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Flieder, der schon immer blühte

Ein Teil meiner frühen Jugend spielte sich in den Wäldern rund um Pillnitz ab. Damals war das für mich alles noch ein einziger großer Wald, dessen Ende für mich nie zu finden war, doch heute ist es ein kleines Stück grüner Flora geworden, das zu besuchen von großer Wehmut umschlossen ist. Es ist der Wald, von dem mir früher die gruseligsten Geschichten erzählt wurden, von Gestalten die ihr Unwesen trieben und von verlassenen Gründen und Schluchten, wo schon viele verschollen sind.

Es ist, streift man die Ausläufer, ein Wald, an dessen Pillnitzer Hängen heute der Bio-Wein wächst und die frühen Orte der Kindheit liegen. An bekannten Plätzen sieht man die Freunde vergangener Zeiten stehen und hat deren Gesichter von vor zehn Jahren im Sinn. Eine Zeit, die stillzustehen scheint, wenn man heute durch die Stätten von damals wandert. Da ist diese Wiese, die an einem regnerischen Tage fast zur Verdammnis wurde; da ist die Einfahrt zum alten Anwesen, an deren Steinschlag man zum ersten Mal mit dem Fahrrad fiel. Dort stand einmal die Feuerwehr, der Reiterhof, da war die Kiesgrube, deren Strand so viele Stunden raubte, das Haus des besten Freundes, …

Es gibt Plätze, da kennst du jedes noch so kleine Löchlein in der Straße, die alten Nachbarn zumal und bunte Blumen mit Käfern und Spinnen zwischen Grashalmen, die schon Namen haben. Der Flieder, der schon immer blühte.

Der Glasperlenspieler

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