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Nachspiel in Dresden: Staatsanwaltschaft will friedliche Blockierer verklagen

Wegen angeblichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz hat die Sitzblockade-Aktion friedlicher Gegendemonstranten offenbar ein juristisches Nachspiel. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, werde gegen 70 Personen ein Verfahren eingeleitet. Darunter befinden sich auch einige Abgeordnete demokratischer Parteien, die sich an der Sitzblockade-Aktion auf der Fritz-Löffler-Straße beteiligt hatten, welche ausschlaggebend dafür gesorgt hatte, dass den wartenden Nazis am Hauptbahnhof kein Marsch gewährt werden konnte.

Die SPD setzt sich indes laut Pressemitteilung für eine Sondersitzung des Innenausschusses des Sächsischen Landtags ein. Das sei angesichts zahlreicher verletzter Polizisten, dem Einsatz von Wasserwerfern und der Stürmung eines Parteibüros in jedem Fall erforderlich. Gleichzeitig übte die Partei Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung, die erst wenige Stunden vorher Aufmarschrouten der Neonazis bekannt gab. Zudem seien Anwohner vollkommen allein gelassen worden. Die Dresdner SPD-Vorsitzende Sabine Friedel äußerte, dass „[d]ie Geheimniskrämerei der Dresdner Verwaltung […] vielerorts Chaos verursacht [hat], das vermeidbar gewesen wäre.“

In vielen Äußerungen war zudem zu hören, dass gerade das wirre Konzept der Stadt, des Verwaltungsgerichts und der Polizei ein Eskalieren der Lage befördert hätte. Wenn man Gegendemonstranten ans andere Ende der Stadt befördern wolle, könne man sich nicht über wütende Reaktionen wundern. Zugleich gab es Kritik daran, dass es kein einheitliches Konzept der Stadt gegeben habe, wie es eine Woche zuvor mit der Menschenkette der Fall gewesen sei. Es gab auch deutliche Stimmen, die sich für ein neues NPD-Verbotsverfahren einsetzten.

Gleichfalls äußerte der Sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) Unverständnis für Gewaltausschreitung von Autonomen, aber eine willkommene Haltung friedlichen Demonstranten gegenüber. Damit widerspricht er aber der Realität: Viele friedliche Gegendemonstranten waren mit Bussen aus allen Teilen der Republik angereist und wurden an der Einreise in Dresden gehindert. Schon auf den Autobahnen außerhalb der Stadt mussten sie aussteigen und etliche Kilometer bis in die Innenstadt laufen. In einer von Emotionen aufgeladenen Debatte, versteht ein Großteil der Dresdner Bürger nicht, warum man Gegendemonstranten das Demonstrationsrecht untersagt, Nazis aber an mehreren Punkten in der Stadt ihre kruden Thesen verbreiten lässt. In diesem Zusammenhang gibt es auch Kritik am Nichteinschreiten der Polizei, als Neonazis im Stadtteil Löbtau das alternative Wohnprojekt „Praxis“ angriffen.

Dazu Spiegel-Video

Christian Helfricht

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