausgebaut.

Dann wird der Weg kleiner und führt durch grünbewachsene Felsen hindurch.

Öfters muss man, nachdem man nun wieder hinabsteigt, einige umgefallene Bäume überwinden (hier Blick zurück).

Vom Altarstein gelangen wir über den markierten Wanderweg (Brückengrundweg) ins Lindengründel. Dieser Weg ist als Bergpfad ausgeschildert und führt uns durch ein grünes Tal zunächst Richtung Grenze und Luchsstein. Hier mündet nun der große Ziegengrund ins Lindengründel ein. Wir folgen dem Wegverlauf des Bergpfades an der Grenze entlang und gelangen zum Abzweig in den Kleinen Ziegengrund. Wenn man nun durch den Kleinen Ziegengrund laufen würde, wäre man in gar nicht allzu langer Zeit in Mezni Louka gelandet. Für uns aber heute nicht von Interesse. Wir folgen dem Lindengründel also weiter, kommen am markanten Kletterfels „Gemeinschaftsturm“ vorbei und müssen uns nun über einen relativ unnatürlichen Wegeverlauf steil hinauf zum Pferdehornweg schlagen. Was sich der Nationalpark dabei gedacht hat, darf wirklich mal hinterfragt werden. Über den Brückengrundweg gelangen wir dann an die Kirnitzsch.

Manchmal braucht es die ein oder andere Karte mehr …!

Nun sind wir schon im Lindengründel (hier Blick aus dem großen Ziegengrund).

Der berühmte Luchsstein.

Die Highlights der Wanderung sind nun eigentlich vorbei. Über die beschaulichen Hühnerkropfstufen geht es hinauf zum Finsterwäldchenweg und weiter über die Höllstraße nach Hinterhermsdorf. Eine angenehme, manchmal spannende und teils auch anstrengende Wanderung geht nun zu Ende. Für die Runde sollte man in etwa 5 Stunden einplanen (plus Pausen).

Links zweigen die Stufen am Hühnerkropf ab (Fotostandpunkt Zollstraße).

Einige historische Stufen führen auf die Ebene „Das finstere Wäldgen'“

Hinterhermsdorf

Christian Helfricht

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  1. 7. April 2011 um 7:09 pm

    Wie immer schon beschrieben und tolle Bilder. Danke sehr!

    PS: unter diesem Kommentar steht
    [ ] Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren per E-Mail senden.
    [ ] Informiere mich über neue Beiträge per E-Mail.
    … ist das nicht das gleiche?

    • 7. April 2011 um 8:00 pm

      Eigentlich schon. Aber ändern kann ich das leider irgendwie nicht.

      Viele Grüße

  2. 7. April 2011 um 7:09 pm

    ups, ich meinte schön beschrieben…

  3. 11. Oktober 2011 um 10:52 pm

    Super beschrieben-beim nächsten mal wird er gleich geteste.vieleicht wird mal die ganze Sächsische Schweiz Kernzone,dann braucht man wie zu DDR-Zeiten für bestimmte Gebiete einen Passierschein.Vielleicht tragen dann die Ranger auch Schußwaffen.!!!!!!!!

    • 12. Oktober 2011 um 6:37 am

      Sag nicht sowas …
      Hier wird ja auch mitgelesen. Die nehmen das sonst noch als Aufforderung 😉

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