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Dem Alltag entfliehen: Brenn deine Wohnung an!

Als der große Schlepper heute elbaufwärts schipperte, da fragte ich mich, was der wohl geladen habe. Als die Nachbarn meiner Großeltern aus ihrem Auto ausstiegen und mich grüßten, da dachte ich an meine Oma, die gleich fragen würde, wo sie denn gewesen seien. Als es heute im Nebenhaus brannte, Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen kamen, da war ich doch ein wenig neugierig, was da wohl passiert sein könnte und ob es auch allen gut geht.

Wo mal die Feuerwehr hinkommt, da strömen auch die Menschen hin. Und davon gibt es hier genug. Und wo es was zu sehen gibt, da sind sie nicht weit. Natürlich musste auch ich mir das näher anschauen. Im Grunde hab ich ja die Feuerwehr hinter mir hergezogen, als ich mit dem Fahrrad in unsere Straße einbog. Noch vollkommen vertieft darin, was ich als nächstes in meine Hausarbeit schreibe, hörte ich die Sirenen erst von Weitem und dann immer näherkommend. Als ich mein Fahrrad in den Keller brachte, stand die Feuerwehr schon vorm Nebenhaus, auch die ersten Polizeiwagen kamen an.

Zuerst bemerkte ich ja auch den Rauch aus den Fenstern nicht, als ich dann jedoch in der Wohnung stand, immer mehr Sirenen hörte und ganz erschrocken aus dem Fenster auf die Straße schaute, da bot sich mir folgendes Bild: Gegenüber Menschen auf den Balkons, auf der Straße Kinder, Rentner und Neugierige, selbst Kameras und Handys waren schon gezückt. Im Telefonat mit Fräulein Freundin kam auch ihre innerliche Erregung zum Vorschein: Immer passiert mal was, wenn ich nicht da bin; kannst du nicht mal Fotos machen?

Nicht dass ich erschüttert gewesen wäre, nein, mir wäre es zwar im Traum nicht eingefallen, deswegen die Kamera zu zücken, aber man muss Menschen ja verstehen.

Für die da draußen ist es ein Alltag, ein Sonntag, der sich durch zumeist späteres Aufstehen, vielleicht noch gemeinschaftliches Essen, in einigen Familien noch durch den Kirchgang oder einen Spaziergang auszeichnet. Alles wiederholt sich, jede Woche, die Ausnahme wird zur Regel. Verdammt, das ist doch auch spannend, warum nicht mal hinschauen und dieses verdammte Ausgrenzen ist doch auch spießig. So.

Der Glasperlenspieler

Zum Brandereignis stand nun folgende Nachricht in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“:
„Leerstehende Wohnung brannte, Polizei ermittelt
Eigentlich sollte in einer leerstehenden Wohnung niemand in der Küche herumfuhrwerken, doch eben dies hat anscheinend gestern Mittag zu einem Wohnhausbrand in … geführt. Gegen 13.40 Uhr ging in der Rettungsleitzentrale die Meldung ein, dass es in der leerstehenden Wohnung an der … Straße brenne. Als das Feuer erstickt war, behinderte jedoch starker Ruß die Spurensuche. Die Polizei versiegelte deshalb die Räume und will heute ermitteln, ob vielleicht Wohnungsbesetzer am Werke waren – anscheinend entstand das Feuer nämlich in der Küche.“

Nach neuesten Informationen steht die Wohnung nun doch nicht leer. Aha. Das ist doch mal was. Es war das angebrannte Mittagessen, dass das Feuer in Brand gesetzt hatte und der Wohnungsinhaber war abwesend. Nun alles klar?

Songs 7:
Röyksopp – „Happy up here“

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