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Jürgen Stein muss gehen – Wechsel an der Spitze des Nationalparks Sächsische Schweiz

Am 25.11.2010 wurde ein wirklich einschneidender Wechsel an der Spitze des Nationalparks Sächsische Schweiz bekannt gegeben: Jürgen Stein, seit circa 20 Jahren Leiter der Nationalparkverwaltung, verliert seinen Posten und übernimmt die Führung des „Amtes für Großschutzgebiete“ im Staatsbetrieb Sachsenforst. Formal, so wird kolportiert, sei dies sogar eine Aufwertung, faktisch wird Jürgen Stein aber sein Lebenswerk genommen.

Zwar dankte der sächsische Umweltminister, Frank Kupfer, Stein für seine maßgebliche Beteiligung „an der Gründung des Nationalparks im September 1990“, gleichwohl für die gute Zusammenarbeit mit der böhmischen Seite und die Darstellung des Nationalparks im In- und Ausland, doch steckt in der Umbesetzung erheblicher Zündstoff. Medienberichten zufolge herrscht in der Nationalparkverwaltung momentan Kopflosigkeit. Offenbar kam die Abberufung ohne jegliche Vorwarnung. Die Sächsische Zeitung schreibt in ihrer Wochenendausgabe, Stein habe sich erst kürzlich mit der Zeitung über Zukunftspläne ausgetauscht, nun allerdings sei er nicht mehr zu erreichen.

Was die Gründe für die Abberufung waren, darüber kann momentan nur spekuliert werden. Seit langer Zeit gibt es harsche Kritik am Nationalparkchef, insbesondere nach dem Hochwasser der Kirnitzsch entflammte eine neue Debatte um die Nationalparkverwaltung, die von vielen als nicht mehr zeitgemäß und heillos zerstritten eingestuft wird. Auch die Außendarstellung wurde zunehmend schlechter, was im Streit zwischen Stein und Wanderkartenherausgeber Rolf Böhm seinen Höhepunkt fand. Die bis heute nicht beigelegte Debatte führte zum einen zu einer Solidarisierung mit Böhm, zum anderen zu einer Diskussion um den Status des Nationalparks und zu einer neuerlichen Debatte um ein Wegekonzept für die umstrittene Kernzone im Hinteren Teil der Sächsischen Schweiz. Hier zeigte sich Jürgen Stein oft als debattenscheuer Betonkopf, der sich in seiner Regentschaft immer mehr von den Interessen der Wanderer entfremdete.

Insofern bricht für den Nationalpark eine neue Zeit an. Der Nachfolger im Amt, Dietrich Butter, bisheriger Leiter des Forstbezirkes Neustadt, übernimmt keinen leichten Job. Viele Fragen sind in den letzten Jahren unbeantwortet liegen geblieben und müssen nun angegangen werden. Die Verwaltung des Nationalparks muss erklären, welcher Status ihr heute beigemessen werden muss und welche Daseinsberechtigung der Nationalpark überhaupt hat, wie sie sich im Austausch mit Anwohnern und Unternehmern, aber auch Naturschützern, Wanderern und Bergsteigern, ein neues Konzept des Zusammenlebens und Erlebens des Nationalparks vorstellt und wie sie historisch gewachsene, kulturelle Interessen mit Fragen der Biodiversität der Region zusammenbringt.

Christian Helfricht

Nachtrag 29.11.2010: Die Debatte wird fortgeführt. In der heutigen Ausgabe der Sächsischen Zeitung (Lokalausgabe Pirna) erscheint ein Leserbrief zum Thema (Tenor: Nationalpark darf kein Totalreservat werden) und ein kurzes Statement von Axel Mothes zu den frevelhaften Umbauarbeiten am Gohrisch.

Nachtrag 01.12.2010: Laut Sächsischer Zeitung (Pirna) von gestern (30.11.2010) ist die SPD-Grüne Kreistagsfraktion im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit der Abberufung von Jürgen Stein nicht einverstanden. Vize-Fraktionschef Claus Krüger (Grüne) sagte der Zeitung, mit dem Rauswurf gehorche die Sächsische Landesregierung „den Forderungen einiger CDU-Bürgermeister und schade dem Naturschutzgedanken.“ Schon mit der Unterordnung des Naturschutzes in den Wirtschaftsbetrieb Sachsenforst habe die Regierung den Nationalpark geschwächt.

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