Jagdwetter

Die Schneeflocke in meinem Auge fühlt sich gut an, als ich den Weg durch den Pillnitzer Park wähle. Es ist glatt, es ist kühl und es ist wunderschön.

Nachdem der Nebel der Nacht verflogen war, erfreute ich mich um die weiße Schneedecke, die Dresden bedeckte. Früh morgens, die Fenster weit geöffnet, die Sonntagszeitung vor Augen, die Brötchen frisch und warm. Dann später, im besagten Park, wieder dieses Gefühl: Wärme in der Kälte, bitterer Wind und Eiskristalle. Weit hinten, am Ende des Blickfeldes, dunkle Wolken, grauer Himmelskörper. Schneebedeckte Wiesen und Hunde, die in den Feldern und Elbanrainern tollen. Kinder im Hintergrund, durch den Schnee stapfend, dazu die leise Musik von Beirut, Intermezzi aus Horn und Bläsern, Jagdmusik, Jagdwetter.

So mag es damals gewesen sein, als in Deutschland noch die leblosen Herren durch die Wälder zogen oder die jungen Prinzen ihre Freizeit genossen, auf der Jagd nach Reh, Bussard und Hase, ganz nach dem Bild des verklärenden Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, das sich immer zu Weihnachten großer Beliebtheit erfreut, zeigt es doch eine Liebesgeschichte und das Leben der Armen auf eine fatalistische, ja verfälschend glorifizierte Art und Weise, die bei Menschen den Wunsch nach Glück bis in das innerste des Herzens erfüllt.

Mag die Jagd in viele Ländern tragischerweise noch Tradition sein, so macht sie auch die Unterschiede zwischen Adel und niederem Volk deutlich. Ich gehe zur Jagd, ich bin wer. Ich habe das größte Tier erlegt. Großbürgerlicher Übermut gegen verarmte Landlosenidylle. Das tschechische Märchen zeigt das nicht. Es stellt das Glück der Armen und den Fall der Macht dar.

Eine Winterlandschaft sagt da viel. Sie ist der Gesellschaft Dreh- und Angelpunkt. Sie ist Natur und Kultur zugleich. Lassen wir es nicht dazu kommen, dass die Kultur siegt. Nicht diese.

Der Glasperlenspieler (trinkt Wasser und Wein … und muss schon selber drüber lachen)

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