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Weberschlüchte und Webergrotte

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Unsere letzte Wanderung führte in den wohl schönsten Teil der Sächsischen Schweiz – den Großen Zschand und einen speziellen Seitenarm – die Weberschlüchte. In der Literatur, die mir zur Verfügung steht, findet die Weberschlüchte eine gewichtige Bedeutung, auch wenn sie in neuerer Literatur immer weniger erwähnt wird. Dies ist natürlich gewollt; aber dazu später mehr.

Schon Ferdinand Thal betont im „Wegweiser durch die Sächsische Schweiz“ (1846) die von „üppigen Pflanzenwuchs begrünte Webers Schlüchte, durch welche man über den Jordan nach dem Prebischthor gelang.“ (S.61).
In der Veröffentlichungsreihe „Werte der deutschen Heimat. Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen“ (1959) beschreibt der bekannte Heimatforscher Hermann Lemme die Weberschlüchte als „eine der wildesten Felslandschaften der Sächsischen Schweiz überhaupt.“ (S.185) Lemme weist vor allem auf das durchaus seltene, braungoldene Leuchtmoos hin, dessen Schimmer Teile der Webergrotte bedecke und von dem nur wenige weitere Standorte bekannt seien. (Vgl. ebd.) Gleichzeitig verweist er auf den Brand von 1842 und die dazugehörige Gedenktafel, sowie die für Kletterer interessanten Felstürme Jortanshorn, Weberschluchtkegel und Blaues Horn. (Vgl. S.185,f) Lemme erwähnt auch die bis an die Grenze führende Nebenschlucht des Jortan, die damals noch begangen werden durfte und die erste Erwähnung schon im Jahre 1410 findet. (Vgl. S.186)
Den aktuellsten Bericht zur Weberschlüchte findet man in Axel Mothes‘ Bergpfade-Büchern, hier werden Weg, Markierungen, Kletterzugänge und allerhand Vergessenes wieder neu aufgegriffen und detailgenau aufbereitet.
Wer sich für genaue Beschreibungen der Geologie im Großen Zschand interessiert, reichlich bebildert und mit vielen Schautafeln und Skizzen versehen, sollte einmal, wenn er denn irgendwie heran kommt, den „Geologischen Führer durch das Elbsandsteingebirge“ von Horst Rast (1959) durchsehen.

In unserer winterlichen Begehung (Mitte Januar 2010) war vieles von dem, was in der Literatur zu lesen ist, naturgemäß nicht zu sehen. Doch die Weberschlüchte ist immer ein Erlebnis und besonders die Webergrotte mit ihren bizarren Eisformationen einen Ausflug wert. Menschen trifft man im Winter hier nur wenig an (auch in den anderen Jahreszeiten), mal abgesehen von ein paar Nationalparkrangern, die im Großen Zschand / im Grenzgebiet besonders aktiv sind. Die Weberschlüchte lag als ein weißes Band vor uns, mit den gewaltigen Felswänden Sommerwand und Jortanshorn an beiden Hängen, mit umgestürzten Bäumen und naturbelassenen Arealen auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite zeigt sich, warum die Weberschlüchte immer weniger Erwähnung findet und warum sich besonders bei interessierten Wanderern aus der Region immer mehr Entfremdung und Abneigung zur Nationalparkspolitik regt. (Vgl. bsw. SSI-Heft 25 (2008), S.5,f: Peter Rölke: Distanz und Ablehnung zum Nationalpark bei Heimat- und Wanderfreunden? Von umgesägten Bäumen und anderen „Kleinigkeiten“)
Dazu nur eine kurze Anmerkung: In der Diskussion um viele alte Wege in der Grenzregion des Großen Zschand (genannt seien beispielhaft nur der Entenpfützenweg, der Übergang zum Prebischtor, die etlichen gesperrten Schlüchte zwischen den Thorwalder Wänden und den Partschenhörnern und der gesperrte Grenzweg hin zum Gabrielensteig) darf das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Einem interessanten „Antrag auf Aufhebung der Wegesperrung und Einrichtung eines Bergpfades“ von Dietmar Schubert (Webergrotte.de) hätte mehr Beachtung geschenkt werden müssen. Hier bedarf es einer Bündelung aller Kräfte, um eine erquickliche Lösung zu finden, die beiden Interessen gerecht wird: der empfindlichen, schützenswerten Natur und den Interessen von Wanderern aus der Region, denen es auch um das (Nicht-)Vergessen von etlichen kulturellen Errungenschaften geht.

Ich empfehle eine gemeinsame, naturgerechte Begehung des Gebietes im Frühjahr, um sich über die aktuelle Lage genauer zu informieren und dann über weitere Schritte nachzudenken. Denn hier muss eine Diskussion weiter angeregt werden, insbesondere auch über schädliche Holzfällmaßnahmen um Wege zu sperren u.Ä. Auch wenn vieles unmöglich scheint: der stete Tropfen höhlt den Stein …

Christian Helfricht

Bergpfadmarkierung Weberschlüchte

Unterer Teil der Schlucht

Bergpfad- und Kletterzugangsmarkierung

Zugang zum Jortan (ab der der Hälfte des Weges gesperrt)

Kletterzugang in Richtung Auerhahnsteig (gesperrt/verhauen)

Die Webergrotte

Eine der vielen Eisformationen

Kreuzung: gegenüber Brücknerschlüchte, rechts Weg zur Grenze

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  1. 26. Januar 2010 um 10:26 pm

    Dem Beitrag kann ich nur zustimmen. Die Weberschlucht ist eine der interessantesten und gleichzeitig geheimnsvollsten, die die Sächsische Schweiz zu bieten hat. Nur wenige Wanderer, die auf dem Großen Zschand in Richtung Hickelschlucht unterwegs sind, einen anderen (offiziellen) Ausweg aus dem Zschand gibt es hier nicht mehr, verirren sich auf den Bergpfad zur Webergrotte. Auch wenn die Ausschilderung mittlerweile nicht mehr versteckt an einem Baum verwittert und den Weg offiziell begehen läßt, sondern gut sicht- und lesbar, mit dem freundlichen Hinweis, dass es sich um eine Sackgasse, am Eingang der Schlucht angebracht ist. Vielleicht zur Abschreckung unkundiger Wanderer, dass jene nicht auf Erkundungstour gehen und mit Erstaunen feststellen, dass die „Sackgasse“ nicht geologisch, sondern administrativ bedingt ist und es früher einen „Ausgang“ aus der Sackgasse gegeben haben muss.
    Es bleibt zu hoffen, dass sich irgendwann die Erkenntnis durchsetzt, dass ein Kompromiss zwischen den Interessen naturverbundenen Wanderern, Naturschutz und den Nationalparkverwaltungen der Böhmischen und Sächsischen Schweiz die besten Lösung ist und sich ein historisches Wegenetz nicht einfach per Beschluss ins Vergessen drängen läßt.

    Viele Grüße
    Dietmar Schubert

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