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Diskussionsverdrossenheit

Spüren Sie das auch, liebe Leser? Früh fallen Sie aus dem Bett und nach dem Anschalten des Radios oder dem ersten Blick in die Zeitung erfahren Sie von neuen Machenschaften der sogenannten Liechtensteiner Finanzaffäre? Oder hören von den neuen Entwicklungen auf dem roten Teppich der Berlinale, der goldene und die silbernen Bären wurden verschleudert, ach und wie wichtig die Preisverleihung nun auch international sei? Oder die alte DKP/Stasi-Schrapnelle Christel Wegner, die von einer Karriere als Grenzschutzsoldatin mit Schießbefehl träumen mag?

Spüren Sie es, liebe Leser? Von „Themenarmut“ kann nicht die Rede sein! Aber, schauen wir doch mal gemeinsam genauer hin. Draußen scheint die Sonne, hängst du die Rübe aus dem Fenster, friert sie dir trotzdem ab. So ist das eben. In Afghanistan gab es nun mittlerweile zwei schwere Selbstmordanschläge in den vergangenen beiden Tagen, die viele Todesopfer forderten. Leicht neigt man dazu zu sagen, so sei das eben. Welch Verhängnis. Der Kosovo ist nun eigenständig, die Mehrzahl der europäischen Staaten wollen die „abtrünnige Provinz“ nun völkerrechtlich anerkennen. So ist das eben. Oder auch nicht, denn internationales Recht gilt eben auch für westliche Staaten. Und in Pakistan steht der Sturz von Musharraf vielleicht kurz bevor, demokratische Verhältnisse seien das eben, nur was kommt dann? Seine Gegner sind keine weißen Tücher, gehören den Machteliten seit Jahrzehnten an, sind politisch belastet.

Also: Themen ja. Diskussionen nein, sagen die da oben, oder wie Adrian Kreye in der SZ schreibt, „ihr da draußen“.

Langsam muss man überlegen. Museen verbarrikadieren die Eingänge, lassen ein nach langen Leibesvisitationen und filmen every single step. Das war gestern. Heute regen wir uns über den nächsten Kunstklau auf, trauern den schönsten Bildern nach und morgen sehen wir den wunderbarsten Fälschungen in die Augen. Und kurz danach vielleicht, in ein paar Jahren, redet Hans Leyendecker nicht nur von Politik- und Wirtschaftsverdrossenheit, sondern auch von der nun beginnenden Kunstverdrossenheit.

Das sollte dann doch mal zu denken geben. Nicht das wir in wenigen Dekaden ein anderes, vielleicht noch viel wichtigeres Übel zu verkraften haben: die Diskussionsverdrossenheit.

Der Glasperlenspieler (wartet schon auf die Reaktionen zum politischen Ende des Fidel Castro, den er immer ein wenig mochte)

Links:
Bücher und Kurzvita von Hans Leyendecker
Homepage von Adrian Kreye

Nachtrag:
Zwei der vier Bilder des Züricher Kunstraubs sind offenbar wieder aufgetaucht.

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