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Einsame Wege im Wehlener Gründegebiet

Stadt Wehlen – (Wehlener Grund – Abrahamsgrund) – Steinrückenweg – Grögers Gut – Das Treppchen – Zscherregrund – Uttewalder Grund – Kluftsteig – Müllersteig – Kohlgrund – Namenloser Pfad kurz unterhalb Kohligtweg – Kohligtweg – Steinerner Tisch – Fremdenweg – Gansweg – Kletterzugang Große Gans – Kletterzugang Kleine Gans – Gansweg – Fremdenweg – Steinerner Tisch – Steinrückenweg – Weg „Auf dem Hahn“ – Hahnstufen / Zscherregrundquerung – Zscherregrund – Wehlener Grund – Teufelsgrund – Teufelskammer – Buschholzstraße – Stadt Wehlen

Karte: Böhm-Karte „Die Bastei“ 1:10.00
Anfahrt: S-Bahn aus Dresden Bahnhof Wehlen, mit der Fähre nach Stadt Wehlen übersetzen
Länge/Höhenmeter: 16km/595Hm

Für alle, die sich wie wir gern abseits ausgetretener Wanderpfade bewegen, haben wir nun ein besonderes Schmankerl. Unser letzte Runde in der Sächsischen Schweiz war eine der schönsten Wanderungen, die wir je durchgeführt haben. Und das ist wirklich nicht untertrieben. Wir bewegen uns im historisch wertvollen und äußerst interessanten Wehlener Gründegebiet, meiner persönlichen Lieblingsecke im Elbsandsteingebirge. Und an dieser Wanderung habe ich wirklich lange gefeilt, etliche Stiegenbücher- und Wanderführer durchgeschaut, Wanderkarten gesichtet, Kletterzugänge auf Begehbarkeit geprüft, im Internet gestöbert, usw. Rausgekommen ist eine Tour von circa 5 Stunden (ohne Pausen), die auch ein wenig anstrengend ist, weil es ständig auf und ab geht, aber wirklich jedem empfohlen ist, der die alten, schon in Vergessenheit gekommenen Pfade schätzt. Und wir haben bei weitem noch nicht das gesamte Pensum an Möglichkeiten in dem Gebiet ausgeschöpft. Auf uns warten noch der Broschegrund, der Brückwaldsteig, der Aufstieg hoch zu den Hinteren Haaren, Borntelle/Tiefer Grund, Diebskeller, und viele kleine Wege mehr. Mein Dank gilt wieder mal vor allem Axel Mothes für seine Stiegen- und Bergpfadebücher, die uns die Wege erst bekannt gemacht haben und natürlich Rolf Böhm, ohne dessen Detailkarten man wohl völlig den Überblick verlieren würde. Für diese Wanderung ist besonders die Böhm-Karte „Die Bastei“ (1:10.000) unbedingt notwendig. Die Wegebezeichnungen orientieren sich hauptsächlich an den Angaben der Böhm-Karte.

Unsere Wanderung beginnt in Wehlen an der Fährstelle. Wir wollen zunächst hinter in den Wehlener Grund und dann den Abrahamsgrund hoch zu Grögers Gut. Leider ist der Wehlener Grund doch noch gesperrt, sodass wir über den Steinrückenweg Grögers Gut erreichen. Zuvor jedoch inspizieren wir noch ein wenig den Wehlener Grund, sehen die enormen Zerstörungen und schauen uns zumindest von unten den Abrahamsgrund an, der gut zugänglich und begehbar erscheint. Ein Wandern durch den Wehlener Grund ist momentan aber noch nicht wieder erwünscht, wird uns freundlich mitgeteilt. So kehren wir um, begehen wie erwähnt den Steinrückenweg, zweigen zu Grögers Gut ab und folgen einem breiten Weg in den Wald.

Gesperrter Wehlener Grund (Allerdings ist nur der erste Teil bis Abzweig Teufelsgrund gesperrt).

Steinrückenweg

Nun kommt eine erste historische Steiganlage – das Treppchen. Der Zugang ist relativ leicht zu finden. Kurz bevor der Waldweg endet, biegt ein kleiner Pfad links ein und führt langsam hinab. Schon stehen wir am Abstieg, doch zuvor bietet sich über einen kurzen Abstecher links ein Blick in den Wehlener Grund. Wir beginnen nun den kurzen Abstieg in den Zscherregrund über das Treppchen. Der kleine Pfad führt zunächst über wenige Kehren mit einzelnen Stufen in ein Felsenrondell und durch eine feuchte Felsgasse hindurch. Hier sind Teile des Weges wohl erst kürzlich weggebrochen. Doch der Weg lässt sich gut begehen und nach einigen Steinstufen steht man schon im Zscherregrund. Schaut man noch mal in das Treppchen hinauf, wirkt das alles sehr beschaulich, ja romantisch.

Blick zurück: über wenige Wegkehren sind wir von oben ins Treppchen eingestiegen.

Der Weg führt hinab in …

… eine kurze Felsengasse.

Das Treppchen vom Zscherregrund aus gesehen.

Am Freundschaftsstein biegen wir rechts in den bekannten Uttewalder Grund. Im gesamten Grund gibt es noch immer massive Schäden nach den Herbst-Unwettern im vergangenen Jahr. Die nächsten historischen Wege aus dem Uttewalder Grund kommen kurz vorm Gasthof Waldidylle. Links über eine gesperrte Brücke würde es auf die Hinteren Haare hoch gehen, vom Uttewalder Grund sind die Treppen schon zu sehen. Genau an der Stelle den Blick nach rechts den Hang hinauf gewendet, würde es über einen kurzen, steilen Steig zum Brückwaldweg hinauf gehen. Für uns sind diese Wege heute nicht eingeplant, aber für später schon vorgemerkt. Nebenbei erwähnt sind diese Wege mittlerweile legal zu begehen, denn wir befinden uns nicht in der Kernzone. Wir wandern weiter, der Grund wird nun enger und es folgt das berühmte Uttewalder Felsentor. Auch hier sind deutliche Zerstörungen sichtbar. Nach dem Felsen wechselt die Stimmung – auf einmal erfüllen Schnee und Eis das Bild. Bis der Kluftsteig, den wir rechts hinauf gehen, abzweigt, ist das Eis aber schon wieder verschwunden.

Plötzlich: Schnee im Uttewalder Grund

Wenn man am Kluftsteig alle Stufen überwunden hat, zweigt rechts ein zunächst unscheinbarer Pfad ab, der im Verlauf zum breiten Waldweg wird. Wir sind nun auf dem Müllersteig gelandet. Dieser verbindet Kluftsteig und Kohlgrund. Dabei queren wir den Brückwaldweg, gehen auf diesem in etwa 100m rechts und zweigen dann über eben jenen Müllersteig in den Kohlgrund hinab. Auch dieser Zugang ist nach kurzer Suche gefunden. Der Müllersteig ist ein sehr angenehmer, kurzer Weg, der viel schöner ist als der markierte und parallel laufende Knotenweg.

Kluftsteig

Müllersteig

Im Kohlgrund angekommen, geht auf der gegenüber liegenden Seite der Holzengrund hinauf zum Steinernen Tisch. Da wir diesen schon kennen, wollen wir eigentlich den Kohligtweg nutzen. Kurz bevor dieser allerdings nach rechts abzweigt, biegt aber noch ein weiterer Pfad auf der rechten Seite ab (nicht auf Böhmkarte eingezeichnet). Dieser ist nicht zu übersehen und führt in einem Linksbogen hinauf und endet schließlich auf dem Kohligtweg. Der Kohligtweg ist ein größerer Waldweg, der in einem weiten Halbkreis letztlich auch am Steinernen Tisch endet. Hier ist ein idealer Punkt für eine erste Rast, es ist im Übrigen auch Punkt 12.

Gut zu erkennen: Der alternative Pfad führt in einem Halbkreis zum Kohligtweg. Der Anfang ist ganz gut begehbar, …

… der Pfad wird dann aber immer kleiner (Blick zurück).

An dieser Stelle könnte man die Wanderung nun abkürzen, so man möchte. Wir wollen allerdings noch zu den Aussichten auf der Großen und Kleinen Gans. Über die bekannten Wanderwege (Fremdenweg, Gansweg) sind wir nun an den Abzweig in die Schwedenlöcher gekommen. Gerade aus führt uns ein gut ausgebauter Kletterzugang zur hervorragenden Aussicht auf der Großen Gans (in der Nähe des Kletterfelsens „Höllenhund“). Eine weitere Aussicht führt uns an die Kleine Gans (Pavillonaussicht). Von dieser Aussicht zweigt ein Kletterzugang auf die Kleine Gans ab, von der sich weiterhin noch einige Aussichten bieten (hier besonders ein klassischer Blick auf die Bastei). Nach diesem kurzen Abstecher geht es zurück zum Steinernen Tisch. Wer diese Aussichten nicht mitnehmen und den Touristenströmen auf der Bastei entgehen möchte, der kann an dieser Stelle nun wieder einsteigen (und spart eine Stunde).

Kletterzugang Große Gans

Über ein paar Steinstufen geht es zum luftigen Aussichtspunkt

Wir stehen nun wieder am Steinernen Tisch und wandern auf dem markierten Wanderweg in Richtung Höllengrund. Wir gehen allerdings nicht gerade aus in den Grund, sondern links, den Steinrückenweg, entlang. An der nächsten Möglichkeit biegen wir rechts in einen großen Weg ein, der uns ins Waldgebiet „Auf dem Hahn“ führt. Leicht abfallend führt uns der Weg schnurgerade in Richtung Westen. Kurz vor Wegende biegt links der Weg aus dem Broschegrund ein (ein weiterer noch zu ergründender Weg). Wir bleiben aber auf unserem Weg, der nun aber abrupt endet. Wie weiter? In Mothes Bergpfadebuch II war von einer Zscherregrundquerung die Rede, die es nun auch zu finden gilt. Dies ist schnell geschehen. Ein kurzes Wegstück rechts, und durch relativ jungen Baumbestand führt ein kaum zu erkennender Pfad links hinab. Auch einige Stufen sind im Anfangsbereich zu erkennen. Dies sind also die Hahnstufen, die auch auf der Böhm-Karte eingezeichnet sind. Durch viel Laub geht es relativ steil hinab und über wenige Kehren im unteren Bereich hat man schon den Zscherregrund erreicht.

Weg „Auf dem Hahn“ (gerade aus)

Am Wegesrand dieses komische Gebilde. Was soll das nur sein?

Die Hahnstufen. Zumindest ein Teil davon sieht man gleich am Anfang des Abstiegs in den Zscherregrund.

Abstieg Hahnstufen von oben …

… und von unten (Teil 1 der Zscherregrundquerung)

Da für unsere Wanderung nicht unbedingt erforderlich, habe ich nun allein einen kleinen Abstecher in den anderen Teil der Zscherregrundquerung unternommen. Der kleine Pfad ist eigentlich nicht zu übersehen, denn da wo man gerade herkommt, geht es auf der anderen Seite wieder hoch. Und da erblicke ich eine durchweg grüne, leicht feuchte, wilde Felsengasse, die stetig ansteigend nach oben führt. Immer wieder müssen kleine Hindernisse überwunden oder umgangen werden. Oben kommt man dann auf dem Brückwaldweg heraus. Für mich war dieser Teil der schönste der Wanderung, besonders weil er so extrem verlassen wirkte.

Auf der anderen Seite der Hahnstufen geht es einen kleinen Pfade über wenige Steine nach oben. Der zweite Teil der Zscherregrundquerung!

Ein Durchgang führt nun weiter nach oben. (Hier im Blick zurück). Bald hat man den Brückwaldweg erreicht.

Wieder zurück im Zscherregrund führt uns unsere Wanderung in den oberen Teil des Wehlener Grundes (der obere Teil ist offen) und zweigt dann in den Teufelsgrund ab. Dieser ist zwar noch mit Sperrschild versehen, kann aber gut begangen werden. Allerdings sind deutliche Zerstörungen im Wegverlauf zu beobachten. Durch die Teufelskammer steigen wir hinauf zur Buschholzstraße, die uns wieder zurück zum Ausgangspunkt nach Wehlen bringt.

Anfang vom Teufelsgrund, der zwar noch gesperrt war, aber schon wieder gut zu begehen ist

Teufelskammer

Christian Helfricht

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  1. Jörg Dietrich
    17. Mai 2011 um 1:25 pm

    Hallo,
    also diese Wanderung ist einfach fantastisch. Mehr muß man dazu nicht sagen. Danke für den Tipp.Schade eigentlich nur, dass viele dieser einsamen Weg in Vergessenheit geraten. Andererseits ist es auch schön, mal abseits der großen Touristenstrecken zu wandern. Also nochmal vielen Dank und ich bin schon gespannt auf die anderen Wandertipps.

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