Naturschutz in der Sächsischen Schweiz – Wohl und Weh

Ende letzten Jahres ist ein neues Buch in der sonst so tristen und biederen Reihe edition Sächsische Zeitung erschienen. Darin folgen Reporter der Lokalredaktion Pirna den Spuren der Wildnis vor der Haustür, also der Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in der Sächsischen Schweiz. Man kann das Buch als Sammelband der zuvor in der Zeitung abgedruckten Texte verstehen, aber es ist auch einiges mehr. An Einzelbeispielen, wie dem Gelben Veilchen und der Krähenbeere, dem Luchs und dem Gartenschläfer, wird dargestellt, inwiefern der Nationalpark den Naturschutzaspekt versucht zu realisieren. Kurze Steckbriefe zu Gefährung, Verbreitung, Bestand und Lebensraum, gepaart mit teils ansprechenden Bildern geben einen guten Überblick. Man erfährt einiges über die Arbeit der Ranger und lernt zu verstehen, warum der Naturraum in der Sächsischen Schweiz einen solch schützenswerten Charakter hat.
Leider muss man sich an manchen Stellen aber nur mit der halben Wahrheit zufrieden geben. Dies hat wahrscheinlich seinen Ursprung darin, dass wir es nicht mit Biologen zu tun haben, sondern mit Journalisten, die sich natürlich nicht tiefer in die Materie einarbeiten können. Am Einzelbeispiel der Krähenbeere heißt das dann, dass man nicht erfährt, um welche genaue Krähenbeere es sich handelt (ich vermute die Schwarze Krähenbeere, denn das ist die einizige, die gefährdet ist) oder dass es noch weitere Arten der Krähenbeere gibt, die nicht gefährdet sind. Anderes Beispiel: Der Artikel über die Waldkiefer lässt Fragen offen: Die Waldkiefer gilt als nicht gefährdet, steht aber bsw. auf den Felsriffen der Weißen Brüche zwischen Wehlen und Rathen. Hier liegt die Kernzone, hier soll kein Mensch sein. Eine naturschutzrechtliche Begründung bleibt dafür aber aus; kein kritisches Wort, warum u.A. wegen der Waldkiefer, die als extrem widerstandsfähig gilt, hier der Zugang für den Mensch verwehrt bleibt. Zudem frage ich mich, warum der Pflanzenexperte der NPV, Holm Riebe, Journalisten in die Kernzone führt (ich kann mich auch an einen MDR-Beitrag erinnern), einfachen Wanderern das aber nicht gestattet sein soll? Vielleicht sollte man mal geführte Wanderungen für verbotene Wege anbieten, lieber Nationalpark!?
Wenn man sich vom Buch im Übrigen Gründe erhofft, die die heutige Kernzonenregelung rechtfertigen, dann sucht man vergeblich. Da wird nicht mal der Sumpfporst helfen …
Um sich mal kritisch mit dem Naturschutz generell zu beschäftigen, empfehle ich ein Buch von Josef H. Reichholf. In Naturschutz – Krise und Zukunft beleuchtet Reichholf die fragwürdigen Ziele mancher Naturschützer und wie sie entstehen. Dabei räumt er mit gängigen Motiven auf und gibt einen Ausblick, wie man Naturschutz in Zukunft neu denken muss. Für alle, denen ein Interesse an der Natur beim Wandern nicht fehlt, empfehle ich beide Bücher dringend.
Christian Helfricht
Literatur:
Landgraf, Hartmut: Wildnis vor der Haustür. Reporter erkunden den Nationalpark Sächsische Schweiz, Freital 2010.
ISBN: 978-3-936642-09-4
Reichhold, Josef H.: Naturschutz. Krise und Zukunft, Berlin 2010.
ISBN: 978-3-518-26031-9


Nicht zu vergessen sind natürlich die Wanderkarten, ohne die man auch in der Sächsischen Schweiz nicht unterwegs sein sollte. Hier gibt ebenfalls eine Vielzahl an Möglichkeiten – allerdings nur eine, die wirklich in Frage kommt. Von den großen Verlagen (Kompass, Barthel, Publicpress) und auch von sachsenweiten Veröffentlichungen (Landesvermessungsamt, Sachsen Kartographie) sollte man nur als Zusatz oder am besten gar keinen Gebrauch machen. Leider gibt es hier zu wenig eingezeichnete Wege oder deutlich “verfälschte” Darstellungen. Nur Kartograph Rolf Böhm aus Bad Schandau führt Karten, die in der Sächsischen Schweiz wirklich zu gebrauchen sind. Hier findet sich jeder Weg, der noch in irgendeiner Weise in der Natur vorhanden ist.





