Frau Lieberknecht und die Althaus-Riege

Veröffentlicht in Daily Mail mit Tags , , , , , , , , , am Oktober 31, 2009 von glasperlenspieler

Du darfst dir nie ganz sicher sein. Das sind Worte, die besonders in der Politik gelten. Und: In der Politik gibt es keine Freundschaften, nur Zweckgemeinschaften. Was vielleicht hart klingt und in Ausnahmefällen nicht stimmen mag, wird Frau Lieberknecht(CDU) nach dem Scheitern in den ersten zwei Wahlgängen um das Ministerpräsidentenamt wohl durch den Kopf gegangen sein.
Wer war nun der Heckenschütze, wer hat Frau Lieberknecht zunächst ins offene Messer fallen lassen? Wem wäre es am ehesten zuzutrauen und was sind die Argumente? All diese Fragen führen zu nichts, denn sie können nie mit letzter Gewissheit beantwortet werden. Die wichtigere Frage ist die nach der politischen Verantwortung und den Konsequenzen für das Land und dessen neue Regierung. Was kann eine angezählte Ministerpräsidentin erreichen? Wie soll regiert werden mit der Gewissheit von Abweichlern in den eigenen Reihen? Was bringt Thüringen eine Regierung, die schon bei der Frage nach dem wichtigsten Amt Uneinigkeit zeigt?

Frau Lieberknecht, die einzige Ministerpräsidentin in Deutschland, durfte nun also auch schon Bekanntschaft mit dem Simonis-Effekt machen, und es scheint sich da eine Meinung zu bestätigen: Frauen werden in hohen Ämtern benachteiligt, ja ihnen wird weniger zugetraut ein Amt zu führen. Heide Simonis, die damals scheiterte, sagt: „Diese Männer, die so etwas tun, hassen Frauen.“ Ob es nun Männer waren oder nicht – wer weiß das schon. Allein die Frage, ob Frauen nur deswegen scheitern, weil sie eine Frau sind oder wegen ihrer Kompetenzen, steht hier zur Debatte. Und Frau Lieberknecht ist sicher für das Amt geeignet, wie auch immer man politisch zu ihr stehen mag. Woran also scheiterte sie zunächst?

Frau Lieberknecht hat sich schon große Zustimmung in der eigenen Partei erarbeitet, aber eben nicht nur. Das Lager um Althaus und andere Ex-Minister ist noch stark vertreten. Gegen sie muss Lieberknecht nun einen Balanceakt bestreiten: Auf der einen Seite muss sie sich abgrenzen, um politische Authentizität zu wahren und einen Neuanfang zu postulieren. Auf der anderen Seite darf sie keine politischen Hürden in der Fraktion aufbauen, muss persönliche Fehden vermeiden und Zugeständnisse machen. Nicht zu vergessen, darf sie auch die SPD nicht verschrecken, denn auch in der sozialdemokratischen Fraktion gibt es Widerstände gegen die schwarz-rote Allianz.

Frau Christine Lieberknecht steht also vor schweren Zeiten. Wichtig wird in den nächsten Monaten sein, dass persönliche Differenzen innerhalb der CDU nicht zur Belastung für das Land werden. Wichtig wird gleichzeitig, dass das Land eine Regierung hat, die handlungsfähig ist und sich nicht andauernd im Kreis dreht. Und wichtig wird schließlich, dass eine starke Opposition aus Linken, Grünen und FDP im Parlament jeden Schritt und Tritt genauestens überwacht und gegenbenfalls protestiert, denn eins bleibt: Thüringen hätte Rot-rot-grün deutlich besser getan, meint

der Glasperlenspieler

Mut ist eine Tugend!

Veröffentlicht in Daily Mail mit Tags , , , , , am Oktober 30, 2009 von glasperlenspieler

Momentan bin ich krank und das Leben ist da ein ganz Anderes. Man nimmt den Tag anders wahr, kann manche Dinge sehr ausgedehnt beobachten, faulenzen und sich nach und nach entschleunigen. Wäre da keine Krankheit im Hinterkopf, könnte man das ganz gut genießen – so seine gewisse Zeit. Eine Verlangsamung kommt ja nie ganz zu einem Ende, das wäre ja auch schlimm. Wenn es soweit sein sollte, was würde man dann nur machen? Meine Verlangsamung ist noch am fließen, die Gerinnung kann verhindert werden.

Manchmal gibt es Phasen, da sind Auszeiten notwendig. Oft findet man dann aber nicht die Zeit, der Alltag holt einen ein und Verpflichtungen privat wie beruflich drängen einen zum Durchhalten. Man gibt mehr, als wirklich sein müsste, verliert irgendwann den Halt und fällt trotzdem aus.

Und so habe ich nun vor allem viel Zeit zum Lesen. Ich bin sehr froh, früh wieder ausgedehnt Zeitung lesen zu können, zum Beispiel. Das vermisste ich schon, gerade in den letzten Wochen, als mir andauernd schlecht war und das Lesen oft zur Qual wurde. Die Bücher, an denen ich las – Atemschaukel und Der letzte Weynfeldt – sie flossen nicht richtig, sie füllten letztlich nur noch die guten Stunden, von denen es immer weniger gab. Nun hoffe ich auf Besserung, doch leider fehlt mir noch das Licht am Horizont. Medikamente scheinen ja nicht von heute auf morgen zu wirken, redet man sich ein, doch Schmerzen gibt es schon viel weniger. Ganz bestimmt. Und ich habe auch schon wieder ein neues Buch gekauft, naja, sogar mehr als nur eins. Und auch die Kopfschmerzen lassen vielleicht nach und die anderen Leiden, irgendwann.

Also, es muss aufwärts gehen. Und das geht es auch. Mut ist eine Tugend, auch wenn man sie viel weniger besitzt, als man oft denkt – vorhanden ist sie doch,

der Glasperlenspieler

Rolle rückwärts

Veröffentlicht in Daily Mail mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , am Oktober 26, 2009 von glasperlenspieler

Träume ich oder ist dies die Wirklichkeit? Das Wochenende ist vorbei und alles ist anders. Alles ändert sich, wirkt wie entrückt und verzerrt, und doch wie eine Wiedergeburt alles Alten, wie ein Auferstehen nach elf Jahren Macht im Wartezustand. Die, die man 1998 begraben hatte, werden nun exhumiert. Es ist der Aufstand der Toten, die sich mit jungem Gras schmücken – wie oft kann man Leben denn wiederholen?

Nehmen wir Frau Leutheusser-Schnarrenberger. Schon 1992 war sie Justizministerin unter Helmut Kohl, trat dann wegen Unstimmigkeiten mit der eigenen Partei 1995 zurück und 14 Jahre später ist sie wieder an alter Stelle. Die „Jeanne d’ Arc der Bürgerrechte“ (Süddeutsche Zeitung) darf sich nun wieder um das kümmern, was sie schon immer interessierte. Was hat sich also verändert seit 1992?

Oder Rainer Brüderle. Der Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes gilt als Verteidiger der Marktwirtschaft, als wortgewaltiger, manchmal pöbelnder Redner. Doch was darf man von ihm erwarten? Seine Kompetenzen als neuer Wirtschaftsminister sind gering, sein Amt steht im Schatten des Finanzministers, seine Entscheidungsgewalt darf sich in der nächsten Zeit Opel und Arcandor zuwenden. Brüderle ist einer, von dem man das Gefühl hat, dass er nie richtig da war, aber auch nie richtig weg. Auch er ist ein Politiker der Vergangenheit.

Das beste Beispiel der neuen Regierung bleibt allerdings Wolfgang Schäuble. Er gilt als politisch erfahren, als einer, der sich auch gegen den Willen anderer durchsetzt und seine Meinung immer klar vertritt, auch wenn er manchmal deutlich falsch liegt. Es ist ganze 20 Jahre (!) her, da war er schon Innenminister unter Kohl. Keiner in der Regierung kann soviel Erfahrung mitbringen, keiner bestimmte so lange die Geschicke Deutschlands mit. Er war es, der den Einigungsvertrag mit der DDR entscheidend lenkte. Das ist Wolfgang Schäuble. Ihm muss man große Verdienste zugestehen, doch auch er ist ein Politiker von gestern, einer, dem nochmal ein wichtiges Amt übergeben wird – wohl sein letztes, öffentliches in der Bundesrepublik. Er gilt als Hüter der inneren Sicherheit, aber auch als knallharter Beschneider der Freiheitsrechte.

Das sind drei Beispiele einer neuen Regierung, die so neu gar nicht ist und die mit den Jungpolitikern Rösler (Gesundheit) und zu Guttenberg (Außen) zwei Unerfahrene in die schwierigsten Ministerien setzt. Das ist eine neue Regierung, die den alten Außenminister Franz Josef Jung, der politisch schon verabschiedet wurde, in das in Zeiten sozialer Kälte wichtige Arbeitsministerium setzt und die blasse Annette Schavan das Zukunftressort Bildungs weiter verwalten darf.

Man möchte sagen: Bravo! Wie kann man einen Start in dieser Weise verschlafen, ja versauen gar? Und über die Themen ist ja noch nicht mal richtig gesprochen worden, schwere Punkte wurden in Kommissionen vertagt, Schattenhaushalte wurden verkündet und bestritten, die Gesundheit wird die Armen im Lande mehr und mehr belasten und die Laufzeiten der Atomkraftwerke werden verlängert. Es wird ein Betreuungsgeld beschlossen, das die Kinder aus den für ihre Sozialisation wichtigen Kitas heraushält, gesetzliche Mindestlöhne bleiben in weiter Ferne, die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen, gentechnisch veränderte Lebensmittel sollen angebaut werden dürfen, die Entwicklungshilfe wird mehr und mehr dem Außenministerium untergeordnet, usw.

Das also ist Schwarz-gelb. Darauf und auf noch so einiges mehr müssen wir uns einstellen. Doch wir haben es so gewollt. Wer den Versprechen von Westerwelle, Merkel und Seehofer vor der Wahl glaubte, dem werden wenn nicht heute dann morgen die Augen geöffnet werden. Viele Errungenschaften, die unter Rot-grün eingeführt wurden und unter Schwarz-rot verteidigt oder erweitert, sind heute nichts mehr Wert. Vieles, das Deutschland in die Moderne des 21. Jahrhunderts geführt hat, wird nun auf den Stand von 1998 zurückgefahren, denn es sind die an der Macht, die seit damals nichts gelernt haben. Nun werden sich Slogans nach und nach entzaubern und nur die eine Hoffnung bleibt: dass es nicht allzu schlimm wird in diesen vier Jahren und dass sich die Sozialdemokraten bis 2013 wenigstens etwas erholen können.

Der Glasperlenspieler

Gesammelte Wanderungen 2

Veröffentlicht in Daily Mail mit Tags , , , , am Oktober 20, 2009 von glasperlenspieler

Es sind in den letzten Wochen und Monaten wieder einige Wanderungen zusammengekommen, die ich nun hier wieder kurz nachvollziehen möchte. Wie immer mit einer Kurzbeschreibung, Wegpunkten zum Nachwandern und Kartenempfehlung.

Arnstein, Kleinstein, Pohlshörner
Buschmühle (im Kirnitzschtal) – (über den Reitsteig zum) Arnstein – Neuer Weg – Kleinstein (mit Kleinsteinhöhle) – Schwarze Schlüchte – Pohlshörner – entlang der Kirnitzsch Richtung Buschmühle
Schöne, teils anstrengende Rundwanderung, mit beschaulichen Treppen- und Leiteraufstiegen und großartigen Aussichten in die hintere Sächsische Schweiz. Besonders der Arnstein (Ottendorfer Raubschloss) mit seiner Zisterne und alten Spuren der Raubschlossanlage ist interessant. Beim Kleinstein sollte man die Höhle nicht übersehen, sie zweigt währrend des Aufstiegs links ab und ist nicht ausgeschildert.
Aufstieg zum Arnstein
(Karte: Sächsischer Kartographie Bl.92: Hintere Sächsische Schweiz, Blatt 2: Großer Zschand, Hinterhermsdorf mit Böhmischer Schweiz zwischen Mezna und Jetrichovice 1 : 15.000)

Bielatal
Schweizermühle – Bastei und Berthablick – Gedächtnishain – Rosengarten und Wetterfahnenfels – Kaiser-Wilhelm-Feste und Bielablick – Herkulessäulen – Ottomühle – (über den Kerbensteig Richtung) Johanniswacht und Sachsenstein – Nachbar – Schweizermühle
Eine Wanderung, die eigentlich gar keine ist. So viele Sehenswürdigkeiten auf einmal gibt es nirgendwo zu erblicken, jede Felsformation weckt neues Staunen. Die eigentlich kurze Wegstrecke wird dadurch zum ausgiebigen Spaziergang. Der Sachsenstein allerdings ist nur etwas für ganz Mutige.
Herkulessäulen
(Karte: Rolf Böhm: Bielatalgebiet 1 : 10.000)

Bärenfangwände
Felsenmühle (im Kirnitzschtal) – Kleiner Zschand – Quenenwiesen – Heringsloch (der kurze Weg durch Försters Loch ist gesperrt)- Roßsteig – Der gehackte Weg (auf den Bärenfangwänden) – Kleiner Kuhstall – Marienhöhle – Abstieg in Richtung der Westelschlüchte (die sind aber gesperrt, sodass man links in die Raubsteinschlüchte abzweigen muss) – Neumannmühle (im Kirnitzschtal)
Eine Wanderung, die man unbedingt einmal gemacht haben muss: Die Bärenfangwände hat man oft für sich alleine, der kleine Kuhstall ist schon beeindruckend und die Ausmaße der Marienhöhle sind gewaltig. Besonders aber reizt der Abstieg von den Bärenfangwänden in die Westelschlüchte. Grüne Wildnis und unberührte Natur.
In der Marienhöhle
(Karte: Rolf Böhm: Kleiner Zschand 1 : 10.000)

Hockstein, Wartturm, Griesgrund
Hohnstein (Polenztal) – Hockstein – Knotenweg – Pionierweg – Schwedenlöcher – Wartturm – Fremdenweg – Griesgrund – Weiße Brüche – Elberadweg – Stadt Wehlen
Gleich am Anfang der Hockstein muss unbedingt einmal besucht werden. Der Aufstieg führt durch zwei enge Felswände und oben angekommen erfreut der Blick ins Polenztal. Der Wartturm, schräg unterhalb vom Basteiblick, ist eigentlich nur über einen Kletterzugang begehbar, musste aber unbedingt einmal gewagt werden. Der Ausblick gleicht dem von der Bastei, nur dass man sich durch Besuchermassen drängen muss. Man sieht auch noch die Stelle des Felssturzes aus dem Jahr 2000. Das Highlight der Wanderung ist aber der Griesgrund, der als Bergpfad ausgezeichnet ist. Eine enge Schlucht mit einfachen Steigpassagen, Bäume liegen quer dem Wege, auch hier eine wilde, romantische Natur.
Blick auf Stadt und Burg Hohnstein
(Karte: Rolf Böhm: Die Bastei 1 : 10.000)

Kleinhennersdorfer Stein und Gohrisch
Bad Schandau Bf. – Täppichtsteig – Kleinhennersdorf – Königsteiner Steig – Aufstieg durch ‘Die Hölle’ – Kleinhennersdorfer Stein und drei Höhlen – Alte Rietzschgrundstraße – Gohrischsteinpromenade – Westaufstieg über den Falkengrund – Abstieg vorbei am Kletterfelsen ‘Abgetrennte Wand’ – Kurort Gohrisch – Hörnelweg – Annas Ruhe – Rietzschgrund – Bad Schandau Bf.
Schöne, teils anstrengende Rundwanderung durch verschiedene Aufstiege (Täppichtsteig, Hölle, Falkengrund). Spannende Höhlensuche am Kleinhennersdorfer Stein (Lichterhöhle, Einhöhle, Hampelhöhle) und interessanter Alternativaufstieg am Gohrisch, der eine brillante Aussicht bietet.
Blick vom Gohrisch auf Papststein und Kleinhennersdorfer Stein
(Karte: Rolf Böhm: Festung Königstein und die Tafelberge 1 : 10.000)

Der Glasperlenspieler

Kein Herbst!

Veröffentlicht in Daily Mail, Gesellschaft, Kritik, Politik, Umwelt, Wandern mit Tags , , , , , , , am Oktober 19, 2009 von glasperlenspieler

Hach, es wird so lala draußen, kalt trotz Sonnenschein, der Herbst war auch nicht wirklich da und überhaupt: was wird denn das nur wieder für ein Winter? Unsere Wanderzeit erschöpft sich nun auch zusehens, sodass dieses Jahr eigentlich schon wieder vorbei ist. Was soll man nur hoffen, was fühlen, warum drückt es an allen Enden?

Man kann zufrieden sein, aber auch nicht. An der Uni läuft es wie immer mittelmäßig, Anspruch und Wirklichkeit finden den gemeinsamen Nenner immer weniger, Freunde scheinen sich zu verabschieden – aber das kann ja auch gut sein. Vielleicht entstehen neue Möglichkeiten, neue Freiheiten und Kapazitäten, vielleicht verabschiedet man sich von der Welt oder hofft auf eine neue. ‘Wer im Frühling nicht sät, wird im Herbst nicht ernten’, so sagt man ja. Lassen sie uns die Möglichkeiten also selbst nutzen, DA ist der Gestaltungsspielraum. Na komm, greif schon zu!

Auch heißt es: ‘Ist im Herbst das Wetter hell, bringt es Wind und Winter schnell’; schön, also doch abwarten. Ja was denn nun? ‘Das Schicksal ist erfinderischer als der Mensch’ – aha … das hilft doch auch nicht weiter. ‘Das Leben ist zu kurz, um es dem Schicksal zu überlassen’ – so wird schon eher ein Schuh draus, sie verstehen?

ALSO: Was nützt das Nörgeln! Lassen wir uns nicht einfach treiben, sondern packen selber an. Wenn uns die Regierung nicht so gefällt, hätten wir doch anders wählen können. Wenn uns das Wetter nicht gefällt, müssen wir uns eben anders anziehen. Wenn uns die Gesellschaft nicht behagt, wandern wir eben aus. Wenn uns das Essen nicht schmeckt, kochen wir uns selbst etwas. Wenn wir mit Gott nicht zufrieden sind, lesen wir in der Bibel. Wenn wir mit uns nicht zufrieden sind, …

Der Glasperlenspieler (empfiehlt Rainald Grebe)