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„Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden“

Sind die zwei Monate schon wieder vorbei, man glaubt es kaum. Zwei Monate Abstand von der Uni, von Ausnahmen abgesehen. Das tat mal richtig gut. Die vorlesungsfreie Zeit ist mit Sex und gutem Essen zu vergleichen: man kann nicht darauf verzichten. Und nun soll das schon wieder vorbei sein? Nun hatte man sich gerade so in der Faulheit eingenistet, ab und an ein Buch für das neue Semester gelesen, durchaus auch mal an den Hausarbeiten gesessen und auch eine Zwischenprüfung absolviert, doch es war eine Zeit, die gerne wieder kommen kann.

Es ist die Zeit, in der der arbeitende Student seine Ruhe findet. Stress durchzieht das gemeine Leben ja zuhauf, man wird von vielen Menschen geprägt, ob man will oder nicht, und auch Freunde darf man gern mal länger nicht sehen, da brauch man keinen Mantel mit Schweigen ausbreiten. Es ist also die Zeit zum Zurückfinden zu sich selbst, zum ausschlafen und den Tag genießen. Es ist die Zeit, die Zeitung auch mal in Ruhe zu lesen und nicht andauernd in der Straßenbahn dabei gestört zu werden oder böse Blicke zu ernten. Es ist die Zeit für alte Lieben und neue Entdeckungen.

Ich habe das klassische Gen zurückgewonnen und meine Liebe zu den Peer Gynt Suiten von Grieg oder den Oboenkonzerten von Albinoni wiedererlangt. Auch neue Bücher sind mir in die Hände gefallen, die neue Freude an der Dramatik und neue Filme, die mich beeindrucken.

In manchen ruhigen Stunden, es ist oft der späte Abend und die Lichter in den Zimmern gegenüber der Straße werden weniger, fängt auch das Nachdenken an. Es ist eine leise Angst in mir, die dann hervortritt und mich in wenigen Augenblicken ob ihrer Heftigkeit übermannt, die man nur schwer ertragen kann und die ich auch nicht benennen werde, auch da ich mir ihrer Unbeschreibbarkeit und gleichwohl Unantastbarkeit wohl bewusst bin. Doch genau das Unbewusste ist das beängstigende. Das Unbewusste überwältigt und man sucht nach einem Halt, einer Wand, einer Türklinke oder einem Bett, dass einem in seinen warmen Federn behütet. Und gleichzeitig betrügt.

Man möchte sagen: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“. Und Hermann Hesse weiß, was er sagt. Man möchte ihm beipflichten und daran glauben: „Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …“ und „Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen / Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten“. Und man spürt auch Hesse in sich, wenn man dem Glauben einen Raum lässt sich zu entfalten und Wünsche zu Träumen und Träume zu Realität werden lässt.

Der Glasperlenspieler (fand im Traum Befremdliches aber auch Erfreuliches)

(alle Zitate stammen aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“)

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