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Generationengerechtigkeit

Vielleicht kennt der ein oder andere ja das Gefühl, das ich nun versuchen werde zu schildern: früh morgens wachst du auf, dein Kopf schmerzt gleich schon wieder, in der Zeitung wird das nächste Unheil beschworen und der Kaffee ist auch irgendwie nicht mehr wie er früher war. Die Beine sind schwer, die Arbeit langweilig und nicht mehr motivierend, in der Wohnung gegenüber wird nun schon tagelang gepoltert und gehämmert. Auch fehlen die neuen Bücher, im Fernsehen singt die nächste Ente und vom Radio mal gar nicht zu sprechen.

Wenn du abends ins Bett fällst, fragst du dich, was du eigentlich geschafft hast, was dir dieser Tag gebracht hat außer den Schritt näher zum Tod. Und du denkst schon an die miesen Träume, die dich schon seit Wochen plagen und was soll erst morgen werden …

Es scheint also an der Zeit zu sein, Veränderungen in Gang zu setzen. Und da sollte man eher im Kleinen beginnen, denn bekanntlich haben ja auch die verrücktesten Revolutionen immer mal bescheiden angefangen. Probier doch mal den neuen Tee, der mit Kräutern, duftend lag er da in diesem kleinen Laden, den du immer irgendwie als hippiemäßig verklärt hast. Schlag die Zeitung auf und lese die Artikel, die du für wichtig hältst, mach das Kreuzworträtsel und lass dir aus den Sternen lesen. Lass den Fernseher aus, schalt das Radio ab und geh in die Natur. Kauf dir ein Buch und schau nicht, was es kostet. Hör die Stimmen der Vögel und verliebe dich in alte Bäume, die den Stadtpark von der Stadt unterscheiden.

Nimm dein Herz in die Hand und entschwinde der Lethargie, die dich und so viele um dich herum erfasst hat. Denn dies sind doch die Fragen, die du dir stellen musst: Wohin will ich gehen und was möchte ich erreichen? Denn gerade hier stehen die Probleme, die wir beseitigen müssen, hier ist der Alltag, den wir bewältigen müssen. Es ist das Leben an sich, dem du dich stellen musst.

In Zeiten wie diesen, wenn es denn solche gibt, darf man nicht von einer Jugend sprechen, deren Ideale verloren gehen. Es sind die Bedürfnisse, die sich wandeln, die Vorbilder, die kommen und gehen, die Entscheidungen und Wegpunkte, die man durchdringen muss. Es sind die Zeiten, da jungen Menschen nicht von einer Welt erzählt werden sollte, die grundsätzlich schlecht ist. Junge Entdecker, denen Eltern und Großeltern entgegentreten, die von Hindernissen erzählen, dabei aber die Chancen vergessen, denen Lehrer mit Moral und Anstand kommen und denen Mitmenschen gegenüberstehen, die ständig schändliche Blicke werfen, müssen sich im Heute zurechtfinden, das nicht leichter ist als es das Gestern war.

Weil es für eine Generation der Menschen, die heute zwischen 25 und 75 sind, denen also mindestens schon eine neue Genration folgte, sicherlich nicht leicht ist, mit ihrem Leben umzugehen, die Arbeit niederrafft und von Befriedigung keine Rede ist, die manchmal lieber sterben möchten und nicht leben, so muss den jungen Menschen eine selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Ein Zeitgeist, der immer nur verschreit, wie schlecht doch alles sei, kann nicht der Zeitgeist für unsere nachwachsenden Kinder sein. Vielmehr muss eine Umgebung geschaffen werden, die von Möglichkeiten spricht, von offen Türen und freier Entfaltung. Sozialisation in Freiheit, also auch in Unbestimmtheit, bedeutet Verantwortung der Eltern im engen und der Gesellschaft im weiteren Sinne, jedoch immer darauf bezogen, was den Nachwachsenden am meisten entspricht, was ihnen die größten Chancen und Individualität ermöglicht.

Der Glasperlenspieler

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