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Tillich: Haltet den Bürger klein!

Wir Sachsen rühmen uns ja der großen Taten, die wir seit der Wende vollbracht haben. Unsere Städte wurden wieder aufgebaut, unser größter Fluss, die Elbe, wird immer sauberer und wenn wir über Industrieansiedelungen reden, dann können wir aus dem Vollem schöpfen. Das mag sich wohl auch unser werter Ministerpräsident Tillich gedacht haben, als er einen Beitrag für das Magazin Focus geschrieben hat, der am heutigen Montag erscheint. Im Wortlaut scheibt Tillich (laut Vorabmeldung):

„Die Sachsen wollen zu den Spitzenregionen Europas aufschließen. Deshalb gibt es bei uns kein Großprojekt, das erfolgreich durch Klagen gestoppt wurde. Wir haben Kohlekraftwerke gebaut, Straßen und Autobahnen, Braunkohle-Tagebaue erweitert. Das ist in anderen Bundesländern nicht mehr möglich.“ und
„Für den Erfolg bei solchen umstrittenen Vorhaben [gemeint hier Stuttgart21 und die Waldschlösschenbrücke, d.V.] gilt: Die Politik sollte umfassend ein solches Projekt erklären und auf dem einmal eingeschlagenen Weg nicht umkehren“ und
„Vielleicht tun wir uns im Osten nach den harten Erfahrungen mit dem Übergang vom Sozialismus zur Marktwirtschaft leichter, die Konsequenzen des Marktes auszuhalten.“ und
„Die Globalisierung erzeugt […] einen Anpassungsdruck, bei dem auch die Deutschen merken, dass das unter Umständen nicht ohne Verluste vor sich geht. Im Osten haben wir noch nicht diesen Besitzstand erreicht.“

Da ist einer stolz darauf, das Volk kleingehalten zu haben. Da fühlt sich einer wohl in seiner Rolle als Sachverwalter und Wirtschaftslobbyist. Und da äußert einer doch tatsächlich, der Bürger könne zwar klagen, aber eine Chance hat er nicht wirklich, wenn Wirtschaftsinteressen entgegen stehen. Kein Großprojekt wurde durch Klagen gestoppt? Hört, hört. In anderen Bundesländern wäre das nicht möglich? Was meint Tillich damit nur?

Eigentlich äußert Tillich Mißfallen und Abschätzigkeit gegenüber jedem, der sich der Linie der Sächsischen Landesregierung widersetzt. In anderen Ländern gebe es Bürgerproteste, hier bei uns in Sachsen muss man damit aber nicht rechnen. Und wenn doch, dann ist das auch bald wieder vorbei. Und dann dieses alte Drama sich selbst überschätzender Politiker: Wir wissen, liebes Wahlvolk, was zu tun ist. Wenn wir euch alles ganz fein erklären, werdet ihr schon sehen, dass wir recht haben. Windet euch nicht, denn jeder Aufwand geht ins Leere.

Hier entfernt sich einer von denen, für die er eigentlich zur Stelle sein soll. Nicht mal Ministerpräsident Mappus in Stuttgart ist so dumm, dass er den Bürgerprotest komplett ignoriert. Das schafft nur einer, der unser wunderschönes Sachsenländl regiert. Einer, der nicht mal in der Fliegengewichtsklasse der CDU-Führung mitboxen kann und sich mit solch menschenfremden Äußerungen noch weiter ins Abseits bringt. Oder umgekehrt: Tillich, der seine Meinung immer nach dem Fähnchen im Wind richtet, wäre ein idealer Stellverteter Merkels: unbedeutend und charakterlos.

Christian Helfricht

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