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Über den Wolken …

Horst Köhler, der Mann dem die treuen Deutschen so gerne vertrauen, kann ein Lied davon singen, was es bedeutet staatstragend aufzutreten, vom neuem Verständnis des Kapitalismus zu reden und trotzdem nur zu palavern. Man hat schon seine besondere Betonung im Ohr, die immer darauf bedacht ist so authentisch wie nur möglich zu wirken und mithin das Interesse auf die Probleme des Landes zu legen. Seht her, ich bin ein Teil von euch. Nicht umsonst beginnt seine alljährliche Berliner Rede diesmal mit einer so genannten Geschichte des Scheiterns:

„Viele, die sich auskannten, warnten vor dem wachsenden Risiko einer Systemkrise. Doch in den Hauptstädten der Industriestaaten wurden die Warnungen nicht aufgegriffen: Es fehlte der Wille, das Primat der Politik über die Finanzmärkte durchzusetzen.“

Im Scheitern stellt Köhler den Mahner dar, stilisiert sich als das gute Gewissen, als ein Förderer des Menschlichen, dem der arbeitende Mensch als das Grundkapital entspricht. Er verteidigt die Globalisierung, die nun unausweichlich sei, keiner könne aus dem gemeinsamen Boot aussteigen: „Eigennutz im 21. Jahrhundert heißt: sich umeinander kümmern.“ Man merkt aber auch, das Köhler in gut zwei Monaten wiedergewählt werden will. Dass die Regierung in der Krise richtig gehandelt habe, wie Köhler meint, ist ein deutliches Zeichen dafür.

Seine Analyse der Finanzkrise setzt auf alt bewährtes. Eigentum solle wieder verpflichten, ansonsten wären die Folgen der „Freiheit ohne Verantwortung“ weiter sichtbar. Er spricht von der Wachstumsmaschine Finanzmarkt, die Ordnung und Moral bedürfe und von einer neuen Chance für die Soziale Marktwirtschaft, die nicht mehr nur eine Wirtschaftsordnung, sondern viel mehr eine Werteordnung sei. Köhlers Rezepte für die Bewältigung der Krise wurden schon oft genannt:

„Unmittelbar gilt es, den Geldkreislauf wieder in Gang zu bringen. Wir sprechen von der Lebensader der Wirtschaft. Sie muss versorgt sein, damit Menschen, die hart arbeiten und sich an die Regeln halten, auch morgen noch Arbeit haben. Es geht zugleich darum, einer länger anhaltenden, weltweiten Rezession entgegenzuwirken. Und die internationalen Finanzmärkte brauchen eine neue Ordnung durch bessere Regeln, effektive Aufsicht und wirksame Haftung.“

In der europäischen und internationalen Politik setzt der Bundespräsident auf „globale Solidarität“: „Es geht um eine Weltwirtschaft, in der Kapital den Menschen dient und nicht Herrscher über die Menschen werden kann.“ Auch dem Klimawandel schenkt Köhler seine Aufmerksamkeit, jedoch bleibt der Eindruck, dass dies mehr aus einem Gedrängtsein geschieht denn aus Überzeugung. Es ist dies ein Thema, das erwähnt werden muss, doch auch er kann nur einen zweitrangigen Wert analysieren: „Nehmen wir uns deshalb die nächste industrielle Revolution bewusst vor: diesmal die ökologische industrielle Revolution.“

In diesem Satz wird auch deutlich, worum es Horst Köhler geht: Anpacken, an einem Strang ziehen und das Ziel wird erreicht. Man ist damit auf dem richtigen Weg. Der Bundespräsident versteht jedoch nicht, dass die Komplexität der Probleme nicht vom kleinen Arbeiter gelöst werden kann. Eine wirkliche strukturelle Reform will auch Köhler nicht angehen, viel zu sehr schwebt er über den Menschen, denen er doch eigentlich so nah sein will.

Der Glasperlenspieler

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