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Bischof Mixa – Mann der Vergangenheit

Zum Rüchtrittsgesuch von Bischof Mixa

Die Zeit ist für Bischof Walter Mixa eine Konstante, die nun immer kürzer zu werden schien. Mit der Zeit werden die Vorwürfe wieder abflauen, vergehen wie der windige Geist der Neuzeit, so muss es sich Mixa gedacht, ja eingeredet haben. Doch die Vorwürfe wurden lauter, immer mehr sprachen von Gewaltszenen, jeden Tag neue Zeugen, die von mehr berichteten als einer „Watsch’n“, von der nun auch der Bischof spricht. Dazu Veruntreuung von Kirchengeldern, Vorwürfe aus der Vergangenheit und ein seltener Glaube an die eigene Machtposition.

Alles in allem war das Rücktrittsgesuch, das Walter Mixa an Papst Benedikt XVI. sendete, längst überfällig. Nur ein einziger Vorwurf hätte dafür schon ausgereicht. Nun tritt ja ein Bischof nicht einfach so zurück. Viel mehr ist dies ein noch nie da gewesener Vorgang, den die katholische Kirche nun zu verkraften hat. Das Oberhaupt der katholischen Kirche – der Papst also höchstselbst – muss das Abtreten des Bischofs erlauben, kann also auch anders entscheiden. Natürlich ist nicht zu erwarten, dass Papst Benedikt hier entgegentritt, aber der Vorgang an sich ist eine neue Qualität im Gefüge der Papstkirche.

Aber wie konnte es dazu kommen? Wie muss ein Bischof ticken, der offenbar bewusstseinsgestört und verklärend von einzelnen Hieben faselt, wo die Opfer von Gewaltexzessen sprechen? Anscheinend hat sich in Bischof Mixa eine gefährliche Menge an Eigenwilligkeit und Selbstsucht versammelt. Da ist einer zu sehen, der sich über seine eigenen Predigten hinwegsetzt, als wäre er der zu huldigende Messias, dem man jede Schandtat verzeiht. Da ist einer, der sich gern im Mittelpunkt stehen sieht, dem es wichtig ist mit brachialer, sprachlicher Gewalt Debatten loszutreten (Mütter verkommen angeblich zu Gebärmaschinen), die sich in den Grenzen vergangener Jahrhunderte stellten und heute zuhauf überwunden sind. Und da ist einer, dem viele Konservative in der katholischen Kirche abgöttig zu Füßen lagen und denen er heute Enttäuschung und Entsetzen abverlangt. Einer, der für die katholische Kirche in Deutschland Herz und Hand einsetzte, dem dies aber die Gehirnwindungen vernebelte.

Was bleibt von Mixa ist eine Masse aus Enttäuschten und Erleichterten. Er selbst muss in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, auch wenn er das nie einsehen mag. Zuvor muss er sich aber vor den Opfern verantworten, auch persönlich entschuldigen. Die wahre Seite von Bischof Mixa zeigt sich nun im Nachhinein: Gibt er seine engstirnige, verlogene Haltung niemals auf oder legt er alles offen? Wir werden sehen. Zum Glück aber wird dieser Mann der Vergangenheit nicht mehr entscheidend sein für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland.

Christian Helfricht

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