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Die Wege des Siggi Pop

Draußen wird es Herbst, Blätter und Kastanien auf den Straßen, Regen und frischer Wind, und drinnen, in den Hinterzimmern, wird geredet, geflüstert. Der politische Herbst soll für die SPD wie ein neuer Frühling werden, doch wo sind die zarten, jungen Sprosse, die sich den Weg an die Spitze bahnen?

Sigmar Gabriel ist kein kleines Sprösslein, sondern ein dicker Baumstamm. Für die aufkeimende Flora SPD ist er wie die Sense für den Rasen. Gabriel ist die wilde Rampensau, machtverliebt und machtbesessen. Er gilt als großer Animateur, als einer, den man politisch nicht so richtig einordnen kann. Zählt er nun zu den Linken in der SPD (gewiss nicht) oder doch zu den Seeheimern? Und war er nicht mal der große Netzwerker? Manche werfen ihm Wankelmütigkeit vor, andere Starrstinn.

Sigmar Gabriel, Ex-Landeschef von Niedersachsen und Ex-Beauftragter für Popkultur (daher „Siggi Pop“), ist der Richtige für die SPD. Er hat den Machtwillen, er ist rhetorisch gewandt, er ist noch nicht so alt und hat sich in das, was er bisher anpackte, immer gut eingearbeitet. Er kann Arbeiter und Angestellte, aber auch Grüne und Konservative ansprechen, er hat sich als Umweltminister im schwarz-roten Kabinett Ansehen erworben und gilt als Streiter gegen die Atomkraft. Er ist Teil der SPD-Führungsmannschaft, doch das ist gleichzeitig sein Problem.

Die SPD kann einen Neuanfang nur dann schaffen, wenn es mit neuem Personal und einer klaren Strategie in die Zukunft geht. Gabriel steht dafür nicht, denn auch er ist Schröderiander, wie Steinmeier und die anderen. Gabriel als neuer Parteivorsitzender kann den Weg zu neuen Mehrheiten, zur Revitalisierung der SPD nicht schaffen, so sehr man ihm es auch wünschen würde. Zusammen mit Andrea Nahles als Generalsekräterin – wie soll das nur gehen? Die beiden sollen in den letzten Jahr nur wenige Wort miteinander gewechselt haben. Gabriel gilt nicht als Integrationskraft, eher als klarer Rhetorikbolzen, der den Weg vorgibt.

Doch die Partei braucht zunächst Diskussionen. So sehr die Politik der Agenda 2010 richtig war, so wenig haben die Wähler die SPD dafür geschätzt. Die SPD muss klar sagen, wie es weitergeht. Sie kann sich nicht mit einer neuen Führungsgestalt über Programmfragen hinwegsetzen. Wenn sie das anstrebt, wird sie in wenigen Jahren nicht mehr existieren.

Also, Gabriel ist ein guter Politiker, der authentisch wirkt. Sollte er wirklich Parteichef werden, muss man ihm wünschen, dass es die SPD irgenwie schafft. Allerdings steht er nicht für den Kurswechsel, den die SPD unbedingt benötigt.

Der Glasperlenspieler

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 1. Oktober 2009 um 12:53 pm

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