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Eine andere Stelle, ein komischer Name

Um gute Musik zu hören, muss man oft eine Reise in die Vergangenheit antreten oder sich durch die unbekanntesten Musikmagazine wühlen, da möchte mir doch wohl keiner widersprechen. Um von den wirklich interessanten Büchern etwas mitzubekommen, kann man aus einem großen Fundus der klassischen Literatur schöpfen und um die wirklich sehenswerten Filme zu kennen, kann man nur das alternative Kino um die Ecke wählen, nachts die Dritten gucken oder die ein oder andere DVD auf zwielichtigen Seiten abstauben. Denn Massenkultur heißt nicht umsonst so.

Es ergab sich also dieser Tage eine Situation wie so oft. Ich war auf der Suche nach einem guten Buch (was das nun wieder ist, soll hier nicht zur Diskussion stehen). Im Haus des Buches in Dresden, dem Paradies für Gelegenheitsleser und Spezialisten zugleich, in der zweiten Etage stand ich und schaute mich um. Die Neuerscheinungen fein säuberlich in einer Reihe gestapelt, große Namen neben unbekannten Jungautoren, die vielleicht bald schon wieder in Vergessenheit geraten sein werden. An den Rändern von A bis Z, da für Kinder, da für Reisende und Sprachinteressierte, dort für die deutsche Sprache und deren Varianten.

Ein gutes Buch also, wie findet man das? Man schaut, blättert, liest Klappentexte, sammelt zwei drei und setzt sich auf das ausgefranste Sofa oder die wunderbar bequemen Ledersessel an den großen Fenstern, die den Blick auf die Baustelle der nächsten Einkaufspassage ermöglichen. Liest die ersten Seiten, verwirft das, der Einstieg ist doof, eine andere Stelle, ein komische Name. Im nächsten Augenblick das vulgäre Cover, Abscheu und Anziehungskraft gepaart mit Ärger und Spannung. Oder zu teuer oder zu billig, der Wert steckt im Geheimen. Weiter in die nächste Etage, zu sachlich, die nächste, die nächste, Kunstbände der eine gleicht dem anderen, die lebendigsten schlummern immer in der verborgensten Ecke. Am Ende Studienliteratur, Wirtschaft, Recht. Und Religion und Philosophie, Politik. Die Treppen hinab empfehlen sich die Bilder bekannter Stars, die in den letzten Jahren ihre Autobiografien vorgestellt haben.

Unten wieder angekommen, in einem Meer aus Kalendern, liebevollen kommerziellen Kinderbüchern und der Fantasy, finden sich Reclam-Bände, gelb grün orange blau rot, seit neuestem auch bunte. Daneben die Taschenbücher, Neuerscheinungen, Großdruck und Schulliteratur. Am Ende der Ausgang, Schnäppchenangebote, Regionales, Bestseller und die Tür, die den Weg entweder Richtung Altmarkt oder Prager Straße zulässt.

Dazwischen Straßenbahnen, kalte Bürgersteige und Ampeln, denen die Mutigen schon lange nicht mehr ihren Rhythmus abtrotzen. Das Leben, könnte man meinen, verschwindet hier an einem Tage. Kein Buch in den Händen, so also scheint es nicht zu funktionieren.

Wie aber kauft man ein Buch? Und überhaupt: Was soll es denn für eins sein? Ich habe eine Idee. Und die behalte ich für mich!

Der Glasperlenspieler

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